Auch im zurückliegenden Jahr habe ich mir Gedanken über Musik gemacht und darüber, welche davon mir denn ganz besonders gut gefallen hat (es gab ja auch genügend freie Zeit, um sich mit einer guten Platte drinnen einzuschließen). Dabei hat irgendwann im Spätsommer 2020 bei mir eine Blitz-Wiederverliebung musikalischer Art eingesetzt, die den Rest des Jahres dann sehr geprägt hat. Und so wurde das Album des Jahres 2020 für mich dann eines, das genauso gut auch das Album des Jahres 1998 hätte sein können (und es für viele Leute vielleicht auch war).

Alanis Morissette – Supposed former infatuation junkie

Wir saßen bei Freunden und spielten eine Runde „Hast du Töne“, das heißt, jemand spielte kurze Musikclips an und die Anderen mussten möglichst schnell erraten, um welche Lieder es sich handelte. Und dabei wurde unter Anderem auch „Hands clean“ von Alanis Morissette angespielt, das von dem Nachfolgealbum „Under rug swept“ stammt, dem einzigen Morissette-Album, dem ich seinerzeit etwas intensiver zugehört und das ich auch gemocht hatte, das ich aber sicherlich seit knapp einem Jahrzehnt nicht mehr gehört hatte. Im Zuge dieses kleinen Musikratespiels bekam ich irgendwie Lust, das Album mal wieder zu hören und war begeistert ob seiner musikalischen Ausgereiftheit und der Wucht der Texte, auf die ich früher nicht sonderlich geachtet hatte. Die früheren Alben von Alanis Morissette, die noch größere Verkaufsschlager gewesen waren und mit denen sie in den 90ern ihren Durchbruch geschafft hatte, nämlich „Jagged little pill“ und „Supposed former infatuation junkie“, hatte ich irgendwann mal vom Grabbeltisch irgendeines Musikkaufhauses billig erstanden, dann aber weitgehend unbeachtet ins CD-Regal gestellt und dort verstauben lassen. Im Zuge der Morissette’schen Wiederentdeckung 2020 habe ich diese Alben dann auch mal näher und intensiver angehört und war einfach total begeistert, regelrecht umgehauen. Was diese Künstlerin da mit Anfang 20 für musikalische und textliche Bretter gefertigt hat, das finde ich mehr als bemerkenswert. Das von mir am meisten bewunderte und nun zum Album des Jahres 2020 auserkorene Werk „Supposed former infatuation junkie“ dauert fast 75 Minuten und hat währenddessen nicht einen schwachen Moment. Das Ganze klingt so unglaublich reif, wütend, durchdacht, emotional, erotisch und amüsant, dass man meinen müsste, dass hier eine Musikerin und Texterin am Werk war, die mindestens schon doppelt so viel Lebens-, Liebes- und Leidenserfahrung gesammelt haben müsste, als es in diesem jungen Alter eigentlich möglich ist.

Ich kann euch dieses Album und generell diese Künstlerin (die ersten Alben bis „Flavors of entanglement“ (was sind das auch immer für großartige Albentitel…) finde ich durch die Bank alle sehr gelungen) nur wärmstens ans Herz legen. Vielleicht auch bei manch anderem Leser Zeit für eine Wiederentdeckung…?

Somit reiht sich dieses Album ein in die mittlerweile recht stattlich gewordene Liste meiner Alben des Jahres, die ich auch in Zukunft fortzuführen gedenke.

  • 2000: Red Hot Chili Peppers – Californication
  • 2001: John Frusciante – To record only water for ten days
  • 2002: Badly Drawn Boy – The hour of bewilderbeast
  • 2003: Peter Gabriel – Up!
  • 2004: The Dresden Dolls – The Dresden Dolls
  • 2005: Nick Cave & The Bad Seeds – Abattoir blues / The lyre of Orpheus
  • 2006: Bobby Conn – Bobby Conn
  • 2007: Badly Drawn Boy – Born in the U.K.
  • 2008: Get well soon – Rest now, weary head, you will get well soon
  • 2009: Antitainment – Nach der Kippe Pogo !?
  • 2010: Robert Forster – The evangelist
  • 2011: Christiane Rösinger – Songs of L. and Hate
  • 2012: The Gaslight Anthem – The ’59 sound
  • 2013: Paul Simon – Graceland
  • 2014: Marsimoto – Grüner Samt
  • 2015: Ja, Panik – Libertatia
  • 2016: Turbostaat – Abalonia
  • 2017: Father John Misty – Pure comedy
  • 2018: Anna & Elizabeth – The invisible comes to us
  • 2019: A Perfect Circle – Eat the elephant
  • 2020: Alanis Morissette – Supposed former infatuation junkie

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag und eine gute Zeit. CU in Disneyland!

Ein Gedanke zu “Album des Jahres 2020!

  1. Ist das schon so lange her ? War das auch 2011, als Du mir die Christiane Rösinger-CD mitgebracht hast? Diese Frau ist total auf mich zugeschnitten! Und mit Alanis Morissette hast Du recht – erstaunlich, von ihr müßte man mehr zu hören bekommen in den Sendern. Ò_ó

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s