Der coolste Affe im Duschgel!

An diesem Wochenende fahren wir runter in die alte Heimat, denn die Großmutter meiner Freundin feiert ihren 80sten Geburtstag. Das wird wohl eine große Sause mit reichlich Verwandtschaft und Bekanntschaft aus Nah und Fern. Traditionell auch immer mit sehr gutem Essen (vor einiger Zeit waren wir schonmal auf der Goldhochzeits-Feier der Oma und von dem Essen wird heute noch geschwärmt).

Am Wochenende werde ich daher wohl nicht zum Schreiben kommen, aber in das Wochenende möchte ich euch noch mit einem kleinen Ständchen entlassen:

 

CU in Disneyland!

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Harter Schanker, weicher Schanker, Ravi Shankar!

Kürzlich bin ich beim Musikhören einmal mehr bei der „grim104„-EP hängen geblieben. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue erstaunt, was das für eine unglaublich gelungene Scheibe ist. Für mich der beste deutschsprachige Hip-Hop-Release in den vergangenen 5 Jahren!

 

Gut gemachter deutschsprachiger Hip-Hop mit textlichem Anspruch, wo findet man das heute schon noch so wirklich?

Alleine so Textzeilen wie

„Meine Eltern kommen aus Westdeutschland – Terror, Schleyer, Landshut,

ich krieg nur die Reste ab – Lena Meyer-Landrut“

oder

„Doch nach jedem 1. Mai, an dem ich Steine auf die Schweine warf,

kam ein 2. Mai – geil – Kindergeld vom Schweinestaat“

begeistern mich bei jedem Hören aufs Neue.

Demgegenüber bin ich immer wieder enttäuscht, wie schwach dann die Releases von „Zugezogen Maskulin„, dem Hip-Hop-Duo, von dem grim104 die eine Hälfte bildet, sind. Hoffentlich macht der gute grim104 noch mal ein Soloalbum in der näheren Zukunft, mich würde es freuen!

 

CU in Disneyland!

Ich verließ meine Heimat, die Musik-Stadt!

Im Sommer 2016 habe ich auf der Hochzeit von Miss G und Mister Jo, zwei sehr guten Studien-Freunden von mir, Musik gemacht. Die Beiden hatten sich das gewünscht und durch den Hochzeits-Marathon in meinem Freundeskreis in den vergangenen Jahren war ich darin mittlerweile schon gut erprobt und habe gerne zugesagt. Besonders gefreut hat mich, dass im Vorfeld die Schwester des Bräutigams, mit der wir auch schonmal gemeinsam im Urlaub waren, auf mich zukam und mich fragte, ob wir nicht gemeinsam was auf die Beine stellen wollten. Sie würde gerne, wenngleich untrainiert singen, bislang nur für sich alleine, aber für ihren geliebten Bruder wollte sie mal über ihren Schatten springen und sich und ihre Stimme der Öffentlichkeit präsentieren.

Wir haben uns dann zusammen hingesetzt und Songs ausgewählt, welche die beiden Brautleute sehr gerne mögen, unter anderem diesen hier:

Wir haben uns im Vorfeld nur zweimal zum Proben treffen können, an der ein oder anderen Stelle hat es sicherlich auch noch ein wenig gerumpelt, aber insgesamt hat mir das echt Freude bereitet. Ich finde auch, dass wir da stimmlich sehr gut harmoniert haben. Die zwischendurch über die Aufnahme mitsingende Stimme gehört übrigens meiner Freundin, die das Bootleg-Video hier auch heimlich mitgedreht hat. ^^

Irgendwie habe ich immer ein bisschen davon geträumt, so eine Zwei-Personen-Kapelle aufzumachen mit einer Mitspielerin, die ebenfalls singen und Gitarre spielen könnte. Zwei Stimmen, zwei Gitarren – mehr braucht es doch gar nicht, um was Gutes hinzubekommen. Dem kam dieser kleine Hochzeits-Auftritt ja schon verhältnismäßig nahe.

Leider ist zwischenzeitlich weder aus weiteren gemeinsamen Urlauben noch aus weiterer gemeinsamer Musik etwas geworden. Miss G und Mister Jo haben 2017 Nachwuchs in die Welt gesetzt, so dass aus dem in den sechs vorangegangen Jahren gesetzten gemeinsamen Sommerurlaub nichts wurde. Mister Jos Schwester und ihr langjähriger Freund (die 2015 und 2016 auch mit uns im Urlaub waren) haben sich 2017 überraschend getrennt und Mister Jos Schwester ist darüber hinaus schwer depressiv geworden (bzw. war es auch schon vorher, aber durch die Trennung wohl akut aggraviert) und hat Monate in stationärer psychiatrischer Therapie verbracht und gewöhnt sich gerade erst wieder allmählich in das Alltagsleben ein. Glücklicherweise hat sie eine tolle Familie (inklusive ihres Bruders), in der sie alle nach Kräften unterstützen und sie aufgefangen haben. Auch ich habe mich bemüht, regelmäßig immer mal wieder von mir hören zu lassen und habe ab und zu mal nette Worte oder einen musikalischen Gruß vorbei geschickt. Ich habe 2013 schon einen guten Freund an die Depressionen verloren und bin nicht bereit, dieser beschissenen Saukrankheit noch einen Millimeter mehr als unbedingt nötig einzuräumen.

CU in Disneyland!

Gesichter des Krieges!

An meine Grundschulzeit kann ich mich eigentlich nur sehr schemenhaft erinnern. Ich weiß, dass wir damals bestimmte Dinge im Rahmen des Unterrichts besprochen haben und dass bestimmte Aktivitäten und Ausflüge stattfanden, aber wirklich konkret daran erinnern, also wie es gewesen ist, in der jeweiligen Situation zu sein, kann ich mich nicht. Es gibt eine Ausnahme, einen Unterrichtstag, an den ich mich noch sehr genau erinnere.

Es war ein Tag im Mai 1995, ich war 9 Jahre alt und ging in die dritte Schulklasse und an diesem Tag bin ich gedanklich zum ersten Mal bewusst dem zweiten Weltkrieg begegnet. Unsere Klassenlehrerin hatte in der Mitte des Klassenraums ein paar Tische zu einem Rechteck zusammengeschoben, so dass sich alle Schülerinnen und Schüler darum versammeln konnten mit einem gleichermaßen guten Blick auf die Tischmitte. In eben jener Tischmitte lag ein einzelnes Bild, das einen weinenden Jungen in einer Uniform mit einem zu groß wirkenden Übermantel zeigte.

Der Wahnsinn des Krieges: Der Kindersoldat Hans-Georg Henke, fotografiert von John Florea in Hüttenberg-Rechtenbach.	(Getty Images)

(Quelle: https://www.giessener-allgemeine.de/import/mdv/hessen/art887,82573)

Wir Schüler sollten nun unsere Gedanken zu diesem Bild äußern. Dass es dem Jungen da auf dem Bild augenscheinlich nicht gut ging, war uns allen relativ schnell klar. Und dass es sich um ein älteres Bild handeln musste. Der militärische Kontext fiel uns zunächst, unverdorben wie wir damals noch waren, gar nicht so sehr ins Auge.

Jener Schultag damals war der 50. Jahrestag des Endes der zweiten Weltkriegs (in Europa). Das Bild, so informierte uns unsere Klassenlehrerin, sei gegen Ende des Krieges entstanden, als junge Leute noch zum Kämpfen eingezogen worden waren, zum Teil gar nicht sehr viel älter als wir selbst.

Die Angst und Verzweiflung, die aus dem Gesicht dieses Jungens spricht, haben wir damals ausführlich thematisiert, all das, was er in der damaligen Situation empfunden haben mag. Mir sind diese Unterrichtsstunde, dieses Bild und die damit verbundenen Emotionen über all die Jahre stets sehr prägend im Gedächtnis geblieben.

Wenn ich aus heutiger Sicht darüber nachdenke, dann empfinde ich den Ansatz meiner damaligen Klassenlehrerin als didaktisch äußerst gelungen. Sie hätte sich ja auch an die Tafel stellen und ein paar Jahreszahlen anschreiben können und auf diese Weise ein Gespräch über den zweiten Weltkrieg und sein sich zum 50. Mal jährendes Ende anfangen können. Aber das hätte sicherlich nicht den gleichen Effekt gehabt und ich hätte heute keinen Tagebucheintrag über meine Erinnerung an diesen denkwürdigen Unterrichtstag geschrieben.

Ich habe immer große Dankbarkeit dafür empfunden, niemals in der Situation des Jungen auf dem Bild gesteckt haben zu müssen, dass ich, was für tausende Generationen vor mir überhaupt nicht denkbar war, frei von kriegerischen Konflikten aufwachsen konnte, frei von der Angst herabfallender Bomben oder umherfliegender Projektile.

Im Grunde braucht es nicht mehr als den Blick in das Gesicht dieses Jungen auf dem Bild, um zum Pazifisten zu werden.

CU in Disneyland!

Wir bestaunten den aufblitzenden Klang der Freiheit!

Die vergangene Woche war auf der Arbeit ziemlich anstrengend, wir hatten viel zu tun. Zu einem großen Teil lag es sicherlich daran, dass der Chef im Urlaub war, das merkt man dann schon immer ziemlich deutlich. Alle rücken dann gefühlt eine Position höher, unsere leitende Oberärztin wird zur Chefin, die normalen Oberärzte werden zu leitenden Oberärzten, die Fachärzte werden zu Oberärzten und die Assistenten zu Fachärzten. Ich merke es darüber hinaus sowieso allmählich, dass sich meine Assistenzarztzeit auf die Zielgerade zu bewegt. Die Aufgaben und Anforderungen werden mehr und variabler und es gibt kaum noch ein Gebiet, vor dem ich „sicher“ wäre. Das ist bisweilen anstrengend, aber häufig auch recht schön, wenn ich feststellen kann, dass ich das alles trotz der wachsenden Anforderungen noch ziemlich gut hinbekomme. In dieser Woche nur leider nicht immer innerhalb der Kernarbeitszeiten, dafür war es dann einfach zu viel. Gefühlt habe ich jeden Tag ein Konsil an andere Referenz-Pathologien für die jeweiligen Fachgebiete weggeschickt, weil wir bei einzelnen Fällen nicht weitergekommen sind. Ich finde das eigentlich gut, dass wir das machen, dass wir uns also ab einem bestimmten Punkt eingestehen, nicht weiterzuwissen und nicht genügend eigene Expertise zu haben, um bestimmte spezielle Fragestellungen suffizient beantworten zu können. Dafür gibt es ja auf jedem Gebiet ausgewiesene Experten, an die man sich mit kniffligen Fällen mal wenden kann.  Man lernt ja dann auch immer was dazu, wenn die Antwort der Experten zurück kommt. Und bisweilen kommen nicht mal die Experten mehr aufschlussreich weiter, was für uns dann immerhin die beruhigende Bestätigung ist, dass es sich tatsächlich um einen komplizierten Fall gehandelt hat. In Bochum haben wir fast nie solche Konsile weggeschickt, denn nach der dort vorherrschenden Meinung hätte das ja Schwäche dargestellt und somit für eine negative Außenwirkung gesorgt. Da hat man sich dann lieber einen halbgaren Befund zusammenkonfabuliert (frei nach dem Motto: „Machen wir eine konsistente Geschichte draus!“), anstatt sich eine auswärtige Expertise einzuholen.

Ansonsten hatte ich in dieser Woche auch ein wenig Pech mit meinen Sonderaufgaben. Am Dienstagnachmittag war ich in den Schnellschnitten eingeteilt und während das üblicherweise nachmittags eher gemütlich abläuft, wurden an diesem Nachmittag noch 9, zum Teil aufwändige Schnellechnitte eingesandt, die mich dann vollumfänglich beschäftigt haben, so dass ich daneben kaum mehr zu meiner Kernarbeit kam. Für den Dienstagabend hatte ich uns Assistenzärzten zudem eine Fortbildungsveranstaltung in der „Molekularpathologie“ organisiert, die einen immer größeren Anteil in unserer Arbeitsrealität einnimmt, mit der wir aber im Assistenten-Alltag nur wenige Berührungspunkte haben, die gleichwohl aber berechtigterweise auch Prüfungsinhalt in der Facharztprüfung sein könnte. Bin ein bisschen stolz darauf, dass ich unsere promovierte Biologin im Haus dazu becirct habe, für uns Assistenten nach der Arbeit noch eine Fortbildung zu veranstalten, damit wir auch mal ein paar Einblicke in diesen Arbeitsbereich bekommen. Wir wollen jetzt sogar in losen Abständen eine kleine Fortbildungsreihe daraus machen, um uns mal durch die relevanten Themen gemeinsam durchzuarbeiten. Und so erfreulich und sinnvoll das alles ist, aber am Horrordienstag nach dem etwas eskalierten Arbeitstag war das doch ziemlich anstrengend, zumal ich dann nach der Fortbildung nochmal zurück ans Mikroskop musste, um bis in die Puppen noch meinen Schreibtisch sauber zu arbeiten.

Und wie das dann immer so ist: Viel Arbeit zieht viel Arbeit nach sich. Die Schnellschnitte vom Dienstag haben mich dann an den nächsten Tagen noch ausgiebig begleitet (im weiteren Zuschnitt und später unterm Mikroskop), zudem hatte ich von Mittwoch auf Donnerstag wieder Titty-Tag und da kamen unfassbar viele Präparate an, so dass ich am gestrigen Freitag mehr als reichlich zu befunden hatte, netterweise aber auch kollegiale Unterstützung bekam und mir ein paar Fälle abgenommen wurden. Immerhin waren auch ein paar interessante Dinge dabei, die den hohen Arbeitsaufwand dann wiederum auch in eine rentable Situation für mich verkehrt haben. So hatte ich zum Beispiel einen äußerst seltenen Brusttumor dabei, der üblicherweise in Speicheldrüsen zu finden ist, aber ganz selten eben auch mal in der Brust (Drüse ist Drüse…). Laut WHO-Klassifikation soll der nur etwa einen von 1000 Brustkrebsfällen ausmachen. Hatte ich noch nie gesehen, und dennoch hab ich dieses spezielle Wuchsmuster erkannt und hab mich dann darüber gefreut, mal so etwas Besonderes in mein Gesichtsfeld bekommen zu haben (im Übrigen ist die womöglich etwas merkwürdig anmutende „Freude“ in diesem Zusammenhang gar nicht so zynisch, wie es zunächst scheinen mag, weil dieser spezielle Tumor tatsächlich eine exzellente Prognose hat und sich somit aus dem Gesamtkollektiv der Brustkrebsarten positiv heraushebt).

Naja, auf jeden Fall war ich dann doch froh, als der Freitag und somit auch die anstrengende Arbeitswoche rum war und ich endlich ins Wochenende gehen konnte.

Was war sonst noch so los die Woche? Dienstagabend war ich dann total abgekämpft noch beim Türkischkurs und habe gefühlt dort nix mehr mitbekommen. Am Donnerstagabend war ich beim Frisör und habe mir dort tatsächlich so etwas wie eine Frisur verpassen lassen (gefühlt habe ich ja die letzten Jahre immer nur die Radikalversion von „Einmal mit der Maschine über die Rübe“, in variabler Länge zwischen 6 und 12 mm, gewählt, was unkompliziert und pflegeleicht war. Habe ich in diesem Zusammenhang eigentlich mal die Geschichte erzählt, wie ich irgendwann 2016 einmal auf die Idee kam, das doch auch selbst machen zu können mit der Haarschneidemaschine und das so derart in die Hose gegangen bzw. krumm und schief geworden ist, dass am Ende nur noch die Option „Glatze rasieren“ blieb…?)

Gestern Abend war ich, gemessen am Grad meiner Ermüdung, deutlich zu spät im Bett, wollte mir aber unbedingt noch das Basketballspiel der Bamberger in Istanbul anschauen und im Anschluss das neue „MGMT“-Album ersthören (erster Eindruck leider gar nicht so positiv).

Bildergebnis für mgmt little dark age

(Von dem ultra-hässlichen Cover wollen wir darüber hinaus mal gar nicht sprechen…)

Habe mich beim Musikhören dann zudem dabei ertappt, wie ich am Laptop Verlobungsringe gegoogelt habe, noch nicht konkret suchend, aber doch perspektivisch planend. Scheiße, ich werde jetzt allmählich so richtig spießig! 😉

Ich habe dann nachts auch gar nicht so gut geschlafen (was ich jetzt aber nicht unbedingt auf die Geschichte mit den Verlobungsringen zurückführe, aber wer weiß, das Unterbewusstsein ist ein tiefer, dunkler Graben…), meine Freundin musste Samstag zudem zum Frühdienst und deswegen viertel vor 5 aufstehen, wobei ich dann auch wach geworden und im Anschluss nicht mehr eingeschlafen bin. Dementsprechend war der Samstag ein ziemlich rammdösiger und träger Tag. Immerhin habe ich uns eine sehr leckere und übertrieben üppige Gyros-Pfanne zum Mittagessen gezaubert, mit reichlich Zwiebeln und Tsatsiki, so dass die Bude hier den restlichen Tag gefühlt gestunken hat wie bei Costas‘ Mykonos-Grill um die Ecke.

Samstagvormittag hatte ich mir noch den Film „Personal Shopper“ angeschaut (soviel zum Thema „Filme mit Kristen Stewart gucke ich mir nicht an…^^).

Bildergebnis für personal shopper

Meine Schwester hatte ihn mir ausgeliehen, als Film aus der Kategorie „Merkwürdig, aber meinem Bruder mit seinem komischen Filmgeschmack gefällt der Quark bestimmt“. Naja, bedingt, muss ich sagen, schon ein ziemlich merkwürdiges Ding. Kristen Stewart spielt hier eine Frau, die für ein jetsettendes Topmodel die teuren Schickimicki-Boutiquen-Einkäufe erledigt und nebenbei als „Medium“ auf der Suche nach dem Geist ihres verstorbenen Zwillingsbruders durch eine verlassene alte Villa läuft. Dann gibt es noch eine unmotiviert eingeflochtene Kriminalgeschichte und fertig ist der frisch durchgerührte Esoterik-Quatsch. Naja, ganz so übel war’s auch nicht, aber unterm Strich bleibt nach recht zähen 105 Spielminuten, von denen man die Hälfte der Zeit Kristen Stewart beim Tippen von Textnachrichten auf ihrem Handy zuschaut, die große Frage: „Was wollte uns der Autor sagen?“ (bzw. „Der Vorhang zu und alle Fragen offen“).

CU in Disneyland!

Gingers Karriere in der Politik!

Ist nicht diese ganze Dramödie um die Neuauflage der „großen Koalition“ derzeit ein Paradebeispiel dafür, warum sich immer mehr Leute von der Politik und den sogenannten „großen Parteien“ abwenden!? Ich weiß noch, wie ich im vergangenen September, einige Wochen vor der Bundestagswahl, auf meinem Nachhauseweg von der Arbeit eine Weile an einer roten Ampel warten musste und dort Aug in Aug mit einem mannshohen, lebensgroßen Martin Schulz-Wahlplakat stand. Und wie ich da also so wartete und den Herrn Schulz betrachtete mit seinem zerzauselten Bart, der Halbglatze und der schief sitzenden Brille, da dachte ich so bei mir „Unfassbar, dass dieser Mann vor gerade mal einem halben Jahr noch als der politische Messias gefeiert wurde und man sich von diesem Polit-Bürokraten mit der Ausstrahlung eines zweiten Vorsitzenden des Philatelisten-Vereins Würselen-Schünkrade einen politischen Ruck erhofft hatte“. Da wurde mir schlagartig klar, wie hoffnungslos die politische Lage in diesem Land zwischenzeitlich geworden ist.

Gut, was ich da beschreibe, das sind ja zunächst einmal nur Äußerlichkeiten, aber auch inhaltlich wird es ja nicht besser. Eine wesentlich katastrophalere Außenwirkung als Martin Schulz hätte man ja kaum zustande bringen können, den formvollendeten politischen Opportunismus, das fleischgewordene Fähnlein im Winde. Erst sagen, man ginge auf jeden Fall in die Opposition, weil dies der „Wählerwille“ sei, einige Zeit später dann doch in Sondierungen mit schließlich zu Ende gebrachten Koalitionsverhandlungen eintreten, unter der Prämisse, in einem „Kabinett Merkel“ aber auf keinen Fall Minister zu werden, um kurze Zeit später den Parteivorsitz an „Auf die Fresse“-Funkenmariechen Andrea Nahles abzutreten, um dann plötzlich doch Außenminister werden zu wollen um dann beim ersten Anflug von (erwartbarem) Gegenwind wiederum erneut einzuknicken und dann gleich alles hinzuschmeißen. Spätestens seit der „Agenda 2010“ hat die SPD ja eigentlich ohnehin ihre Daseinsberechtigung verloren und siecht seither halbtot vor sich hin, aber einen besseren Sterbehelfer und Totengräber in einer Person als Martin Schulz hätten sich die Genossen kaum aussuchen können, um das hehre Projekt der Sozialdemokratie endgültig zu Grabe zu tragen.

 

Soweit zum Allgemeinen, nun zum Speziellen. Ich selbst war von 2013 bis 2017 Mitglied in der Partei „Die LINKE“, nachdem ich in einem initialen Anflug von naivem Optimismus zu der Ansicht gelangt war, mich politisch positionieren und betätigen zu müssen. Im Kontext mit der Bundestagswahl 2013 hatte ich mich relativ ausgiebig mit Parteiprogrammen und -positionen auseinandergesetzt und war dabei zu der für mich zu jenem Zeitpunkt recht überraschenden Erkenntnis gelangt, dass etwa 80% der Thesen, die die LINKEN in ihrem Parteiprogramm niedergeschrieben hatten, mit meinen eigenen Ansichten übereinstimmten – der mit deutlichem Abstand höchste Übereinstimmungswert, den ich bei den verschiedenen politischen Parteien, mit denen ich mich auseinandergesetzt hatte, feststellen konnte. Zudem hatte ich um diese Zeit einige Bücher von Sahra Wagenknecht gelesen, die zwar zum Teil etwas ätzig geschrieben waren, die ich von den gedanklichen Konstrukten her aber ziemlich überzeugend fand.

So habe ich relativ kurz nach der Bundestagswahl 2013, bei der die LINKE zwar ein achtbares, aber kein überragendes Ergebnis einfuhr, einen Mitgliedsantrag ausgefüllt und bin dann tatsächlich Parteimitglied geworden. Wenngleich mir schon klar war, dass ich nichts Großes da würde reißen können, so wollte ich die mir sympathischen Ideen doch zumindest finanziell mit meinen monatlich nicht zu knapp abzudrückenden Mitgliedsbeiträgen unterstützen.

Meinen Eltern hat das im Übrigen ziemlich das Herz gebrochen, denn die kommen aus der früheren DDR und halten die LINKE noch immer für die Nachfolgepartei der SED, unter deren politischer Linie und Umsetzung eben dieser Linie meine Eltern doch konkret ziemlich zu leiden hatten (wobei mein Vater das in einem alterssenilen Anflug von Geschichtsrevionismus mittlerweile alles gar nicht mehr so schlimm findet, eigentlich war das doch alles ziemlich toll damals – das hatte sich merkwürdigerweise vor ein paar Jahren noch ganz anders angehört).

Anfang 2014, kurz nach meinem Umzug nach Bochum, bin ich einmalig zu einer Versammlung des dortigen Ortsvereins der PARTEI gegangen und war aufrichtig schockiert über die Art und Weise, wie dort mehr gescheiterte als gescheite Leute auf semi-freundliche Weise miteinander umgingen und wie man es nicht hinbekam, halbwegs stringent eine Tagesordnung abzuarbeiten, ohne sich bei jedem noch so nichtigen Punkt in irgendwelchen Flügel-Grabenkämpfen und theoretischen Konstrukten zu verzetteln (auch wenn es nur darum ging, wer in zwei Wochen zwischen 15 und 16 Uhr den Infostand vorm REWE-Markt an der Schlöppmannstraße besetzen sollte). Von der im Parteiprogramm propagierten Menschenfreundlichkeit war da auf jeden Fall wenig zu spüren.

So gelangte ich relativ rasch zu der Erkenntnis, dass die Untiefen der stümperhaft umgesetzten Lokalpolitik wohl doch eher nichts für mich wären und hielt mich fortan von solchen Veranstaltungen fern und betrachtete die lokalen und überregionalen Entwicklungen aus der Ferne und gab mich mit der Rolle des finanziell Unterstützenden (des Mäzens…) zufrieden.

Zunehmend auf den Senkel gingen mir darüber hinaus die Überhand nehmenden Solidaritätsbekundungen mit allen möglichen Volksgruppen, Solidarität mit Palästina (auch so ein heißes Thema; an der Haltung zu Israel kann man die Linken an sich ja schon in mindestens 7 Untergruppen einteilen – aber dieses Fass mag ich jetzt nicht weiter öffnen), Solidarität mit den Jesiden, Solidarität mit den Kurden und so weiter und so fort. Alles schön und gut, aber bei all den freudig und vollkehlig vorgetragenen Solidaritätsbekundungen wurde mir nie so ganz klar, was das jetzt unbedingt alles mit unseren Problemen hier zu tun hat (sprich: Was hat der Kurde von meiner Solidarität, wenn ich es selbst nicht mal hinkriege, einen Infostand am REWE-Markt in der Schlöppmannstraße zu organisieren?).

Als eine Leitfigur innerhalb der LINKEN sehe ich tatsächlich Sahra Wagenknecht an, die ich für belesen, intelligent und kompetent halte. Innerhalb der Partei ist sie allerdings ziemlich umstritten, was in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen hat. Und so gilt die Frau skurrilerweise innerhalb der LINKEN sogar als zu rechts, während sie vor gar nicht allzu langer Zeit in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung noch als Ultra-Kommunistin hingestellt wurde. Ich persönlich wünschte mir, es gäbe in der Partei der LINKEN ein paar mehr so kluge und besonnene Leute wie Sahra Wagenknecht und weniger von solchen Katja Kipping-artigen Gestalten. Während sich Frau Wagenknecht in eine Diskussionsrunde setzen kann und dort vernünftig argumentierend ihre Standpunkte darlegt (die man nun teilen kann oder auch nicht), höre ich eine Frau Kipping ständig nur keifen und geifern, egal um welches Thema es geht. Tiefpunkt ihrer ohnehin häufig zweifelhaften Wortäußerungen waren dann in meinen Augen ihre gezwitscherten Beiträge zu den G20-Krawallen, in denen sie in ihrer verqueren Weltsicht das halbtägige, gar nicht so lustige „Plündern und Branschatzen“ noch einer vermeintlichen Provokation durch die Polizei in die Schuhe schieben wollte.

Da ich meinen wachsenden Unmut über die lokalen wie großpolitischen Schieflagen in der Partei immer mal wieder bei sich bietenden Gelegenheiten in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kundtat, wurde mir gehäuft nahe gelegt, doch wieder aus der Partei auszutreten. 2017 wollte ich das vor der Bundestagswahl dann nicht mehr tun, weil ich das als das falsche Signal empfunden hätte, immerhin handelte es sich ja immer noch um die politische Vereinigung, mit deren zumindest auf dem geduldigen Papier formulierten Positionen ich noch am ehesten d’accord ging. Und immer noch wünschte ich mir für die Partei ein besseres Ergebnis bei der Bundestagswahl und daraus womöglich erwachsende bessere Gestaltungsmöglichkeiten. Ich habe „TeamSahra“ im Wahlkampf dann auch noch im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützt, vom Ergebnis her ist ja dann bekanntermaßen aber aus meinen Träumen und Hoffnungen nichts geworden.

Heute, als politischer Pensionär und Eremit (steht mir nach 4 Jahren „Die LINKE“ jetzt nicht eigentlich eine fette Pension zu….!? ^^), bin ich nur noch Mitglied bei „Die Partei“. Die sind wenigstens lustig. Und versprechen nichts, was sie dann später nicht halten. Ansonsten bin ich mit der „Realpolitik“, denke ich, weitgehend durch.

 

Mein Hausarzt in Duisburg, ein kluger Mann, hat mir, als ich mit dem Medizinstudium begonnen habe, einen guten Rat mitgegeben, um erfolgreich durch das Studium zu kommen. Er sagte: „Halten Sie es mit dem Feiern in Maßen, suchen Sie sich Vorbilder an der Universität und bleiben Sie der Hochschulpolitik fern.“ Ich habe das quasi als ärztliche Anordnung verstanden und es gleichermaßen folgsam wie letztendlich ja auch erfolgreich umgesetzt. Vermutlich würde dieser Hausarzt, klug wie er ist, in Analogie zum damaligen Tipp wohl generell dazu raten, sich aus den Widerwärtigkeiten des politischen Geschäfts herauszuhalten. Die Gesundheit geht bekanntermaßen vor.

CU in Disneyland!

Der cineastische Snack!

Im Zuge von Fundachens „Tsu Chu oder Tsu Auf“-Eintrag vor einigen Tagen wurde in ihrem Blog auf einen älteren Eintrag mit einem Kino-Fragebogen verwiesen, den ich mit naturgemäß großem Interesse wahrgenommen habe und auch noch gerne beantworten wollte.

1. Ein Film, den du schon mehr als zehnmal gesehen hast?

Tatsächlich habe ich mir schon viele Filme mehrfach angeschaut, aber auf mehr als zehn Sichtungen schafft es nur mein Lieblingsfilm „Mulholland Drive“, da dürften es mittlerweile so ca. 15 Durchgänge sein (und ich hab ihn noch immer nicht verstanden).

2. Ein Film, den du mehrfach im Kino gesehen hast?

4mal habe ich im Kino „Inland Empire“, ebenfalls von David Lynch gesehen. Der ist zwar eigentlich nicht so richtig gelungen, aber ich war damals vollkommen im Lynch-Wahn versunken. Außerdem habe ich ihn bei den vier Sichtungen in drei verschiedenen Kinos gesehen, es war also durchaus Abwechslung drin. Dreimal habe ich zudem „Drive“ von Nicolas Winding Refn im Kino gesehen, der mich schwer begeistert hat. Auf zwei Sichtungen im Kino schaffen es zahlreiche Filme bei mir.

3. Ein Schauspieler, wegen dem du eher geneigt wärst, einen Film zu sehen?

Brad Pitt mag ich sehr gerne, der spielt auch häufig gute Rollen. Im deutschsprachigen Raum Sandra Hüller oder Birgit Minichmayr.

4. Ein Schauspieler, wegen dem du weniger geneigt wärst, einen Film zu sehen?

Kristen Stewart kann ich nicht ausstehen. Im deutschsprachigen Raum Veronica Ferres.

5. Filmmusical, dessen Songtexte du komplett auswendig kannst?

Das gibt es beim besten Willen nicht! *lach*

6. Ein Film, bei dem du mitgesungen hast?

Vermutlich so Disney-Filme beim wiederholten Ansehen, so Tarzan-Songs von Phil Collins. Und es gibt einen Bob Dylan-Film namens „Masked and Anonymous“, da hab ich auch mitgesungen.

7. Ein Film, den jeder gesehen haben sollte?

Schwer zu sagen. Nach meiner Ansicht natürlich „Mulholland Drive“, aber da weiß ich schon vorher, dass er vielen Leuten nicht gefallen wird. Welchen Film ich auch wirklich stark finde und für einen der intelligentesten Filme der letzten Jahre halte ist „Das weiße Band“ von Michael Haneke. Das ist ein Film, den sollten sie an Schulen zeigen, um die Mechanismen von Gewalt und menschlicher Aggression zu verstehen.

8. Ein Film, den du besitzt?

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(und bevor einer fragt, ja, da vorne in der ersten Reihe stehen Baywatch-Staffeln ^^)

9. Ein Schauspieler, der seine Karriere nicht beim Film startete und der dich mit seinen schauspielerischen Leistungen positiv überrascht hat?

David Bowie hat zum Beispiel in einigen sehr guten Filmen mit guten Rollen mitgespielt. Ansonsten fällt mir dazu nicht so viel ein.

10. Schon mal einen Film in einem Drive-In gesehen?

Nein, leider noch nicht, aber das stirbt auch langsam aus, fürchte ich.

11. Schon mal im Kino geknutscht?

Na klar.

12. Hast du jemals das Kino verlassen, weil der Film so schlecht war?

Noch nie, aber das mache ich grundsätzlich nicht. Wenn ein Film so richtig schlecht ist, dann will ich das auch in der gesamten Wucht mitkriegen, um mich dann wirklich vollständig ärgern zu können. Manchmal haben ja auch an sich blöde Filme am Ende noch einen interessanten Twist, der sie in einem besseren Licht erscheinen lässt und es wäre schade, das zu verpassen.
13. Ein Film, der dich zum Weinen gebracht hat?

Ach, viele, da bin ich emotional leicht zu knacken. Bewusst erinnern, weil bei diesem Film mehrfach passiert, kann ich mich zum Beispiel an „Lilja 4-ever“.

14. Popcorn?

Schmeckt nicht und ist saunervig im Kino – ich lehne als Cineast Essen und Trinken im Kinosaal sowieso weitgehend ab.

15. Wie oft gehst du ins Kino?

Früher sehr viel häufiger, in den guten Jahren habe ich es auf über 50 Kinobesuche im Jahr geschafft. Auch in den Jahren meiner Berlinale-Besuche 2015 und 2016. Zuletzt hat das leider deutlich nachgelassen, im vergangenen Jahr waren es vielleicht noch 10 Kinobesuche, wenn’s hoch kommt.

16. Welchen Film hast du zuletzt im Kino gesehen?

Vorletztes Wochenende „Wunder“, zusammen mit meiner Freundin.

17. Dein Lieblingsgenre?

Das hab ich nicht, ich bin für alle Genres grunsätzlich offen (außer vielleicht Filmmusicals, siehe oben…).

18. Dein erster Film, den du im Kino gesehen hast?

Bernhard & Bianca im Känguruland

19. Welchen Film hättest du lieber niemals gesehen?

Am verstörendsten war vermutlich „Irreversibel“ von Gaspar Noé, der hat mich in eine körperliche Schockstarre versetzt. Trotzdem ein Kinoerlebnis, das ich nicht missen möchte. Einer der Filme, über deren Besuch ich mich am meisten geärgert habe, war die Stephen King Verfilmung „The mist“ – da ist der Name auf jeden Fall Programm.

20. Der merkwürdigste Film, den du mochtest?

Ach, ich mag viele merkwürdige Filme, alleine schon durch mein David Lynch – Faible. Und auch trashige Sachen gefallen mir häufig gut.

21. Der beängstigendste Film, den du je gesehen hast?

Einer der wenigen Horrorfilme, der mir im Kino wirklich Angst gemacht hat, war „The descent“.

22. Der lustigste Film, den du je gesehen hast?

Es gibt viele auf ihre Weise lustige Filme, bei denen ich sehr gelacht habe. Eines der mir erinnerlichen Highlights ist aber der „Simpsons“-Kinofilm, bei dem die Knaller-Pointen im 10-Sekunden-Takt gesetzt sind, bei dem ich 90 Minuten durchgelacht habe und bei dem es im Kino (im Rahmen einer ganz normalen Nachmittagsvorstellung, also keine Premiere oder sowas) Szenenapplaus und Standing Ovations beim Abspann gab!

CU in Disneyland!

Benim bir günüm!

Ich wollte, dem Vorbild zahlreicher Mitautorinnen und -autoren folgend, nun auch mal einen ganz normalen Tagesablauf von mir schildern. Die türkischsprachige Überschrift (= „ein Tag von mir“) bezieht sich darauf, dass wir im Türkischkurs als Sprach- und Sprechübung auch immer mal wieder unsere Gewohnheiten und Tagesabläufe schildern mussten, in sofern bin ich sozusagen gerade in der Thematik drin. Seit wir vor einiger Zeit die Vergangenheitsform gelernt haben, müssen wir nun meistens schildern, was wir vergangene Woche getan haben. Wenn wir demnächst das Futur behandeln, werden wir vermutlich dann schildern müssen, was wir in der kommenden Woche zu tun gedenken. 😉

Ich stehe unter der Woche in der Regel zwischen 6 Uhr und 6.20 Uhr auf, je nachdem, ob ich morgens duschen gehen möchte oder nicht (meistens gehe ich nur jeden zweiten Tag duschen, außer im Sommer oder wenn ich Sport gemacht und entsprechend geschwitzt habe). Ich stelle mir dafür einen Wecker, werde aber in 95% der Fälle schon einige Minuten vor dem Klingeln von selbst wach, was für meine Freundin sehr praktisch ist, wenn sie Zwischen- oder Spätdienst hat und dann noch liegen bleiben kann und nicht von meinem Wecker wach wird. Wenn meine Freundin hingegen Frühdienst hat, dann muss sie um viertel vor 5 aufstehen und dann werden wir in der Regel von ihrem Wecker wach. Ich gehe dann meistens kurz pinkeln, wünsche ihr nen schönen Tag und lege mich dann nochmal hin, eben bis 6 Uhr oder 6.20 Uhr, je nachdem, ob ich noch duschen gehen möchte oder nicht.

So oder so, ob geduscht oder nur kurz frisch gemacht, komme ich dann meistens gegen 6.30 Uhr aus dem Bad und habe dann noch ein wenig Zeit für mich. Ich trinke morgens dann eine große Tasse Kaffee und esse eine Banane. Entweder surfe ich dabei ein wenig durchs Internet (zuletzt häufig hier bei WordPress) oder ich gucke ein wenig Fernsehen, am liebsten die Morgenwiederholung der Kulturzeit auf 3sat. Wenn der Kaffee und die Banane drin sind, verspüre ich relativ zuverlässig um kurz vor 7 akuten Stuhleinschuss in die Ampulle und gehe dementsprechend dann scheißen. Anschließend wasche ich mir die Hände (!), putze mir dann die Zähne, wasche mir dann wieder die Hände (!) und tu mir Kontaktlinsen rein. Dann schnappe ich mir drei Teile Obst (meistens eine Banane, einen Apfel und eine Orange) und packe sie in meinen Rucksack für die Arbeit.

Gegen 7.15 Uhr verlasse ich die Wohnung. Wenn meine Freundin Zwischendienst hat (der um 10 Uhr beginnt), dann mache ich sie vorher meistens wach und wir quatschen noch ein paar Minuten, während ich mich zum Losgehen bereit mache (Joggingbuchse aus, vernünftige Hose an, hier in Bremen an 75% der Tage noch ne Regenhose drüber, Jacke, Schuhe und Mütze anziehen bzw. aufsetzen). Zur Arbeit laufe ich dann ziemlich genau 35 Minuten, so dass ich meistens um 10 vor 8 dort ankomme. Mein Dienst beginnt um 8 Uhr.

Bevor bzw. während ich mich dort in meinem Büro umziehe, mache ich zum Wachwerden meist noch ein paar Kniebeugen und Liegestütze und ziemlich pünktlich um 8 Uhr bin ich dann umgezogen und frisch deodoriert und fahre meinen PC hoch. Dort starte ich die notwendigen Arbeitsprogramme (eins zum Diktieren, eins zum Einsehen vor Vorbefunden von Patienten, eins für die Recherche nach bestimmten Fachbegriffen in unserer interenen Datenbank, eins mit den ICD-Codes für die ganzen Erkrankungen (weil ich die in meinen Befunden angeben muss), mein Arbeits-Mailprogramm, ein Internetbrowserfenster fürs Googeln von allem Möglichen und an Tagen, an denen ich Schnellschnitt-Dienst habe noch den digitalen OP-Plan der Klinik mit Live-Tracker, um schon mal einen Eindruck zu bekommen, was die Kollegen an dem Tag so alles operieren). Zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr erledige ich meistens die liegen gebliebene Arbeit vom Vortag, unterschreibe zum Beispiel die Befunde, welche die „Schreibmädchen“ am Vortag noch nicht getippt hatten (sie fangen morgens schon halb 7 an, deswegen ist bis 8 Uhr dann meistens schon einiges geschrieben, was am Vorabend noch unerledigt war). Oder ich gucke meine fertigen Befunde durch, ob sie archiviert worden sind, was dann ein sicheres Zeichen dafür ist, dass der Chef sie auch unterschrieben hat und dass sie rausgeschickt worden sind. Wenn die Befunde digital archiviert wurden, dann bringe ich auch die zugehörigen Objektträger ins physische Archiv, wo sie von den Mitarbeiterinnen dort nach Nummern wegsortiert werden.

Um 8.30 Uhr gibt es eine Frühbesprechung, bei der alle verfügbaren Ärzte im Hörsaal zusammenkommen (diejenigen, die schon obduzieren oder im Organzuschnitt eingeteilt sind, gehen diesen Aufgaben nach und nehmen an solchen Tagen nicht an der Frühbesprechung teil). Meistens fällt die Besprechung relativ kurz aus, es wird kurz das Tagesprogramm besprochen (ob es absehbar viel oder wenig zu tun geben wird), wer zu welchen Tumorkonferenzen fahren muss, ob es irgendwelche technischen Probleme gab oder aktuell gibt und sowas. Ab und zu zeigt der Chef am Diskussionsmikroskop mit großem angeschlossenen Bildschirm nen interessanten oder ungewöhnlichen oder lehrreichen Fall. Alle anderen Ärzte sind auch dazu angehalten, morgens mal solche Fälle zu präsentieren, aber das macht nie jemand, außer auf expliziten Druck vom Chef hin (weil er den Fall dann vorher auch schon gesehen und für lehrreich befunden hat).

Der Tagesablauf auf der Arbeit richtet sich im Anschluss nach dem Dienstplan und den Tätigkeiten, die er jeden Tag für mich vorsieht. An einem gewöhnlichen Tag ohne Sonderaufgaben habe ich meistens bis 9 Uhr noch ein wenig Zeit, in der ich im Internet rumsurfe, fast täglich mache ich dann auf zeit.de das kurzweilige, 8 Fragen umfassende Tagesquiz und freue mich, wenn ich dabei besser abschneide als der Durchschnitt, was aber nicht jeden Tag der Fall ist. Um 9 Uhr trudeln dann meistens die ersten Eilfälle ein –  das sind solche Fälle, bei denen die Einsender eine schnelle Rückmeldung haben wollen, weil in Abhängigkeit vom Ergebnis womöglich noch eine Nachoperation oder weitere Untersuchungen anstünden (häufig sind das Hautkrebspräparate mit der Frage, ob die Tumoren vollständig entfernt wurden, oder Stanzen aus der Brust mit der Frage nach Bösartigkeit). Diese Fälle werden dann unverzüglich bearbeitet und das Ergebnis wird den Einsendern je nach deren Vorliebe entweder per Fax oder telefonisch mitgeteilt. Im weiteren Tagesverlauf kommen dann die „normalen“ Fälle, für deren Bearbeitung den ganzen Tag lang Zeit ist. Ich gucke sie mir dann im Mikroskop an und diktiere meine Befunde dazu. Meistens gehe ich gegen Mittag mit den bis dahin bearbeiteten Fällen schonmal zu einer Oberärztin und bespreche die Fälle, damit ich nicht am Nachmittag mit nem riesigen Stapel dort aufschlage (wir haben tatsächlich nur Oberärztinnen bei uns bzw. einen einzigen männlichen Oberarzt, von dem ich aber nichts halte, weswegen ich niemals zu ihm gehe, um Fälle zu besprechen).

Je nachdem, wieviel Probeneingang wir so am Vortag hatten, trudeln die letzten Fälle meistens gegen 14 Uhr ein, dann ist das Tagesprogramm abgearbeitet. Je nachdem, wie viele und wie komplexe Fälle ich bekommen habe, bin ich meistens zwischen 14 und 15 Uhr irgendwann mit der Befundung durch und gehe dann mit den Nachmittagsfällen nochmal zwecks Besprechung zur Oberärztin. Bei besonders komplizierten oder ungewöhnlichen Fällen werde ich dann auch nochmal zum Chef oder besonders spezialisierten anderen Oberärztinnen weitergeschickt. Zwischen 15 Uhr und 15.30 Uhr bin ich meistens mit der Fallbesprechung fertig und lese dann die bis dahin geschriebenen Befunde durch, korrigiere sie gegebenenfalls, wenn Tippfehler drin sind oder wenn ich nach Rücksprache mit den Oberärztinnen mit meiner Meinung daneben lag (ich diktiere auch bei vollkommener Ahnungslosigkeit – manche Dinge sieht man ja zum ersten Mal und hat dann nur eine vage Ahnung, worum es sich handeln könnte – eigentlich immer schonmal einen Befund, damit die „Schreibmädchen“ den schonmal tippen können und ich eine Matrix habe, die ich dann hinterher bearbeiten kann. Selbst wenn das totaler Quatsch war, was ich da diktiert habe, ist es mir lieber, ich habe schonmal eine Datei, die ich inhaltlich überarbeiten und korrigieren kann, als wenn ich hinterher erst alles korrekt abdiktiere, was einfach wesentlich länger dauert), unterschreibe sie dann und gebe meine Mappen mit den unterschriebenen Befunden an den Chefarzt weiter.

Sonderaufgaben an den Arbeitstagen könnten zum Beispiel der in einem früheren Beitrag schonmal beschriebene Zuschnitt von Brustpräparaten, der generelle Organzuschnitt oder aber Schnellschnittdienst sein. Bei letzterem trage ich dann einen halben Tag lang, also entweder von morgens bis mittags oder von mittags bis zum Dienstschluss, einen Pieper mit mir rum und wenn ein Schnellschnitt ankommt, dann eile ich von meinem Büro ins Labor und bearbeite den Schnellschnitt, der dann von den MTAs gefroren, geschnitten und gefärbt wird, so dass ich innerhalb weniger Minuten einen Schnitt bekomme, den ich mir unter dem Mikroskop angucken kann. Ich bespreche die Schnellschnittfälle dann schnell mit einer Oberärztin oder mit dem Chef und gebe das Ergebnis dann telefonisch direkt in den OP durch (das ganze Prozedere dauert vom Eingang der Probe bis zur telefonischen Durchgabe des Ergebnisses etwa 20 bis 30 Minuten).

Seit einiger Zeit versuche ich auf der Arbeit, regelmäßig eine Mittagspause einzulegen. Früher habe ich auf der Arbeit nie was gegessen, was aber dazu geführt hat, dass ich abends extrem ausgehungert nach Hause kam und wie ein Berserker Essen ich mich reingeschaufelt habe, was auch nicht so richtig gesund und sinnvoll war. Außerdem steht mir ja ne halbe Stunde Pause zu und es tut auch tatsächlich recht gut, sich ganz bewusst mal zwischendurch eine kleine Auszeit zu gönnen, anstatt einfach durchzuarbeiten (und wenn man ehrlich ist, reicht die Zeit dafür meistens auch vollkommen aus, auch wenn ich mittags meistens auf glühenden Kohlen sitze, weil ich das Gefühl habe, noch total viel erledigen zu müssen). Wie oben beschrieben, nehme ich mir drei Teile Obst mit auf die Arbeit, die esse ich dann in dieser Pausenzeit in meinem Büro. Ich könnte mich auch in die MTA-Küche setzen, die haben da einen richtigen Pausen- und Sozialraum, ab und an habe ich das auch schon gemacht (hat den Vorteil, dass man nicht an seinem Telefon sitzt und somit tatsächlich mal für die Dauer der Pause nicht erreichbar ist), aber um ehrlich zu sein, habe ich lieber während der Pause meine Ruhe und will mir nicht das halbgare Gequatsche irgendwelcher Leute anhören, von denen ich, je nach Konstellation, eh nur einen gewissen Anteil leiden kann.

Meine Arbeitszeit endet offiziell um 16.30 Uhr und an den meisten Tagen schaffe ich es auch, pünktlich Feierabend zu machen. Ich habe das Bestreben, die Fälle des Tages immer am selben Tag noch abzudiktieren (Andere sind da, je nach anfallender Arbeitslast, deutlich entspannter, was man nicht schafft, kann man im Grunde ja auch am nächsten Morgen noch bearbeiten). Zum Einen hab ich das aus Bochum noch so verinnerlicht (da war es ein absoluter Affront, einen Fall liegen zu lassen und wurde, falls bemerkt, streng sanktioniert), zum Anderen hab ich eben so meine Arbeitsroutine und mag es nicht, wenn dieser soeben geschilderte Tagesablauf zu stark durcheinander gerät – denn wenn ich Arbeit für den nächsten Tag liegen lasse, kollidiert das ja womöglich schon wieder mit den Aufgaben des nächsten Tages. Und darüber hinaus – und das hört sich jetzt pathetisch an, ist aber tatsächlich auch ein wichtiger Punkt – muss man sich ja vergegenwärtigen, dass hinter den ganzen „Fällen“, die mir in abstrakter Form von Objektträgern und papierenen Befunden begegnen, ja echte Patienten und auch deren behandelnde Ärzte stehen, die womöglich auf die Untersuchungsergebnisse warten, um weiter behandeln zu können oder einfach, um keine unruhigen bis schlaflosen Nächte mehr zu haben. In sofern finde ich es ein bisschen schwach, die Bearbeitung der mir zugeteilten Fälle aufzuschieben, weil ich nicht bereit bin, mal ne halbe oder ne ganze Überstunde zu machen, sondern pünktlich Feierabend machen will.

Aber wie gesagt, an den meisten Tagen bekomme ich mein Arbeitspensum ja gut durch und kann dann um 16.30 Uhr nach Hause gehen. Ich laufe dann wieder die 35 Minuten den Weg zurück, auf dem ich am Morgen auch gekommen bin, bin dementsprechend gegen kurz nach 5 daheim. Wenn meine Freundin Frühdienst hatte (sie ist dann meistens kurz vor 15 Uhr zurück), dann hat sie in der Regel was zu Essen vorbereitet und wir essen dann gemeinsam. Wenn meine Freundin Zwischendienst hat (sie ist dann meistens kurz vor 19 Uhr zurück), dann bereite ich was zu Essen für uns vor. Meistens koche ich dann was, allerdings essen wir auch nicht jeden Abend warm, manchmal gibt’s auch nur „Dubbels“ ( 😉 ) oder Salat oder sowas. Ich koche aber eigentlich recht gerne und deswegen nutze ich meistens die Gelegenheit, mich an solchen Zwischendiensttagen in der Küche auszutoben. Wenn meine Freundin Spätdienst hat (sie ist dann meistens erst gegen viertel vor 11 abends zurück), dann esse ich alleine, meistens gibt es dann nur was Aufgewärmtes oder ich esse Thunfisch mit Bohnen oder sowas.

Die Abendgestaltung fällt dann jeden Tag unterschiedlich aus. Einmal in der Woche fahren meine Freundin und ich meistens gemeinsam los und erledigen die Wocheneinkäufe, so dass wir die Nahrungsmittel für die Grundversorgung daheim haben. Daür fahren wir meist zum großen real-Markt in Habenhausen, der von uns zwar ne ganze Ecke weg ist (meine Schwester wohnt da in der Nähe, darüber haben wir ihn kennengelrnt), den wir aber aufgrund seiner Weitläufigkeit und des tatsächlich eingelösten real-Werbeversprechens „Einmal hin, alles drin“ und weil wir uns dort mittlerweile schlichtweg gut auskennen, sehr zu schätzen wissen. Kurzfristig notwendige Sachen (zum Beispiel zum Kochen fürs Abendgericht) werden dann eben am Abend noch schnell im Supermarkt um die Ecke besorgt, der aber ziemlich abgeranzt und runtergewirtschaftet ist, dazu schlecht organisiert, so dass man mit seinen drei Plünnen im Arm meistens noch ne Viertelstunde an der Kasse steht und sich jedes Mal aufs Neue ärgert, dort wieder hingegangen zu sein – Einstellungskriterium für die dortigen Kassiererinnen scheint zudem abstoßendes Äußeres, Unfreundlichkeit und Inkompetenz zu sein.

Am Dienstagabend habe ich immer meinen Türkischsprachkurs, es sei denn, es sind gerade Ferien.

An Abenden, an denen wir nichts vor haben und gemeinsam daheim sind, sitzen wir meistens auf der Couch, hören Musik, quatschen, gucken ein bisschen fernsehen oder zocken auf unseren Nintendos. Manchmal lese ich abends noch Sachen für die Arbeit nach oder blättere durchs Ärzteblatt. Meine Freundin geht – weil sie ein generell größeres Schlafbedürfnis hat als ich oder, wenn sie am nächsten Tag Frühdienst hat – meistens früher als ich ins Bett, meistens döst sie vorher schon ne Weile im Halbschlaf auf meinem Bauch oder in meinem Schoß herum, während ich ihr den Rücken kraule, ehe sie dann wirklich schlafen geht. Ich surfe dann abends meistens noch ein wenig durchs Internet, lese eure Blogs, gucke mir ab und an abends noch ein Basketballspiel im Fernsehen an (unter der Woche meistens Euroleague-Basketball) oder höre noch solche Musik, die mir selbst deutlich besser gefällt als meiner Freundin. Meistens gehe ich dann so gegen 23 Uhr, nachdem ich mir die Zähne geputzt habe, ins Bett, manchmal etwas früher, manchmal etwas später, wo meine Freundin dann schon längst im Land der Träume selig schlummert.

Und am nächsten Morgen geht alles wieder von vorne los. Es sei denn es ist ein Samstag. Oder ein Feiertag. Oder ich hab Urlaub. Aber das ist ja dann wieder eine andere Geschichte.

CU in Disneyland!

 

P oder G – das ist hier die Frage!?

Im Rahmen des sich hinziehenden Prozesses einer Regierungsbildung in unserem Land ist ja immer mal wieder von einer „Bürgerversicherung“ die Rede gewesen, also einer einheitlichen Krankenversicherung für alle Bürger anstelle des zweigleisigen Systems aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Die alteingesessenen Ärzte schlagen diesbezüglich die Hände über dem Kopf zusammen und machen kräftig Stimmung gegen eine solche Idee, auch in den einschlägigen Medizinerpostillen liest man recht einhellig nur Ablehnendes bezüglich einer solchen „Bürgerversicherung“, gar vom Zusammenbruch der ärztlichen Versorgung in Deutschland ist die Rede.

Ich persönlich bin hingegen ein großer Befürworter der Idee einer einheitlichen Versicherung und stehe damit in der Ärzteschaft zwar nicht ganz alleine, aber doch ziemlich einsam da. Wobei es vor allem die alten und ranghöheren Ärzte sind, die eine Veränderung ablehnen; die das gewohnte System, aus dem sich ja schließlich fette Gewinne abschöpfen lassen, unbedingt beibehalten wollen.

Oftmals habe ich in der letzten Zeit gelesen, dass es ja schließlich die Privatpatienten seien, die mit ihren doppelt und dreifach abrechenbaren Extraleistungen letztendlich das gesamte Gesundheitssystem noch am Leben halten würden. Würde man nun eine einheitliche Versicherung einführen, die ja bei der Abrechenbarkeit von Leistungen sicherlich unter dem Niveau der Privaten Krankenversicherung läge, dann soll auf einmal unterm Strich viel weniger Geld heraus kommen. Als ob es ein Ding der Unmöglichkeit wäre, ein System auf die Beine zu stellen, das eben irgendwo zwischen dem Niveau der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung stehen würde, so dass Leistungen für die zuvor gesetzlich Versicherten eben etwas besser und Leistungen für die zuvor privat Versicherten etwas schlechter abgerechnet werden könnten.

Aber die ganze Debatte wird natürlich wieder symptomatisch am eigentlichen Problem vorbei geführt: Lieber behält man ein ungerechtes System bei, solange man sich daran noch irgendwie bereichern kann, anstatt ein gerechteres System einzuführen, von dem am Ende alle profitieren könnten.

Ich finde es vom Grundsatz her sowieso schwachsinnig, dass in Deutschland jeder, der genügend Kohle hat, aus dem allgemeinen System ausscheren und sich aus der Solidargemeinschaft verabschieden kann. Rausgekauft – tschau ihr Trottel, ich bin weg! Ich hab ja auch gedacht, ich spinne, als ich irgendwann im Laufe des Medizinstudiums erfahren habe, dass die Ärzte ihr eigenes Rentenversorgungswerk haben und nicht in die allgemeine deutsche Rentenversicherung einzahlen (wozu es auch gar keine Alternative oder Wahl gibt, alle Ärzte müssen sich halt beim Ärzteversorgungswerk anmelden, das ist dann eben so). Und dabei sind sie ja bei weitem nicht die einzige privilegierte Berufsgruppe, die ihr eigenes (und lukrativeres) Ding dreht, während die anderen armen Schlucker halt schauen müssen, wo sie mit ihrer Billigrente bleiben. Auch die Apotheker und die Juristen haben ihre eigenen Versorgungswerke, die Beamten sowieso, und vermutlich auch noch zig andere Berufszweige, von denen ich gar nicht weiß.

Und so wird die vom Grundsatz her ja gute Idee einer umlagefinanzierten Solidargemeinschaft mehr und mehr ausgehöhlt und ad absurdum geführt.

Im Zusammenhang mit der Debatte um eine „Bürgerversicherung“ habe ich von den Gegnern zuletzt auch immer wieder gehört, dass es in Deutschland ja gar keine Zweiklassenmedizin gebe, dass das ja alles nur dummes, weil populistisches Geschwätz sei. Mal unabhängig davon, was einem der gesunde Menschenverstand sagt, wenn man versucht, als Privatpatient oder als Kassenpatient einen MRT-Termin zu bekommen, und wer dann wohl deutlich länger warten muss, kann ich ja mal aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz berichten, wie es in Deutschland keine Zweiklassenmedizin gibt. Wenn zum Beispiel privat Versicherte in der Chirurgie zweimal täglich einen Chefarztbesuch bekommen (und was dann angeordnet wird, das ist bei Gott (=dem Chefarzt) dann auch unverzüglich in die Tat umzusetzen), während auf der Normalstation der Chef bei guter Laune alle zwei Wochen mal reinschneit und im Wesentlichen die Assistenzärzte für die Versorgung und Entscheidungen zuständig sind, mit den entsprechenden Unterschieden im Erfahrungsschatz und Weitblick. Wenn nach einem Herzinfarkt privat Versicherte zweimal täglich Physiotherapie bekommen, um schnell wieder auf die Beine zu kommen und die anschließende Reha antreten zu könnnen, während bei den gesetzlich Versicherten die Physiotherapeuten im Idealfall (bei entsprechenden Kapazitäten) einmal am Tag vorbei schauen, was ganz bestimmt keinen Unterschied im Rehabilitationsverlauf bewirkt. Oder in der Pathologie, wenn bei der Untersuchung von Lymphknoten von Brustkrebs-Patientinnen die privat Versicherten neben den Standardfärbungen der angefertigten Schnittpräparate auch noch in den Genuss einer Antikörperuntersuchung kommen, die auch ansonsten mit dem menschlichen Auge kaum detektierbare Tumorzellen unter dem Mikroskop sichtbar machen kann, während bei den gesetzlich Versicherten dann eben doch das durchschnittliche menschliche Auge ausreichen muss (wobei zugegebenermaßen mit der Antikörper-Untersuchung nur äußerst selten noch neue Erkenntnisse gewonnen werden, die nicht auch schon vorher entdeckt worden waren, weshalb man hier berechtigterweise auch die interessante Frage stellen kann, wo die Grenze zwischen sinnvoller Zusatzuntersuchungen für und Geldschneiderei an Privatpatienten genau verläuft…).

Ich persönlich versuche immerhin, meinen kleinen Beitrag zu leisten, das verhasste zweigleisige Krankenversicherungssystem in sofern zu unterwandern, als dass ich „P-Fälle“, die auf meinem Schrebtisch landen (und ja, die landen auf meinem Schreibtisch, auch wenn das ja eigentlich die Fälle sind, die der Chefarzt bearbeitet…) – und die eigentlich vorrangig behandelt und zügig abgearbeitet werden sollen und von den „Schreibmädchen“ ( 😉 ) auch immer äußerst zeitnah getippt werden, während das bei den „G-Fällen“ schonmal deutlich länger dauern kann – stets zuletzt bearbeite. Zwar auch am gleichen Tag, ohne Frage, aber eben hinten angestellt, die ansonsten gewohnte Überholspur mal ein wenig ausbremsend. Bislang gab’s deswegen auch noch nie Beschwerden, so unendlich wichtig können die Privatpatienten also letztendlich doch gar nicht sein.

Ich bin davon überzeugt, dass man eine einheitliche Bürgerversicherung vernünftig und für alle Beteiligten zufriedenstellend umsetzen könnte, wenn man sich nur an eine heilige Kuh heran wagen würde, die in den ganzen Debatten scheinbar bewusst außen vor gelassen wird: Die Beitragsbemessungsgrenze. Bis zu einem gewissen Einkommen müssen ja alle Leute einen festen Prozentsatz ihres Bruttogehalts für die Krankenversicherung abdrücken. Ab einem bestimmten Einkommen, das dann eben oberhalb jener Beitragsbemessungsgrenze liegt, wird das Gehalt dann aber nicht mehr für die Sozialversicherungen herangezogen, sondern ist praktisch beitragsfrei. Dabei ist es doch vollkommen widersinnig, dass gerade die Gut- und Spitzenverdiener dadurch letztendlich einen geringeren prozentualen Beitragssatz bezahlen als die Gering- und Mittelverdiener. Wenn man jetzt einfach sagen würde, dass jeder einen festen Prozentsatz seines Bruttoeinkommens als Bürgerversicherungsbeitrag bezahlen müsste, dann wäre das eine ganze einfach Rechnung und jeder wüsste, woran er ist. Und auch ohne die konkreten Zahlen der Einkommensverteilung vorliegen zu haben, bin ich mir sicher, dass das somit hereinfließende Geld, dass ansonsten beitragsfrei oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze versickert, ausreichen würde, ein vernünftiges Krankenversicherungssystem zu finanzieren. Und gleichzeitig hätte man noch etwas gegen die Ungleichheit im Land getan.

Natürlich würde es dann Leute geben, die aufschreien: „Ich muss dann ja 1500 Euro Krankenversicherungsbeitrag im Monat bezahlen – das ist doch abartig!“, aber dem kann man dann nur gelassen entgegnen: „Alter, geht’s noch, wenn du 1500 Euro Krankenversicherungsbeitrag im Monat bezahlst, dann verdienst du auch mehr als 10000 Euro im Monat, also warum um alles in der Welt besitzt du die Frechheit, dich auch noch zu beschweren?“.

Aber ich finde, das ist auch wieder so ein typisch deutsches und hochgradig frustrierendes Merkmal der Politik, dass man lieber in einem kranken System an kleinstmöglichen Details rumschraubt (gerade heute habe ich in den Nachrichten gehört, dass das ambitionierteste Projekt der designierten Bundesregierung in der Familienpolitik darin besteht, das Kindergeld über den Zeitraum der nächsten Legislatur um 25 Euro anzuheben – wow!), anstatt mal wirklich was Grundlegendes zu ändern und zu versuchen, das kaputte Alte durch etwas gutes Neues zu ersetzen. Natürlich kann man eine solche Entscheidung wie die der Bürgerversicherung nicht übers Knie brechen und man muss sich im Vorfeld ausreichend Gedanken machen, in welchem Rahmen man die Beitragssätze für bestimmte ärztliche Leistungen anpassen kann. (Und nicht so einen Schwachsinn verzapfen wie seinerzeit bei der Umstellung von Krankenhaus-Tagessätzen auf die sogenannten DRGs (diagnosis related groups)/Fallpauschalen, wo jedem halbwegs mit der Materie Befasstem recht schnell klar wurde, dass das System so nicht funktionieren kann.) Und vermutlich würden bei einer solchen Umstellungen auch Härten entstehen, die einen Nachbesserungsbedarf nötig machen würden. Aber vielleicht sollte man es einfach mal tun, um dann festzustellen, dass doch alles nicht halb so schlimm kommen würde, wie von den Schwarzsehern prophezeit.

Diese Herumdoktorei an Symtpomen anstelle der wirklichen Ursachenbekämpfung ist mir auch kürzlich sauer aufgestoßen, als das Bundesverfassungsgericht den numerus clausus als Zugangsvoraussetzung für das Medizinstudium als zumindest teillweise verfassungswidrig eingestuft hat. In der Urteilsbegründung hieß es unter anderem, der numerus clausus sei schon alleine deshalb kein probates Auswahlkriterium, weil die Abiturnoten zwischen den unterschiedlichen Bundesländern gar nicht gleichwertig und somit nicht vergleichbar seien. Nun kann man daraus eben den Schluss ziehen, dass man irgendwelche obskuren Ausgleichfaktoren zwischen den Bundesländern mit der Abiturnote multipliziert, um ein halbwegs vergleichbares Ergebnis zu erzielen. Oder – wie vom Verfassungsgericht gefordert – dass die Universitäten sich neben der Abinote noch ein anderen Kriterium raussuchen, das sie zur Auswahl ihrer Medizinstudenten heranziehen möchten. Oder aber man könnte mal ganz grundsätzlich von der vollkommen schwachsinnigen Idee abrücken, dass Bildungspolitik in Deutschland Sache der Bundesländer ist und jeder halbgare Provinz-Bildungsminister dieses wichtige Thema zum Spielplatz seiner persönlichen Obsessionen machen kann. Wenn man eine vergleichbare Abiturnote deutschlandweit erreichen möchte, dann könnte man ja auch ein deutschlandweit einheitliches Bildungssystem einführen (das sich im Zweifel dann aber nicht am Niveau von Bremen oder Nordrhein-Westfalen orientieren sollte).

Aber in einem Land, in dem die größte politische Vision darin besteht, die offenen Ministerposten nach Regionalproporz angemessen zu besetzen, muss man sich wohl keine allzu großen Hoffnungen auf tatsächliche und sinnvolle Veränderungen machen. Schade drum!


Nach diesem ganzen schweren Stoff jetzt zur Auflockerung am Ende noch was Nettes. Ich hatte den „No pussy blues“ von Nick Cave mit seiner Nebenband „Grinderman“ schon die letzten Tage über im Ohr, als rabi von seinen erfolglosen und für ihn frustrierenden Frauen-Umwerbungsversuchen in der Vor-Mytagebuch-Zeit schrieb (sorry, nicht böse gemeint!). Das ist ein irrer Song und ein irrer Auftritt, aber manchmal sind ja das beste an solchen Videos die Kommentare, die unter drunter bei Youtube stehen, z.B.

When asked during an interview whether the song had a deeper meaning, Nick Cave replied „no, it’s just about not getting any pussy when I grew my mustache.„‚

oder

Keep coming back to this one. It’s the closest I’ll ever come to truly understanding horny men.

Geiler Typ!

CU in Disneyland!

Wolken und Felder!

Ich bin beim Aufräumen auf einen Ordner mit einem bunten Sammelsurium an Texten und halb-künstlerischen Arbeiten aus meiner Jugendzeit gestoßen. Ein Ausprobieren von verschiedenen Genreformen, Gedichte unterschiedlicher Spielarten, kurze Prosatexte, verworfene Berichte für die Abiturzeitung und all so’n Kram. (Darunter hatte sich im Übrigen auch ein wohl vor ewig langer Zeit mal ausgedruckter, sehr amüsanter Text von Mick Inorbit über die Grünen gemischt).

Das war irgendwie eine gute Zeit damals, als ich so viel Freude daran hatte, mich im Spiel mit Sprache auszuprobieren. Vieles davon ist auch überhaupt nicht gelungen und total gezwungen, aber das ist ja gar nicht schlimm, es waren ja einfach nur erste Gehversuche, ein nachahmendes, spielerisches Vorantasten in ein damals unerforschtes Terrain.

Berührt hat mich dabei ein Gedicht-Dialog, an den ich mich zwar noch dunkel erinnern konnte, den ich im Grunde aber jetzt wieder neu entdeckt habe.

Von mir stammte das Gedicht „Auf Wolken wandeln“, so etwa mit 17 Jahren geschrieben:

Auf Wolken wandelnd sehe ich
Die Welt von oben –
Milde
Und tue es den Anderen gleich
Ich lächle sanft, ich lächle weich
Kann freudig nicht mehr fallen
Und werde eins mit allem.

Auf Wolken wandelnd sehe ich
Den Kern des Seins –
Harmonisch
Und liebe diese Welt so sehr
Beende meine Gegenwehr
Denn all der Hass und all der Hohn
So muss es mir nun scheinen
Beruhen auf einer Illusion
Drum hör‘ doch auf zu weinen!

 

Dazu bekam ich als Replik von meiner damaligen Freundin Charlene (hieß sie so auch im Tagebuch oder gab es einen anderen Spitznamen?) folgendes Gedicht zurück:

„Auf Wolken“, schreibst du, „wandelst“ du,
millionenfach entfernt von hier.
Bittest täglich dir zu folgen,
doch sagst nicht einmal, ich fehle dir.

Der Weltenblick –
mit Abstand wohlbemerkt –
fällt leicht,
doch verschleiern deine Nebel
den Umstand,
je weiter alles weicht.

Mitten drin zu sein,
ganz tief,
schon fast von unten,
kannst du nicht mehr verstehn.
Bist von Sinnen,
euphorisch,
als wärst du trunken.

Finstere Seelen wandeln Tag und Nacht –
es wurde wohl bald einerlei,
barfuß über stoppelige Felder
ohne Sehnsucht, unbedacht.

Den Blick nach oben gibt’s nicht mehr,
so wirst du nie gesehen.
Der Weltenschmerz verbündet sich,
wie soll’n wir dem entgehen?

Pass gut auf deine Wolke auf,
verlier nicht ihren Halt,
sieh dich vor bei jedem Schritt,
fall durch keinen Spalt.

Und bedenke die Beschaffenheit,
die eine Wolke mit sich bringt,
bestehend nur aus Tränen,
in denen ich, hier, bald ertrink.

Verlier nicht deine Leichtigkeit,
wie schnell wird man zu schwer,
fällst hindurch,
fällst,
millionenfach entfernt von ihr.

Und die Winkel werden sich neigen,
je näher alles kommt,
vergessen sind die Nebel,
die verbargen all das Leiden.

In meinen Armen würdest du dann wieder liegen,
hier unten auf dem Feld,
die Wolke wäre längst verzogen
Und dir blieb nicht als diese Welt.

 

CU in Disneyland!