Träume & Hoffnungen!

Bekanntermaßen bin ich ja großer Bob Dylan – Fan und lebe da mittlerweile in meinem ganz eigenen Kosmos. Das geht so weit, dass ich zu fast jeder Situation ein mehr oder weniger passendes Dylan-Zitat anbringen könnte (- das zur Freude und Erleichterung meiner Mitmenschen aber nur sehr selten auch mache).

Manche Textzeile bleibt auch länger in meinem Kopf haften, kommt zwischenzeitlich immer mal wieder an die Oberfläche und bringt mich dann zum Nachdenken. Im Kontext mit mizzimais aktuellen Beiträgen über ihre Vorfahren und ihre Großtante Mitzi kam mir mal wieder ein Zitat aus einem meiner liebsten Dylan-Songs – „Floater“ – aus einem meiner liebsten Dylan-Alben – „„Love and Theft“in den Sinn.

My grandfather was a duck trapper
He could do it with just dragnets and ropes
My grandmother could sew new dresses out of old cloth
I don’t know if they had any dreams or hopes

Ich mag solche Erinnerungen an längst verstorbene Vorfahren und finde es immer spannend, wenn man mal alte Unterlagen von entfernten Verwandten in die Finger bekommt und sich vielleicht ein wenig ein Bild von deren damaligen Leben machen kann. Was ich an dem Dylan-Zitat so interessant und wahrhaftig finde, ist die Art, wie wir uns an frühere Generationen, an die längst Verstorbenen erinnern, insbesondere, je weiter sie zeitlich von uns selbst entfernt sind. Während sich bei den Lebenden im Wesentlichen ja immer alles um deren „dreams or hopes“ dreht, bleibt von den früheren Generationen als Erinnerung irgendwann nur noch die Tat über, also die besonderen Fähigkeiten, die sie hatten, oder die Dinge, die sie vollbracht haben. An die Träume und Hoffnungen, die ihre Leben einstmals bestimmt haben mögen, kann sich irgendwann niemand mehr erinnern (es sei denn, sie haben ausführlich und intim Tagebuch geführt und es der Nachwelt überlassen). Aber was nützt es auch, sich an die Träume und Hoffnungen der Verstorbenen zu erinnern? Die Möglichkeit, dass sich diese erfüllen, hat sich in der Regel ja erledigt (es sei denn, die Träume und Hoffnungen haben sich ganz auf die zukünftigen Generationen gerichtet).

Gleichzeitig finde ich auch die Frage interessant, ob frühere Generationen, viel weniger individualisiert als wir heute und in das Korsett gesellschaftlicher Konventionen gezwängt, schlichtweg weniger (oder gar keine) Träume und Hoffnungen für ihr Leben hatten, sondern einfach in blindem Gottvertrauen den für sie vorgesehenen Pfad abgeschritten sind. Irgendwie eine deprimierende Vorstellung.

Ich fände es auf jeden Fall schön, wenn sich spätere Generationen, meine Urenkel und Ururenkel, meine Großneffen und Großnichten, an ihren Vorfahr Ginger nicht nur anhand einer knappen Fähigkeits-Zuordnung („Der Pathologe, der Gitarre spielen konnte“) erinnern würden, sondern auch ein Interesse an meinen ehemaligen Hoffnungen und Träumen entwickeln täten. Mit diesem Blog und dem Großprojekt Tagebuch („Erinnern heißt Vergegenwärtigen„) ist der Grundstein dafür ja gelegt. 🙂


Zum Thema Dylan an dieser Stelle nach langer Zeit mal wieder ein musikalischer Beitrag meinerseits, den ich heute bei Youtube hochgeladen habe. Aus einer ganz anderen Zeit stammend, textlich weit weniger tiefgründig, aber dennoch ein sehr schönes Lied, wie ich finde.

CU in Disneyland!

Das ist nicht das Ende der Welt, Marie!

Von Zeit zu Zeit gehe ich in einen Musikladen und stöbere durch die Platten und CDs und entdecke dabei Dinge, mit denen ich zuvor gar nicht gerechnet hatte. Tatsächlich höre ich mir irgendwie im Laden niemals Platten vorab an, obwohl man das ja sowohl in den großen Medienkaufhäusern, lieblos auf Bildschirme klickend, als auch in den schönen kleinen Läden, liebevoll am Plattenteller stehend, durchaus tun könnte. Meistens weiß ich aber eh, was ich möchte, und wenn nicht, dann mag ich mich einfach auch mal überraschen lassen.

Das kann ich im Übrigen nur empfehlen: Einfach mal in den Plattenladen gehen und eine Scheibe kaufen, bei der man keine Ahnung hat, um was genau es sich handeln könnte, die einen von der Covergestaltung oder den Titeln oder aus irgendeinem anderen Grund aber anspricht.

Vor einigen Monaten bereits schlenderte ich also durch einen der ortsansässigen Plattenläden und dabei fiel mir diese CD in die Hände:

Bildergebnis für bernd begemann eine kurze liste mit forderungen

Von Bernd Begemann hatte ich bis dato noch nie etwas gehört und ich spekulierte, wie dieses Album wohl genretechnisch einzuordnen sei. Interessant machte das Werk für mich schon einmal, dass der Titel „eine KURZE Liste mit Forderungen“ versprach, das Album aber 28 Titel enthielt. Kennt man so zumeist ja nur aus dem Punk-Bereich: Ein Album, 28 Titel, Gesamtspielzeit 34 Minuten; frei nach dem Motto „Ein guter Song muss nicht länger als 1:20 sein, um seine Wirkung zu entfalten“. Unter den 28 Titeln auf dem Album von Bernd Begemann waren auch schon einige sehr vielversprechende wie „Liebling, wir haben größere Probleme als uns„, „Mein Powertier ist ein Gnu„, Neulich auf der Orgie“ oder „Mehr als Erfolg (brauche ich das Gefühl, euch weiterhin alle scheiße finden zu dürfen)„. Gespannt, was mich da erwarten würde, packte ich das Album in meinen reellen Warenkorb und ging damit weiter zur reellen Kasse.

Überraschenderweise handelte es sich dann doch nicht um ein Punk-Album, sondern um recht eingängigen Liedermacher-Pop, gerade an der Schwelle zum Schlagerartigen (gewisse stimmliche Ähnlichkeiten mit Guildo Horn sind meiner Meinung nach vorhanden), diese aufgrund der Doppelbödigkeit und des Augenzwinkerns der Texte sowie der Wahrhaftigkeit des Instrumentats aber nie überschreitend. Und mit einer Spielzeit von über 70 Minuten ist die kurze Liste mir Forderungen insgesamt doch tatsächlich recht lang.

Direkt im zweiten Song des Albums namens „Ich habe meinen Frieden gemacht“ besingt Bernd Begemann unter anderem rücksichtslos durch die Gegend preschende Radfahrer, die „alle anschreien, alle gefährden“ und sich eine Welt „ohne störende Passanten“ wünschen. Da dachte ich direkt „Mensch, der Kerl muss wohl aus Bremen kommen und die hiesigen Radfahrer besingen“ und so machte es für mich auch Sinn, dass ich das Album in einem Bremer Plattenladen, sozusagen als musikalisch gelebten Lokalpatriotismus, gefunden hatte. Allerdings stellte sich diese Annahme bei der weiteren Recherche als gar nicht korrekt heraus. Bernd Begemann lebt in Hamburg (ist ja auch nicht weit weg, der norddeutsche Humor passte immerhin) und stammt wohl aus dem Umfeld von Bands wie Blumfeld, Die Sterne und Tocotronic.

Ein Lied, das mir auf dem Album auch sehr gut gefällt, ist „Sie fuhr einen lila Twingo„. Es ist zum Einen musikalisch recht eingängig, zum Anderen finde ich es textlich auch sehr gelungen. Der Song beschwört das schöne nostalgische Gefühl einer unbekümmerten, aber allzu endlichen Jugendliebe hinauf, an die man sich dann und wann nochmal leicht wehmütig zurück erinnert – ein Gefühl, mit dem sich vermutlich Viele identifizieren können.

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich den Text beim Mitsingen unbewusst zu „Sie fuhr eine pinke Honda“ umtexte.

CU in Disneyland!

Ein Traum von mehr bis minder schönen Frauen!

Kürzlich saß ich daheim auf dem Sofa, als mir urplötzlich ein alter Reim in den Kopf kam:

Das ist Sachsen, wo die schönen Mädchen an den Bäumen wachsen.

Hatte ich lange nicht mehr gehört, und keine Ahnung, aus welcher Ecke des Unterbewusstseins und Fast-Vergessenen dieser kleine Reim auf einmal wieder auftauchte.

Die Sachsen, dachte ich dann, scheinen sich auf die Schönheit ihrer Frauen ja wirklich was einzubilden, wenn dieser Reim schon quasi zur Volksweisheit geworden ist. Ich bin zwar schon einmal in Sachsen gewesen, kann mich bewusst aber nicht daran erinnern, ob die Frauen dort überdurchschnittlich attraktiv gewesen sind. Das mag auch daran liegen, dass mein letzter Besuch dort in einem Alter stattfand, in dem ich mich noch nicht übermäßig für die Schönheit des weiblichen Geschlechts interessierte.

Nun mag dieser Reim zwar inhaltlich weit hergeholt (Menschen, die an Bäumen wachsen) bzw. nur im übertragenen Sinne zu verstehen sein, zumindest phonetisch aber ist er ja recht naheliegend, was für den Standort Sachsen zu Werbezwecken ziemliche Vorteile mit sich bringt. Attraktive Frauen als Werbeträger dürfte es jedoch auch in den anderen Bundesländern geben, die sich daher trotz ihrer klanglichen Benachteiligung nicht scheuen sollten, ähnlich werbewirksam wie die Sachsen ins Reimende überzugehen, wie ich befand.

Also begann ich mich zu fragen, welche Slogans wohl andere Bundesländer entwerfen könnten, um den Sachsen den Rang als Hot-Chick-Hot-Spot abzulaufen. Einige Bundesländer haben es da tatsächlich relativ einfach und könnten wenig verquer für ihre Attraktivitäten werben, beispielsweise

Das ist Nordrhein-Westfalen, wo die Männer mit ihren schönen Frauen prahlen.

oder aber

Das ist Bayern, wo sie ihre schönen Mädchen feiern.

Relativ naheliegend, aber auch schon ein wenig zweifelnder in der Werbewirkung kommt folgendes Bundesland daher:

Das ist Schleswig-Holstein, es soll wegen seiner schönen Frauen so toll sein.

Etwas konstruiert denken muss man auch bei meinem neuen, kleinen Heimatbundesland:

Das ist Bremen – hier sind die Frauen so schön, dass sich alle anderen Länder schämen.

Ähnlich herausfordernd wird es auch für ein weiteres kleines Bundesland, das ich ebenfalls schon bereiste:

Das ist das Saarland, wo ich schöne Mädchen stets in großer Schar fand.

Niedersachsen nimmt eine ganz besondere Rolle ein, könnte es neben seinem neuen Schöne-Frauen-Slogan, der in leicht abgewandelter botanischer Analogie zum Original aus Sachsen etwa lauten könnte

Das ist Niedersachsen, wo die schönen Frauen am Flieder wachsen.

, auch gleich eine Variante für Ehrenbürger Sebastian Edathy (Geburtsort Hannover) bereithält

Das ist Niedersachsen, hier werden die schönen Mädchen nie erwachsen.

, darüber hinaus aber auch hervorragend als Werbeträger für Unfallversicherungen taugen würde, wir mir bei der Reimsuche ganz nebenbei aufgefallen ist:

Kommen Sie nach Niedersachsen, wir haben hier die besten Gliedertaxen!

Aber bevor ich weiter abschweife, folgt schon direkt das nächste Bundesland, das sich ebenfalls mit seinen schönen Bewohnerinnen schmücken möchte:

Das ist Rheinland-Pfalz, mit all den schönen Mädchen – Gott erhalt’s!

Schön, weil bereits leicht ins Verzweifelte abrutschend, auch das nächste Beispiel:

Das ist Sachsen-Anhalt, wo ich dem Anblick all der schönen Mädchen kaum mehr standhalt.

Vielleicht als Werbung für ein allmählich matriarchalisches Welt- oder zumindest Bundeslandbild taugt:

Das ist Hessen, wo die Männer den schönen Frauen aus den Händen fressen.

Allmählich wird die Reimluft dann schon deutlich dünner, wie sich bereits an den folgenden Beispielen zeigt:

Das ist Thüringen, wo die schönen Frauen den Weg auch durch deine Tür finden.

und

Das ist Hamburg, wo ich mit schönen Frauen den Deich entlang gurk‘.“

Gar nichts Tolles wollte mir irgendwie zu Brandenburg einfallen (ein wahrlich häufig gehörter Satz, wenngleich nicht immer in diesem Kontext – ich als gebürtiger Brandenburger darf das sagen!), so dass hier irgendwie nur der folgende schwache, äußerst schiefe Halbreim zustande kam, über dessen tatsächliche Verwendung zu Werbezwecken man noch einmal intensiv nachdenken sollte:

Das ist Brandenburg, das Land mit dem größten Schöne-Frauen-Angebot.

Auch Mecklenburg-Vorpommern hat mir Kopfzerbrechen bereitet, letztendlich sind dann zwei Varianten entstanden, von denen mir die zweite aufgrund des vollkommenen sprachlichen Irrsinns irgendwie besser gefällt:

Variante 1 „Das ist McPom, wo die schönen Mädchen von wegkomm’n.

(was dann gleichzeitig auf die Wegzugproblematik junger Menschen aus dem Osten anspielt ;-))

Variante 2 „Das ist Mecklenburg-Vorpomme(r)n, wo die schönen Mädchen all deinen Wünschen zuvorkomme(r)n.“

Kurz und knapp, sprachlich aber ähnlich amüsant verschoben dann die Bundeshauptstadt:

Das ist Berlin, wo die Leute wegen der schönen Mädchen herzieh’n.

Und zu guter Letzt noch ein Bundesland aus dem Süden, das sich in Sachen reimender Lobpreisung als äußerst sperrig erwiesen hat und schließlich nur um drei Ecken gedacht bezwungen werden konnte:

Das sind Württemberg und Baden – hier sind die Frauen derart schön, es tät auch mal ne hässliche nicht schaden.

Halten wir als Fazit fest: Deutschland ist das Land der schönen Frauen und neben den Sachsen, die mit diesem Pfund schon früh zu wuchern verstanden haben, könnten sich auch die anderen Bundesländer mit werbewirksamen Reimen diesbezüglich schmücken. Auch wenn sie das vielleicht gar nicht wollen, weil zwar mancherorts die schönen Frauen, aber eben nicht die gelungenen Reime an den Bäumen wachsen… 😉

CU in Disneyland!

Auslassungen – Die Würde des zweiten Platzes!

Auch bei mir ist wieder ein wenig mehr der Alltag eingekehrt, weshalb ich in den zurückliegenden Tagen kaum zum hiesigen Lesen und erstrecht nicht zum Schreiben gekommen bin.

Montag war der erwartet arbeitsintensive Titty-Tag und ich saß länger als erhofft vorm Mikroskop. Nach der Arbeit haben wir uns noch mit meiner Schwester beim Mexikaner zum Essen getroffen und ein wenig gequasselt. Nachdem ich mir da zwei Cocktails getrunken hatte, wurde ich ziemlich schnell müde und dann war der Tag auch schon wieder beendet.

Am Dienstagabend hatte ich dann nach den beendeten Weihnachtsferien wieder mal Türkischunterricht. Die letzten drei Unterrichts-Dienstage hatte ich urlaubs- und krankheitsbedingt nicht hingehen können und hatte mir nun schon wieder mega nen Kopf gemacht, wie weit ich wohl in der Zwischenzeit ins lerntechnische Hintertreffen geraten sei. Schlussendlich war es dann wie immer: Viele Gedanken gemacht, aber vollkommen vergebens. Tatsächlich war die Lerntruppe in den drei Wochen meiner Abwesenheit kaum voran gekommen, so dass ich effektiv gar nichts verpasst hatte. Auf der einen Seite ja schade, dass es insgesamt so schleppend voran geht, auf der anderen Seite für mich in diesem konkreten Fall aber auch gut. Ich gehe ja immer gerne zum Türkischkurs, leider ist der Termin von 20 Uhr bis 21.30 Uhr am Dienstagabend doch ziemlich spät und ich merke jedes Mal, dass das an den Kräften zehrt, wenn ich dann in der Regel um kurz nach zehn erst daheim eintreffe.

Gestern Abend waren wir nach der Arbeit noch mit den Arbeitskollegen essen. Seit dem letzten Sommer gibt es unseren „Patho-Stammtisch“, der auch tatsächlich relativ regelmäßig einmal im Monat stattgefunden hat. Meistens geht es in die gleiche Kneipe/Restaurant, im Sommer mit Biergarten, und es ist immer ziemlich gemütlich und für das Gesamtarbeitsklima auch ne gute Sache. Find’s auch gut, dass da sowohl Ärzte als auch MTAs mit hingehen, aber leider durchmischt sich das meistens nicht so wirklich gut, was aber auch daran liegt, dass die MTAs meistens schon ne Stunde früher dort aufschlagen, weil sie früher Feierabend haben, und wir Ärzte dann erst später, nach unserem eigenen Dienstschluss, nachkommen. Und dann läuft das halt so nach dem Anbauprinzip, so dass meistens an einer langen Tafel auf der einen Seite eben die MTAs und auf der anderen Seite die Ärzte sitzen. Naja, könnte man besser haben, aber sei’s drum. Immerhin gelingt es uns bisweilen sogar mal, bei diesen Gelegenheiten NICHT über die Arbeit zu reden und das ist ja schonmal ziemlich gut.


Dieser Tage kam mir der Gedanke, dass ja viele Leute eine relativ klar umrissene Vostellung davon haben, was sie auf einem bestimmten Gebiet am allerliebsten oder am allerwenigsten mögen, dass es im Grunde aber doch viel interessanter wäre, mal nach dem zweitliebsten zu fragen. Also zum Beispiel: „Welcher ist dein zweitliebster Film?“ oder „Welches ist dein zweitliebstes Essen?“. Hatte mir eine kurze Notiz gemacht, um das als möglichen Entwurf für einen Tagebuch-Eintrag im Hinterkopf zu behalten, und *zack*, hier ist er schon!

Ich finde die Idee interessant, weil man sich über die Frage nach dem zweitliebsten in irgendeinem Bereich einfach viel seltener Gedanken macht und das deswegen noch nicht ein so verbrauchter Gedanke ist wie der ewig ausgelatschte erste Platz, nach dem man häufig gefragt wird und über den man also auch schon entsprechend häufig nachgedacht hat. Quasi ein frischer Blick auf eine alte Fragestellung.

Wichtig ist dabei auch, in diesem Zusammenhang NICHT zu erwähnen, was man in der jeweiligen Kategorie denn am liebsten mag, damit eben der zweite Platz nicht explizit als Abgrenzung zum ersten Platz oder als „Ich sage das nochmal schnell dazu, damit neben meinem eigentlichen Liebling auch dieses noch Erwähnung findet“ verstanden wird, sondern seine ganz eigene Würde entfalten kann.

In diesem Zusammenhang also mal zur Anregung zehn Fragen, an deren Beantwortung auch ihr euch gerne beteiligen könnt und sollt:

  • Was ist dein zweitliebstes Essen? Fischstäbchen mit Kartoffelpüree

Traditionell wird bei uns daheim unter das Kartoffelpüree noch Rahmkohlrabi gerührt, was dem Ganzen eine besonders edle Note gibt.

  • Was ist dein zweitliebster Film? „No country for old men“ von den Coen-Brüdern

Großartig, wie hier konsequent der unerwartbare Showdown verweigert wird, man als Zuschauer, obwohl man es eigentlich besser hätte wissen müssen, trotzdem wütend und enttäuscht ist, und der Film dann noch eine halbe Stunde in Nebenhandlungssträngen weiterplätschert und in einer todtraurigen, mündlich geschilderten Traumsequenz ausklingt.

  • Was war das zweitbeste Konzert, auf dem du je warst? „Die goldenen Zitronen“ 2013 im Lagerhaus hier in Bremen, damals für mich noch ein Auswärtsspiel.

War ich ehedem mit Mister Clash extra als Fanboys hochgefahren, wir hatten bei meiner Schwester genächtigt, und da haben wir ein echt spielfreudiges Konzert erleben dürfen. Bei den Goldies war ich mittlerweile schon fünfmal auf Konzerten und ihre Auftritte sind tatsächlich ziemlich tagesformabhängig, hier waren sie aber mal so richtig gut aufgelegt.

  • Was ist dein zweitliebstes Buch? „Owen Meany“ von John Irving.

Den Herrn Irving als Autor mag ich wirklich sehr gerne und dieses Buch war das erste, das ich von ihm gelesen habe und es hat den Grundstein gelegt für eine lange und noch immer andauernde gemeinsame literarische Reise.

  • Was ist deine zweitliebste Comicfigur? Donald Duck.

Micky Maus ist richtig uncool, glatt gebügelt, immer auf der richtigen Seite, ohne Fehl und Tadel. Donald Duck ist ein Loser und mit sämtlichen ach so menschlichen Schwächen ausgestattet, die es so einfach machen, sich mit ihm zu identifizieren.

  • Was ist dein zweitliebstes Musikalbum? „Blonde on Blonde“ von Bob Dylan

Ein mittlerweile über 50 Jahre alter Klassiker und tatsächlich auch das erste Dylan-Album, das ich mir mal irgendwann vor ewig langer Zeit gekauft hatte. Höre ich – fun fact am Rande – jedes Jahr als festes Ritual zum Weihnachtsbaumdekorieren.

  • Und wer ist dein zweitliebster Musiker? Trotz sinkender Akutrelevanz wohl nach wie vor Badly Drawn Boy.

Leider seit einigen Jahren schon in der vollkommenen Versenkung verschwunden und dem Internet-Vernehmen nach nur noch auf kleineren Stadtfesten im angelsächsichen Raum gesichtet. War für mich und meine musikalische Sozialisierung aber stilprägend.

  • Wohin führte dich dein zweitschönster Urlaub? Nach Mexiko.

Hach ja, 2 Wochen Cáncun (mittlerweile ja auch mit Postkarten), schönstes Wetter, tolle Exkursionen und das erste Mal über den Atlantik geflogen. War ziemlich schön da.

  • Was ist dein zweitliebstes Musikinstrument (selber spielen oder hören)? Das Klavier.

Würde ich auch sehr, sehr gerne spielen können, weil es ein tolles, vielseitiges Instrument ist, muss mich aber mit dem freudigen Zuhören begnügen.

  • Was ist dein zweitliebstes Hobby? Gitarre spielen.

Stattdessen also lieber die Gitarre, ehemals mal ganz klassisch gelernt mit ernsthafter und ernstzunehmender Musik, die ich alle Jubeljahre mir auch in Versatzstücken wieder draufzuschaffen versuche, mittlerweile aber eher zum akustischen Schrammeln und zur Gesangsbegleitung umfunktioniert.

Und wie schaut es bei euch aus? Was steht so alles an zweiter Stelle in eurem Leben? 😉

CU in Disneyland!

In den Augen meiner Schwester spiegelt sich die Traurigkeit des Universums!

Heute möchte ich mich mal an dem bereits angekündigten Eintrag über das Liebesleben meiner Schwester versuchen. Voran stellen will ich die Aussage, dass ich meine Schwester wirklich mag und mir im Grunde einfach nur wünsche, dass sie glücklich und zufrieden ist, denn vielleicht kann diese positive Grundhaltung bei aller implizit oder explizit geäußerten Kritik sonst zwischenzeitlich mal aus den Augen geraten.

In der Tat ist es so gewesen, dass meine Schwester bis vor ein paar Jahren verheiratet gewesen ist (ich war ja damals, im Jahr 2011, ihr Trauzeuge, hatte darüber auch im Mytagebuch berichtet) und alles soweit eingerichtet schien: Sie lebte mit ihrem Mann in einem schönen Haus, verdiente gutes Geld, man sprach über Kinderplanung und so schien alles auf den ersten Blick seinen gewöhnlichen Gang zu gehen. Allerdings ist die Ehe nach etwa 3 Jahren in die Brüche gegangen, im Wesentlichen aufgrund unüberbrückbarer kultureller Differenzen. Ihr Ehemann kam ja aus einem weit entfernten Land und einem gänzlich anderen Kulturkreis, sie hatte ihn während eines Urlaubs kennengelernt, und nach einiger Zeit einer reiseintensiven Fernbeziehung deluxe war er schließlich nach Deutschland gekommen und sie waren zusammen gezogen. Er war hier auch durchaus engagiert, hat intensive Sprachkurse belegt und zunächst recht schnell und gut die deutsche Sprache gelernt (meine Schwester allerdings währenddessen auch noch viel schneller und besser die seine). Gearbeitet hat er hier jedoch nie, wozu zunächst auch gar kein unbedingter ökonomischer Zwang bestand, weil meine Schwester überdurchschnittlich viel Geld verdient und also problemlos auch eine ganze Familie komfortabel alleine ernähren könnte. Dem Vernehmen nach hat er sich auch nicht so wirklich intensiv hier um Arbeit bemüht, zu andersartig und unwirtlich waren dann doch die Gegebenheiten auf dem deutschen Arbeitsmarkt gegenüber der idyllischen Heimat. Er ist im Sommer jeden Jahres dann auch immer noch in seine alte Heimat zur Saisonarbeit zurückgeflogen und das waren jedes Mal mehrmonatige bis fast halbjährliche Aufenthalte. Das ging auch noch so weiter, als die Beiden schließlich verheiratet waren. Er hat da einfach extremes Heimweh gehabt, zudem war er in seiner Heimat allseits bekannt, beliebt und geschätzt und wurde dort im gleichen Maße vermisst, wie er selbst die Heimat vermisste. In Deutschland hingegen hatte er bis auf meine Schwester und ein paar sporadische Kontakte zu ihrer Familie im Grunde niemanden. Meine Schwester war mit dieser Situation auf die Dauer – verständlicherweise – natürlich unzufrieden und sagte, dass sie nicht einen Ehemann haben wolle, der das halbe Jahr nicht anwesend sei. Sie ist in einem Jahr auch selbst mal zwei oder drei Monate während dieses Sommeraufenthaltes mitgekommen in die Heimat ihres Mannes, nur war das für sie auf die Dauer dann vergleichbar langweilig und unbefriedigend wie für ihren Mann hier in Deutschland, wenn sie daheim saß und ins umgebende Ödland schaute, während ihr Mann tagsüber arbeiten war. Es wäre letztlich auch keine Option gewesen, dass sie ihren Job hier in Deutschland aufgegeben hätte und sie gemeinsam dauerhaft in seine Heimat gezogen wären. Zum Einen wäre das ökonomisch betrachtet Irrsinn gewesen, zum Anderen hätte es ihre Arbeit vergleichbar in seinem Land gar nicht gegeben. Letztlich war diese Diskrepanz zwischen den Beiden einfach unauflösbar und sie haben sich dann im Guten getrennt und scheiden lassen und er ist wieder zurück in seine Heimat gegangen. Die Beiden telefonieren und schreiben noch regelmäßig miteinander und fahren auch immer mal wieder gemeinsam zusammen in den Urlaub. Meine Schwester sagt auch immer, sie hätte Angst gehabt, dass er hier so unglücklich und depressiv geworden wäre, dass sie ihn eines Tages unter der Decke baumelnd vorgefunden hätte und dass sie diesen Gedanken nicht hätte ertragen können.

Nun hätte man das Konfliktpotential einer solchen Konstellation in einer Ehe durchaus vorhersehen können oder aber hätte sich zumindest vorher einmal intensiver gedanklich damit auseinandersetzen sollen. Aber das möchte ich ihr gar nicht zum Vorwurf machen, schließlich lässt einen die rosarote Brille so manches Problem verdrängen und ausblenden, und hinterher kann man immer schlau daherreden. Ich hätte als engagierter Trauzeuge ja auch durchaus im Vorfeld intervenieren können und vielleicht auch sollen – aber ganz im Ernst, wer macht das schon? Ich bin einfach davon ausgegangen, dass die Beiden sich das gut überlegt haben, schließlich waren sie eine Zeit lang ja auch echt glücklich miteinander und beieinander. Und vermutlich hätte ich es mir bis in alle Ewigkeit mit meiner Schwester verscherzt, wenn ich damals angefangen hätte, ihr die Hochzeitspläne madig zu machen und mahnend daherzureden.

Nach der gescheiterten Ehe und dem plötzlich über den Haufen geworfenen bisherigen Lebensentwurf ist meine Schwester dann erstmal in ein ziemliches Loch gefallen, hat sich darüber hinaus auch zwischenzeitlich ordentlich mit unseren Eltern verkracht, die ihr ihrer Ansicht nach vorgehalten hätten, nicht genug um die Ehe gekämpft zu haben und ihren Ehemann im Endeffekt vergrault zu haben (ob das in dieser drastischen Form stimmt, wage ich ein wenig zu bezweifeln, meine Schwester war zu dem damaligen Zeitpunkt auch emotional sehr angegangen und extrem dünnhäutig, was Kritik anging, vielleicht hat sie das auch etwas überzogen wahrgenommen; auf der anderen Seite ist insbesondere unsere Mutter, was Kritik angeht, bisweilen nicht sonderlich einfühlsam, in sofern kann es schon sein, dass da ein paar unschöne Aussagen gefallen sind).

Erschwerend kam nämlich noch hinzu, dass meine Schwester in der Endphase ihrer Ehe, als ihr Mann noch mit ihr zusammen in einem Haus wohnte, aber das Ende praktisch schon besiegelt war und sein baldiger Abschied in Aussicht stand, genervt von der ganzen Situation und, wie sie sagt, auch gelangweilt von ihrem Ehemann, der die ganze Situation wortkarg und lethargisch ertrug, parallel schon eine Affäre mit einem neuen Mann begann. Dieser war wiederum zu diesem Zeitpunkt auch noch verheiratet und wohnte zwar immerhin in Deutschland, aber auch eine ganze Ecke weg, so dass schon wieder die Pendelei losging. Diese neue Liebschaft hat sie ihrem Noch-Ehemann gegenüber auch gar nicht verheimlicht, aufgrund des zeitlichen und logistischen Aufwands das auch gar nicht tun können, und das haben meine Eltern dann wohl auch als besondere und unnötige emotionale Grausamkeit seitens meiner Schwester empfunden und das auch kommuniziert.

Auch ihr Ehemann war ja schon deutlich älter gewesen als sie selbst, ich glaube, der Altersunterschied betrug so etwa 15 Jahre, aber der neue Lover schoss bezüglich seines Alters demgegenüber den Vogel dann noch mal richtig ab und lag dann mehr so im Bereich ihres eigenen Vaters. Nach viel Heimlichtuerei und Hoteltreffen und Betrügerei hat sich der Typ dann auch irgendwann tatsächlich mal von seiner Ehefrau getrennt und ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, allerdings hatte sich die Affäre oder Beziehung zwischen meiner Schwester und ihm dann kurze Zeit später auch schon wieder erledigt, da meine Schwester alsbald feststellte, dass er im Grunde ein ziemlich armer und vor allem armseliger Wicht und emotional weitgehend verkrüppelt war.

Nach einer gescheiterten Ehe und einer gescheiterten Liebschaft hatte meine Schwester dann wohl zwischenzeitlich das Gefühl, etwas mit dato Versäumtes nachholen zu müssen und rastete dann vorübergehend mal so richtig aus. So fuhr sie beispielsweise mit einer Freundin mehrmals in den Urlaub, die in ihrer Freizeit und eben auch während dieser Urlaube Basejumping betrieb, einen Extremsport, dem meine Schwester nun gar nicht nachgeht, und vögelte sich währenddessen durchs Basejumper-Lager. Scheinbar sind das, stets das eigene mögliche baldige Ableben vor Augen, sehr lockere und freizügige Runden, zudem floss reichlich Alkohol, und dann führte eben Eines zum Anderen. Ich möchte das auch gar nicht verurteilen, ich hatte ja selbst auch mal so eine vergleichbare wilde Phase, in der mir einfach alles scheißegal war und in der ich jahrelang verpasste Fickerei nachholte. Aber selbst ich musste manchmal schon ein wenig schlucken, was für Stories sie beim „Fetten Pinguin“ (das ist so ein lustiges Partyspiel, das ich besitze, bei dem es darum geht, in vertrauter oder auch (noch) nicht vertrauter Runde intime Details über sich und Andere auszuplaudern, das wir in meinem Freundeskreis und eben auch mit meiner Schwester schon ein paar mal gespielt haben – der Titel des Spiels ergibt sich aus dem Wortspiel „Nichts bricht das Eis so schnell wie ein fetter Pinguin„) da so raushaute.

Währenddessen stand sie aber, wie gesagt, auch immer noch in Kontakt mit ihrem mittlerweile geschiedenen Ex-Ehemann und auch bei ihr daheim war irgendwie noch alles voll von ihm, seien es Hochzeitsbilder, die rumhingen, oder speziell aus seiner Heimat stammende Souvenirs in den Vitrinen oder die gemeinsam gekauften Bilder an den Wänden und so weiter und so fort. Da hatte ich immer den Eindruck, dass sie für eine mögliche ernste neue Beziehung noch gar nicht offen wäre und dass es mögliche Verehrer auch einfach abschrecken würde, wenn sie irgendwann mal zu ihr nach Hause kämen und aus jedem Winkel ihres Hauses noch immer ihr Ex-Ehemann schreien täte.

Nun allmählich zu den aktuelleren Entwicklungen. 2016 war meine Schwester in Kur und lernte dort einen Mann kennen, mit dem sie sich wohl auf Anhieb gut verstand, zunächst aber nur auf einer rein freundschaftlichen Ebene. Sie verbrachten da in der Kur ein paar nette Wochen miteinander und gingen danach wieder ihrer Wege. Der Kerl war zudem auch verheiratet und mit Kindern und kam aus einer anderen Ecke Deutschlands, also im Grunde jetzt auch nicht die erste Wahl für eine neue Beziehung. Nun arbeiten die Beiden im selben Job und so wollte es der Zufall, dass sie sich einige Monate später bei irgendeiner Jahrestagung wieder über den Weg liefen und dort hat es dann wohl schon ordentlich gefunkt zwischen den Beiden. Sie haben sich dann kurze Zeit später auch noch mal privat in der Nähe seiner Heimat getroffen, aber bis dahin wohl immer noch unter der Prämisse „freundschaftlich“. Ich weiß noch, wie wir kurze Zeit später meine Schwester getroffen haben und mit ihr Essen waren und wie sie sich da zwar schwer aufgekratzt, aber zumindest den Worten nach noch sehr reserviert und abgeklärt gegeben hat. Der Typ wäre zwar toll, aber sie wolle nach den vorangegangen Erfahrungen auf keinen Fall noch einmal eine Fernbeziehung eingehen und schon gar nicht wieder als Affäre eines verheirateten Mannes (mit Kindern). Wir hatten zu diesem Zeitpunkt schon kein gutes Gefühl und natürlich kam es dann innerhalb kürzester Zeit, wie es kommen musste, sie fing eine Affäre mit dem Kerl an und war fortan nervlich und emotional kaum mehr zu gebrauchen. Der Typ hatte ihr dann natürlich nämlich auch erzählt, wie unglücklich er doch in seiner Ehe sei, viel zu früh geheiratet, und überhaupt, Kinder habe er sowieso nie gewollt, da habe ihn seine Frau praktisch zu gedrängt, und jetzt säße er da, mit einer Frau, die er nicht ausstehen kann und die ihn nur ausnimmt, und mit zwei Bälgern, die ihm nichts bedeuten und er habe auch schon so ein Arrangement mit seiner Familie, dass er nur einmal im Jahr mit denen gemeinsam in den Urlaub fahren müsse und seinen restlichen Urlaub alleine (wer’s glaubt…) nach seinem Gusto verbringen könne. Also kurz gesagt, so richtig ätzendes Gelaber eines Typen, der nicht den Arsch in der Hose gehabt hat, sein Leben selbst zu gestalten und jetzt nicht den Arsch in der Hose hat, an seinem ach so unglücklichen Leben was zu ändern.

Ich meine, man muss sich da vermutlich gar keiner Illusion hingeben, das ist vermutlich der totale 08/15-Klischee-Standard-Lauf-der-Dinge. Unzufriedene Ehemänner (und natürlich auch -frauen), die sich eine Affäre suchen, um mal wieder etwas Kick in ihr Liebesleben zu bringen, aber zu feige sind, ihre unglückliche Beziehung bzw. Ehe zu beenden oder aber die Kraft aufbrächten, daran zu arbeiten, diese nochmal glücklich zu gestalten. Das hat mein Vater irgendwann genauso gemacht und irgendwie ist das ja so die totale Standard-Geschichte, die man immer wieder hört, wenn Ehen irgendwann in die Brüche gehen. Ich habe mir persönlich nur immer geschworen, vielleicht auch bedingt durch die Verletzungen, die das Verhalten meines Vaters seinerzeit über die Familie gebracht hat, niemals als ein solches Altherren-Klischee zu enden und habe darin ein ziemliches Feindbild entwickelt.

Die Affäre zwischen meiner Schwester und dem unglücklich Verheirateten lief dann also eine Weile und meine Schwester hat irgendwann auch ein wenig zu drängen begonnen, so nach dem Motto „Wenn du so unglücklich mit allem bist, warum trennst du dich dann nicht von deiner Frau?“, aber natürlich war das für ihn damals noch keine Option. Irgendwann passierte dann das Unvermeidliche und die Ehefrau des Typen bekam Wind von der Affäre. Es wäre vermutlich auch ein Wunder gewesen, wenn nicht, denn so durchgehend und intensiv, wie meine Schwester mit ihm am Handy hing und telefonierte oder Whatsapp-Nachrichten hin und her schickte oder sich in irgendwelchen Hotels traf, muss er ja am anderen Ende der Leitung ähnlich eingebunden gewesen sein und das muss ja dann irgendwann auch mal der desinterssiertesten Ehefrau auffallen. Die Ehefrau stellte ihn dann vor die klassische Wahl „Ich und die Kinder oder sie“ und er entschied sich dann zunächst für Frau und Kinder und teilte das meiner Schwester dann lapidar am Telefon mit à la „Tschussi, war nice, schönes Leben noch!„, woraufhin wir hier eines Abends ein weinendes Häufchen Elend namens meine Schwester auf unserem Sofa sitzen hatten, die wir mühevoll wieder ein wenig aufbauen mussten. Kontakt halten wollte er indes natürlich weiterhin, nach einer kurzen WhatsApp-Pause zur Besänftigung der tobenden Ehefrau wurde dann eine andere Messenger-App runtergeladen, die die Frau nicht auf dem Handy hatte und somit nicht stalken konnte, wann ihr Mann wieder online war und warum bloß…

Wenige Tage später kam dann die Kehrtwende: Der Kerl kam unangemeldet zu meiner Schwester vorbei gefahren, zwei Reisetaschen in der Hand, er habe sich nun doch von seiner Frau getrennt und für seine wahre, große Liebe entschieden, was für ein Idiot er doch gewesen sei, große Aussprache, noch größere Versöhnung, alles wieder gut, Zeit für einen Neuanfang. Dummerweise fiel das aber nun in einen Zeitraum, in dem meine Schwester wenige Wochen später einen zweiwöchigen Island-Roadtrip-Urlaub mit ihrem Ex-Mann geplant hatte, über Monate detailliert und mit großer Vorfreude ausgeklügelt. Das ließ sich nun nicht so einfach wieder absagen, meine Schwester wollte das ja auch gar nicht und dem Vernehmen nach war das auch für ihren neuen „Partner“ in Ordnung, schließlich läuft ja zwischen ihr und ihrem Ex-Mann nichts mehr und das findet auf einer reinen „Wir verstehen uns immer noch gut und verreisen einfach gerne zusammen“-Ebene statt. Natürlich jetzt keine optimale Konstellation zum Beginn einer frischen neuen Beziehung, aber jetzt eben so passiert.

So flog sie dann also kurze Zeit später in den angekündigten Urlaub, das Handy am Anschlag, um ihren neuen „Partner“ auf dem Laufenden zu halten, dem es dann am ersten Tag (!) ihres Urlaubs in der Ferne einfiel, sich ein zweites Mal telefonisch von ihr zu trennen, weil er das jetzt nicht ertragen könne, dass sie zwei Wochen mit ihrem Ex-Mann unterwegs und er doch nun so eifersüchtig sei. Er würde dann jetzt auch wieder bei seiner Ehefrau zu Hause einziehen, denn besser unglücklich mit Haus, Frau und Kindern, als noch unglücklicher und dem emotionalen Wahnsinn nahe aufgrund einer fragilen neuen Beziehung unter ungünstigen Vorzeichen (zu Beginn gleich Urlaub mit dem Ex-Mann). An dieser Stelle mag man sich ja nun auch fragen, was denn eigentlich die Ehefrau des Typen bewogen hat, ihn nochmal wieder zu nehmen, immerhin hat er sich ja auch ihr und den Kindern gegenüber wie der komplette Vollarsch verhalten und an ihrer Stelle hätte ich ihm längst die Koffer vor die Tür gestellt und den Scheidungsanwalt ins Spiel gebracht. In jedem Fall waren die zwei Wochen Urlaub für meine Schwester von Tag 1 an dann also gründlich versaut und ich mag mir gar nicht vorstellen, was für eine Stimmung dort geherrscht bzw. welche emotionalen Belastungen meine Schwester da auch ihrem Ex-Mann aufgebürdet haben mag, der sich womöglich auch Erquicklicheres hatte vorstellen können, als im Urlaub seine Ex-Frau ob ihrer verkorksten neuen Beziehung trösten zu müssen.

Irgendwann kam meine Schwester dann also aus dem Urlaub wieder und wir trafen uns zur Nachbesprechung nebst digitaler Dia-Show und da hing sie doch tatsächlich weiterhin unentwegt schelmisch grinsend an ihrem Handy und war im Grunde zu nichts zu gebrauchen. „Sag mal“ – zögerliches Nachfragen – „mit wem schreibst du denn da die ganze Zeit?“ Gut, die Antwort könnt ihr auch an dieser Stelle sicherlich schon denken, weiterhin schrieb sie mit diesem Typen, von dem sie scheinbar auch nach zwei mies durchgezogenen Trennungen noch immer nicht genug hatte. Er sei ja eigentlich auch ein total dufter Kerl, nur emotional etwas unreif, erklärte sie uns dann, und ständig schriebe er ihr, dass er nur sie liebe und dass er es so bereue, zu seiner Frau und den unsäglichen Kindern zurückgegangen zu sein und dass jetzt für ihn alles sinnlos sei. Ob sie sich von ihm nicht verarscht fühle, fragten wir daraufhin vorsichtig nach, immerhin habe er sie doch ziemlich schäbig behandelt und vermutlich wolle er doch einfach nur die für ihn bequeme Schiene „Zuhause habe ich Frau und Kinder zum Repräsentieren und nebenher für die emotional anregenderen Momente meine Affäre“ weiterfahren.

Es dauerte dann tatsächlich auch gar nicht mehr lange und er trennte sich ein weiteres Mal von seiner Frau, zog diesmal auch aus dem gemeinsamen Haus aus und fürs Erste wieder bei seinen Eltern ein, und kam dann ein drittes Mal innerhalb weniger Monate mit meiner Schwester zusammen. Diesmal hielt das Ganze auch erstaunlich lange, also mehrere Wochen am Stück, und es wurden schon erste zarte gemeinsame Zukunftspläne geschmiedet. Zunächst wollte er sich erstmal eine neue Bleibe suchen, was sich dann aber immer wieder als erstaunlich schwierig herausstellte und meine Schwester bereits allmählich ungeduldig werden ließ, schließlich hatten ihre eigenen Wohnungssuchen nie so lange gedauert. Aber gut, immerhin brauchte er ja jetzt auch eine Bleibe, die sowohl als Liebesnest fungieren könnte als auch als mögliche Übernachtungsmöglichkeit für die Kinder (die verdammten, ungeliebten Blagen hatte er ja auch immer noch am Hals), und so etwas zu finden sei sicherlich nicht so ganz einfach.

Ende November wurden wir dann zur gemeinsamen Silvesterparty bei meiner Schwester eingeladen, quasi Pärchenabend mit meiner Schwester und ihrem Freund und mit meiner Freundin und mir. Puhhh, da mussten wir erstmal durchschnauben, denn zum Einen musste meine Freundin sowohl an Silvester als auch an Neujahr arbeiten, so dass wir eh nur ein relativ kleines Zeitfenster zum Feiern zur Verfüfung hatten, und zum Anderen und viel gravierender hatten wir eigentlich gar keinen Bock darauf, ihren neuen Typ überhaupt näher kennen zu lernen, nachdem wir uns mittlerweile schon ein so derart negatives Bild von ihm geformt hatten, dass selbst ich als erklärter Pazifist mich wohl echt hätte zusammenreißen müssen, ihm nicht bei der ersten auch nur geringfügig deplazierten Aussage direkt eins in die Schnauze zu hauen. Aber gut, andererseits, dachten wir uns, wenn es meiner Schwester wichtig ist – immerhin wären wir ja dann auch die Ersten aus ihrem Umfeld, die den Typen kennenlernen dürften und das wäre gewissermaßen ja auch eine Ehre – dann würden wir ihr halt den Gefallen tun und im Zweifel gute Miene zum bösen Spiel machen. Wir selbst waren Anfang Dezember dann auch erstmal zwei Wochen im Urlaub und wir haben dann ganz pragmatisch entschieden, dass wir diese Silvester-Einladung erst einmal aussitzen wollten, denn bis dahin war es ja immerhin noch ein ganzer Monat Zeit und wer könnte schon wissen, was bis dahin wäre…

Und tatsächlich erwies sich das als die genau richtige Taktik, mit der wir meiner Schwester nicht vor den Kopf stoßen mussten im Sinne einer Absage von wegen „Kein Bock auf deinen komischen Kerl“. Denn noch während unseres Dezember-Urlaubs fiel es dem Kerl dann ein, sich ein drittes Mal von meiner Schwester zu trennen, immerhin kam er diesmal bei Schnee und Eis noch persönlich vorbei gefahren, er würde einfach die ganze Unsicherheit und Unplanbarkeit nicht ertragen und es fiele ihm auch so schwer, seine Kinder nicht sehen zu können. Und da seine Ehefrau daheim praktischerweise nur eine Bedingung für seinen Wiedereinzug gestellt hatte, nämlich den Kontakt zu meiner Schwester abzubrechen, nahm er dieses entegegenkommende Angebot dann auch dankend an, und alles wurde wieder zurück auf Anfang gestellt. Wir bekamen dieses neuerliche Drama urlaubsbedingt nur aus der Ferne mit und zugegebenermaßen war unsere Empathie mittlerweile auch weitgehend aufgebraucht, denn so richtig konnten wir weder das Handeln meine Schwester noch das der Ehefrau des Kerls mittlerweile noch irgendwie nachvollziehen.

An Weihnachten sahen wir uns dann schließlich bei meinen Eltern wieder und natürlich, wer hätte es anders gedacht, hing meine Schwester auch da ständig am Handy, natürlich hatte der Typ den Kontakt nicht abgebrochen, natürlich hinterging er seine Ehefrau weiterhin und wahrscheinlich war es dieser mittlerweile auch schon vollkommen egal, so lange er einfach die Schnauze halten und die Kohle nach Hause bringen würde. Meine Schwester hat dann auch immer so eine geile Art, diese Schreiberei so offensichtlich zu betreiben, dass man quasi dazu genötigt wird, diesbezüglich nochmal nachzufragen, bloß um dann eine halb-schnippische Antwort dazu zu bekommen. Wir haben zwischenzeitlich ganz im Ernst sogar schon mal darüber nachgedacht, für zukünftige Besuche bei uns ein Handy-Verbot zu erteilen, das Ding müsste dann an der Garderobe abgegeben werden, weil wir diese fahrige Halbaufmerksamkeit meiner Schwester einfach nicht mehr ertragen können, es schlichtweg aber auch nicht wollen, weil wir ihre Entscheidung, mit diesem Kerl noch immer Kontakt zu halten (und nicht so ein beiläufiges Alle-2-Tage-mal-einen-Gruß-senden, sondern Dauerschreiberei), nicht mehr nachvollziehen können (es darüber hinaus aber auch als grundsätzlich seinen Gastgebern gegenüber unhöflich empfinden, aber das ist nochmal eine andere Grundsatzdebatte).

Was macht man nun aus alledem? Mir ist ja auch klar, dass man Gefühle nicht einfach abstellen kann und sich herzensmäßig da bisweilen einfach verrennt, auch ich habe das (wenn auch in anderen Extremen) schon getan. Natürlich kann ich das von meiner Schwester auch nicht einfordern. Aber wie weit will sie sich eigentlich selbst noch demütigen lassen, ehe sie einsieht, dass dieser Kerl eine Vollnull ist, die nicht eine einzige Sekunde ihrer Aufmerksamkeit verdient? Wie kann sie mit offenen Augen immer wieder in die gleiche Sackgasse laufen und sich bereitwillig ins Unglück stürzen? Sie schiebt zur Zeit jetzt auch so eine Midlife-Crisis-artige Vollpanik, dass sie, wenn sie ihn nicht mehr hat, niemals mehr einen abbekommen würde. Ich hatte ihr daraufhin nur gesagt, dass man als Obdachloser ja auch nicht in das Scheißesammelbecken eines Plumpsklos einziehen würde, nur um ein Dach über dem Kopf zu haben, meinend, dass es in diesem konkreten Fall tatsächlich besser sei, alleine zu sein als mit so einem Vollhorst zusammen. Zumal es immer neue Optionen gibt und vermutlich 98% der Männer auf der Welt sie besser behandeln würden als dieser Typ.

Ich bin jetzt immer schon die Taktik gefahren, konsequent nur noch schlecht über den Typen zu reden, damit es vielleicht auch irgendwann bis zu ihr durchsickert und sie ihre Meinung bezüglich seiner Person mal allmählich abschließend ändert. Aber scheinbar alles vergebens: Zwischen Weihnachten und Silvester hat sie sich wieder zweimal mit ihm getroffen, war bei meinen Eltern noch weilend eh schon auf halber Strecke zu ihm, und wie jetzt gerade der Stand der Dinge ist, das werden wir dann wohl am Montag erfahren, wenn wir uns mal wieder mit ihr zum Essen treffen.

Wie gesagt – und damit möchte ich noch einmal auf den Ausgangspunkt dieses ausufernd lang geratenen Textes kommen – ich wünsche meiner Schwester einfach, dass sie glücklich und zufrieden wird und dass sie jemanden findet, der ihr die Liebe und Sicherheit geben kann, die sie verdient. Ich bin aber einfach aus tiefstem Herzen davon überzeugt, dass es mit diesem aktuellen Kerl kein Happy End mehr geben kann, nicht nach alledem, was er bisher schon abgezogen hat. Selbst wenn sie jetzt tatsächlich noch ein weiteres Mal zusammenkommen sollten (oder es vielleicht schon wieder sind…?), dann wird das mit diesem unreifen Vollidioten keine Zukunft haben, und selbst wenn es mal für einige Monate oder Jahre halten sollte, hätte ich überhaupt gar kein Interesse daran, ihn als „Freund meiner Schwester“ mal kennenzulernen. Selbst wenn er sich tatsächlich mal grundsätzlich für meine Schwester entscheiden würde, seine Frau endgültig verlässt und einen Neustart wagt, dann ist das halt so ein Typ, dem dann spätestens in ein paar Jahren wieder langweilig würde und der sich dann wieder eine fickerische Nebenbeschäftigung sucht. Und dann wäre meine Schwester halt die betrogene Ehefrau, im Zweifel auch nur Partnerin, idealerweise ohne Kinder, und genau so unglücklich, wie vor ein paar Monaten, als sie hier weinend bei uns auf dem Sofa saß.

Das kann, will und werde ich nicht akzeptieren.

CU in Disneyland!

Folkballaden lassen mich immerhin nächtens von Protest träumen!

Das Jahr ist noch sehr jung, hat aber für mich bereits ein erstes humoristisches Highlight bereit gehalten. Im April 2016, also vor mittlerweile schon fast 2 Jahren, war ich zusammen mit meiner Freundin in Cancún, Mexiko im Urlaub. Das war unser bis dato größter gemeinsamer Urlaub und es war sehr schön dort. Um unsere Freude darüber mit den uns nahestehenden Menschen zu teilen, haben wir zahlreiche Postkarten von dort verschickt, die ärgerlicherweise jedoch niemals angekommen sind. Wir hatten diese Enttäuschung schon längst abgehakt und nahezu vergessen, bis wir heute zuerst von meiner Schwester, dann von meinen Schwiegereltern in spe und schließlich noch von Freunden von mir eine Benachrichtigung bekamen, dass unsere Mexiko-Postkarten gerade eingetrudelt seien. Nach gerade einmal 21 Monaten! Dass sie jetzt alle zeitgleich ankommen, spricht ja dafür, dass sie irgendjemand in Mexiko mal gesammelt wiedergefunden haben muss. Vielleicht hat die im 2-Jahres-Takt durchgeführte Briefkastenleerung stattgefunden. Oder bei der mexikanischen Post haben sie sich mal einen neuen Sortiertisch gekauft, so dass der alte, wackelnde, dessen ein verkürztes Bein man über Jahre mit nach Deutschland adressierten Postkarten hatte unterlegen müssen, ausrangiert werden und die zugehörigen Postkarten freigelegt und zugestellt werden konnten. Lustigerweise habe ich damals auch auf speziellen Wunsch der Chefarztsekretärin, die unbedingt mal eine Postkarte aus Mexiko bekommen wollte, eine Karte an meine alte Arbeit geschickt. Die werden sich jetzt vermutlich ein wenig wundern und sich zusätzlich zu meinem plötzlichen Abgang noch ein wenig mehr veralbert fühlen.


Ansonsten war ich heute Abend unterwegs und habe mir ein Basketballspiel angeschaut. Ein paarmal in der Saison tragen die Eisbären Bremerhaven (ja, das ist eine Basketball-Mannschaft und kein Eishockey-Verein!) ihre Heimspiele nicht in der Stadthalle Bremerhaven aus, sondern in der ungleich größeren ÖVB-Arena in Bremen. Für mich sehr praktisch, weil ich da ganz bequem mit der Straßenbahn innerhalb einer Viertelstunde hinfahren kann. So habe ich das zum Anlass genommen, mir mal wieder live und vor Ort ein Basketballspiel anzuschauen. Die Partie ging gegen Gotha, was auf dem Papier wahrlich keine attraktive Paarung ist (die anderen beiden „Hansegames„, also die Spiele, die in Bremen ausgetragen werden, gehen in dieser Saison immerhin gegen Bayern München [die natürlich seit einigen Jahren auch mit üppigem Etat und unter den protegierenden Schwarzgeld-Händen unseres Lieblingskriminellen Uli Hoeneß im Basketball mitmischen] und gegen Brose Bamberg [die seit Jahren die stärkste deutsche Mannschaft im Basketball sind und Jahr für Jahr Meister werden] und sollten somit deutlich größere Publikumsmagneten sein), aber nun doch eine gewisse Brisanz innehatte, weil Bremerhaven in der Tabelle auf dem vorletzten Platz steht mit mittlerweile zwei Siegen Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz, und Gotha auch nur Viertletzter ist, somit also ein unmittelbarer Konkurrent im Abstiegskampf. Ich selbst halte es beim Basketball, der einzigen Sportart, die ich regelmäßig und mit Interesse verfolge, ja mit der Mannschaft aus Ulm (die hatten vor 12-14 Jahren, als ich angefangen habe, mich dafür zu interessieren, immer toll zusammengestellte Teams, außerdem war ich ja mal in Ulm im Kurzurlaub und habe mir da ein kleines Basketballturnier über mehrere Tage angesehen, so kam es zu dieser geographisch ungewöhnlichen Zuneigung), habe nun natürlich aber auch ein vitales Interesse daran, dass Bremerhaven nicht absteigt, damit ich mir auch in der kommenden Saison noch in Bremen und/oder Bremerhaven Erstligabasketball anschauen kann (zum Geburtstag habe ich auch Tickets für die Partie in Bremerhaven gegen Ulm geschenkt bekommen, die gegen Ende dieser Saison im April stattfinden wird).

Tatsächlich haben die Bremerhavener das Spiel am Ende auch mit 80:74 gewonnen (nachdem sie es zwischendurch nochmal unnötig spannend gemacht haben) und können nun nochmal ein wenig Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg schöpfen. 5600 Zuschauer waren immerhin dabei und die Stimmung in der Arena war sehr gut. Ich hatte mir tolle Tickets in der ersten Reihe gesichert und war somit ganz nah dran an den Athleten und am Spielgeschehen. Nebenbei hat mir das auch meine wohlverdienten 3 Sekunden Ruhm eingebracht, ich war nämlich bei der Übertragung des Spiels im Fernsehen zu sehen (wenn auch nur auf dem hauseigenen Basketballsender der Telekom – aber hey, immerhin, man nimmt ja, was man kriegen kann…). Unten ist das Beweisfoto, zur Sicherheit habe ich mal einen dezenten blauen Pfeil eingefügt. 😉

basketball3


Zur Zeit lese ich ein recht witziges und kurzweiliges Buch:

Die Autorin beschreibt darin außergewöhnliche Tier- und Tierliebhaberbegegnungen, unter anderem mit Schabenfreunden und mit Befürwortern einer sanft-alternativen Alpaka-Haltung. Das ist sehr witzig geschrieben und bringt mich regelmäßig wieder zum lauten Auflachen. Anja Rützel ist eh ein absoluter Favorit sowohl von mir als auch von meiner Freundin. Sie schreibt regelmäßig bei Spiegel- und Zeit Online Artikel über Trash-TV-Sendungen, die unter Garantie stets sehr amüsant zu lesen sind. Wir weisen uns daheim schon immer gegenseitig darauf hin „Hey, Anja Rützel hat wieder einen Artikel geschrieben, hast du schon gesehen…?“. Eine solche Fan-artige Verehrung bringen wir für nur wenige andere Journalisten auf. Unter anderem kann ich die Ereignisse des Dschungelcamps der letzten Jahre aufsagen, obwohl ich das nie geguckt, aber weil ich immer Tränen lachend Anja Rützels sprachgewaltige Tageszusammenfassungen bei Spiegel Online gelesen habe. Jetzt bin ich froh, dass auch ihr kleines Büchlein „Saturday Night Biber“ so sprachlich unterhaltsam gelungen ist. Ein Buch, das man auf jeden Fall mal gut an Freunde und Verwandte mit Sinn für schrägen Humor verschenken kann!


Jetzt freue ich mich darauf, noch ein wenig durch eure Tagebücher zu schmökern und vielleicht gucke ich mir dann auch noch nen Film an, bin nämlich noch so gar nicht müde und meine Freundin hat Nachtdienst, so dass ich hier auch die halbe Nacht lang aufbleiben kann, ohne dass es jemanden stört.

CU in Disneyland!

Titty-Tag oder Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche ziehen!

Ich musste ja echt lachen, dass Phoebe meinen gestern beiläufig verwendeten Begriff „Titty-Tag“ im Urban Dictionary nachgeschlagen hat, und was da möglicherweise für merkwürdige Bilder entstanden sind, was ich auf der Arbeit so treibe. Das möchte ich zum Anlass nehmen, es an dieser Stelle mal näher auszuführen.

Ich arbeite ja in der Pathologie und entgegen der landläufigen Meinung besteht unsere wesentliche Aufgabe nicht in der Obduktion von Verstorbenen, sondern in der Untersuchung und Beurteilung von Operationspräparaten von (im Idealfall) noch lebenden Patienten. Da wir relativ viele Präparate der weiblichen Brust bekommen, von kleinen Gewebeproben bishin zu kompletten Brüsten, ist es bei uns so organisiert, dass immer ein Mitarbeiter tageweise „Brustdienst“ hat und an diesem Tag dann für die Bearbeitung der bei uns eintreffenden Brust-Präparate zuständig ist. In den meisten Fällen geht es dabei um Brustkrebs, mitunter sind aber auch Krebs-Vorstufen, gutartige Tumoren oder einfach nur kosmetische Eingriffe darunter. Weil die Bearbeitung solcher Präparate relativ aufwändig ist, ist es gerechtfertigt, dass dafür ein separater Arbeitsplatz vorgehalten wird. Und wenn ich an der Reihe bin und „Brustdienst“ habe, dann spreche ich eben liebevoll auch mal vom „Titty-Tag“. Meine Freundin meint auch schon immer, dass sei ja der Traum eines jeden Mannes, den ganzen Tag an Brüsten rumzuspielen. 😉

Was passiert dann mit den Präparaten? Erstmal schauen wir sie uns von außen an, häufig sind sie durch die Kliniker mittels Fadenmarkierungen oder durch das Aufstecken auf Schablonen räumlich orientiert, das heißt, man kann genau sagen, wo vorne, hinten, oben, unten, links und rechts an dem Präparat ist. Dann vermessen und wiegen wir die Präparate und markieren die äußeren Randflächen entsprechend der klinischen Richtungsangaben mit unterschiedlich farbigen Tuschen. Im Anschluss zerlegen wir sie dann mit dem Messer in dünne Scheiben und beurteilen die Veränderungen auf den Schnittflächen und messen gegebenfalls die Abstände der Veränderungen zu den Randflächen aus. Bei vielen Fällen von Brustkrebs und entsprechend großen Tumoren kann man das mit dem bloßen Auge schon relativ gut beurteilen, es gibt aber auch relativ diffus wachsende Tumoren, deren Begrenzungen mit dem bloßen Auge kaum zu erfassen sind. Auch bei Krebsvorstufen oder Veränderungen, die von einer verangegangenen Strahlen- oder Chemotherapie herrühren (im Idealfall reagiert der Tumor ja darauf und geht teilweise oder sogar vollständig zugrunde), ist die Beurteilung mit dem bloßen Auge äußerst schwierig. Meistens skizzieren und dokumentieren wir die gefundenen Veränderungen noch in einer Schemazeichnung. Und dann nehmen wir dünne Schnitte von den Präparaträndern und aus den gefundenen Veränderungen, also zum Beispiel aus dem Tumorbereich, und packen sie in kleine Plastikkapseln, das könnte dann so aussehen:

Das Gewebe in den Plastikkapseln wird dann erstmal fixiert und entwässert und am nächsten Tag in Paraffin, also im Grunde Kerzenwachs, gegossen:

Das Gewebe liegt dann in einer festen Matrix und kann somit in extrem dünne Schnitte zerlegt werden, die man dann auf Glas-Objektträger aufziehen und anfärben kann:

Ja, und dann kann man sich das Ganze auch schon unter dem Mikroskop angucken und beurteilen. Bei den Brustpräparaten, bei denen ich alle Ränder bunt angemalt habe, sehe ich hinterher die bunte Farbe auch auf dem mikroskopischen Schnitt und kann genau sagen, ob an der Farbe, also somit am unmittelbaren Rand des Präparates, noch Tumorzellen sind oder nicht und ob der Tumor somit vollständig oder unvollständig entfernt wurde.

Bei den Brustfällen ist es bei uns dergestalt organisiert, dass man immer die Fälle, die man bearbeitet und zugeschnitten hat auch am kommenden Tag selbst zur mikroskopischen Beurteilung zugeteilt bekommt. Das heißt, immer am Tag nach dem „Titty-Tag“, habe ich einen Mikroskopier-Tag, an dem ich mir viele Brust-Fälle angucke. Dann diktiere ich einen Befund dazu, melde gegebenfalls noch zusätzliche immunhistochemische oder molekularpathologische Untersuchungen an (gerade bei den Brustkrebsfällen gibt es mittlerweile viele Rezeptoren zu bestimmen, anhand derer sich hinterher die individuelle weitere Therapie für die Patientinnen entscheidet. Wenn man weiß, dass ein Tumor bestimmte Rezeptoren nicht enthält, dann braucht man keine Therapie anfangen, die genau an diesen Rezeptoren ansetzt), und dann ist meine Arbeit praktisch schon getan.

Diese Organisation, dass die Brust-Fälle vom Anfang bis zum Ende in einer Hand bleiben, finde ich relativ praktisch. Zum Einen entwickelt man dadurch ein besseres Gespür auch für die Beurteilung mit dem bloßen Auge, wenn man am nächsten Tag unterm Mikroskop die Rückkopplung bekommt, ob man die Dinge richtig eingeschätzt hat. Zum Anderen muss man sich selbst zu einer standardisierten Arbeitsweise disziplinieren, um ohne überflüssiges formales Nachdenken am nächsten Tag relativ effizient die Befunde diktieren zu können. Wenn man quasi immer das gleiche Schema anwendet, natürlich angepasst an den jeweiligen Fall (zum Beispiel verwende ich zur Markierung von Rändern bestimmter Richtungen stets die gleichen Farben, so dass ich unterm Mikroskop direkt weiß „Ah okay, grüner Rand ist der untere Rand“ usw.), dann kann man deutlich effizienter und gleichzeitig auch weniger fehleranfällig arbeiten. Es ist auch tatsächlich so, dass man sich noch einen Tick mehr Mühe beim Zuschnitt der Präparate gibt, wenn man weiß, dass man sie am nächsten Tag selbst weiter befunden muss. An meiner alten Stelle war es beispielsweise anders organisiert, da wurden die Brust-Präparate einfach im Rahmen des allgemeinen Zuschnitts mit allen anderen Präparaten zugeschnitten und mikroskopiert hat das dann am kommenden Tag jemand Anderes. Das hat entweder zu häufigen Rückfragen geführt („Was hast du denn da genau gesehen?“) oder aber zu einem übertrieben aufwändigen Zuschnitt, gerade bei mit dem bloßen Auge schwierig zu beurteilenden Befunden, um eben diese Rückfragen zu vermeiden (im Gegenzug kamen dann am nächsten Tag die Beschwerden, dass sich irgendjemand 50 Schnitte für einen Fall angucken musste). Da finde ich das hiesige System schon deutlich durchdachter. Noch schlimmer war ja, dass ich an meiner alten Stelle selbst gar keine Brustfälle zum Mikroskopieren bekommen habe, sie aber ständig im Akkord zugeschnitten habe, im Zweifel also gar nicht genau einschätzen konnte, was für den Mikroskopierer besonders wichtig ist (klar, Ränder und Tumorschnitte, wie immer, aber jetzt mal bezogen auf die Feinheiten).

Heute hatte ich dann auch tatsächlich relativ viele Brustfälle an meinem „Titty-Tag“ zu bearbeiten und werde dementsprechend am Montag einen prall gefüllten Arbeitstag haben. Die Verteilung kann tagesabhängig natürlich schon mal ein bisschen unfair sein, wenn ein Mitarbeiter extrem viele Brustfälle zu bearbeiten hat, während die restliche Arbeit für die anderen Kollegen dann vielleicht eher gering ausfällt. Das nimmt einem dann auch keiner ab. Ich sehe das aber relativ entspannt, weil der Brust-Dienst ja immer weiter rotiert und sich diese Schwankungen im Schnitt dann einfach rausmitteln. Und ich bin ja eh noch dabei, zu lernen und mein Wissen zu erweitern, in sofern bin ich immer froh, wenn ich viele und abwechslungsreiche Fälle zu sehen bekomme (auch wenn ich kurzfristig dann auch durchaus schon mal abkotze, wenn es abends sehr spät wird).

Soweit also ein paar kleine Einblicke in meinen Arbeitsalltag. Mir macht’s Spaß und ich empfinde es als eine durchaus sinnstiftende Arbeit.

Morgen vielleicht dann ein paar Infos zu meiner Schwester…

CU in Disneyland!

Wir sind wie der Träumer, der träumt und dann in dem Traum lebt!

Eigentlich wollte ich heute einen ausführlichen und nachdenklichen Eintrag über meine Schwester und ihr verrücktes Liebesleben, das mich mehr und mehr ratlos hinterlässt, verfassen, aber jetzt ist es schon spät und ich bin müde und muss das daher auf einen unbestimmten anderen Zeitpunkt vertagen.

Habe mir heute den halben Abend bei Youtube Videos angeschaut, in denen Leute ihre Deutungen der Serie „Twin Peaks“ zum Besten geben, insbesondere der neuen, dritten Staffel und ihres äußerst verwirrenden Endes. Schon abgedreht, was da bereits wieder für Theorien durchs Netz geistern und was für abgedrehte und komplexe Gedanken sich die Leute da zum Teil zu machen. Über das lange Neujahrs-Wochenende habe ich mir die aktuelle Revival-Staffel nochmal in einem Rutsch angeschaut, nachdem ich sie im Frühjahr und Sommer diesen Jahres ja schonmal Woche für Woche, jeweils nach Veröffentlichung der aktuellen Folge, geschaut hatte. War auf jeden Fall gut, es nochmal am Stück zu schauen, denn manche Zusammenhänge sind mir jetzt erst aufgefallen (einzelne Figuren tauchen auch mal 16 Folgen lang nicht auf und die letzte Folge nimmt wiederum Bezug auf Zitate der ersten Folge usw.). Insgesamt ist es ein herrlicher, großer Blödsinn, ein total durchgedrehter Mindfuck, und es grenzt wohl an ein Wunder, dass David Lynch nochmal einen spendablen Geldgeber gefunden hat, der ihn scheinbar ohne Einschränkungen seine wahnwitzigen Ideen praktisch zu einem 18 Stunden langen Experimentalfilm hat zusammenklöppeln lassen. Für Fans wie mich ein echtes Geschenk und einer der schönsten Nebeneffekte des derzeitigen Serienbooms.

Am Ende nahezu jeder Folge gibt es einen musikalischen Beitrag im „Roadhouse„, der in Twin Peaks ansässigen Ausgehbar, und die meisten der musikalischen Beiträge sind echt ziemlich gut. Bin darüber wieder mal auf Eddie Vedder gestoßen, den ich ein wenig von Pearl Jam und intensiv vom großartigen „Into the wild“-Soundtrack kenne. Ein toller Musiker!

So, jetzt werde ich aber demnächst mal ins Bett gehen, morgen ist Titty-Tag auf der Arbeit und da will ich ja fit und aufmerksam sein. 😉

CU in Disneyland!

Das Mädchen von Ipanema geht spazieren!

Draußen tobt der Sturm, ich habe mir eine Kanne Tee gekocht und mich, ganz Blogger-like, mit dem Laptop an den großen Wohnzimmer-Esstisch gesetzt, während ich mein Heißgetränk schlürfe.


Gestern hatte ich netterweise noch arbeitsfrei, quasi ein geschenkter freier Tag, weil erwartungsgemäß „zwischen den Jahren“ und an den ersten Tagen des neuen Jahres nicht sonderlich viel zu tun sein würde. Als ich heute auf der Arbeit eintraf, fragte mich die Sekretärin ganz entgeistert „Was machen SIE denn hier…!?„, weil ich aus irgendeinem Grund im Wochen-Dienstplan für heute mit „FREI“ eingetragen war. Ein Übertragungsfehler. Hat aber keinen gejuckt. Gestern war dem Vernehmen nach wenig zu tun. Heute war auch wenig zu tun. Ein ganz entspannter Start in das neue Jahr. Es wird sich schon schnell genug wieder beim gewohnten Pensum einpendeln.


Vorausblickend auf das neue Jahr habe ich mir vermutlich die gleichen Dinge vorgenommen, die sich jeder Mensch vorgenommen hat. Gewicht verlieren, gesünder leben, mehr Bewegung. Total kreativ, wow! ^^ Bei mir ist es ja seit Jahr und Tag ein stetiges Gewichts-Jojo, mal mit der Tendenz nach oben, wieder gefolgt von Phasen des Abnehmens. Zur Zeit hab ich mir wieder ein ganz ordentliches Polster angefressen und es wird folglich mal wieder Zeit, gegenzusteuern. Leider ist es tendenziell bei mir eine Art Konjunkturkurve, die nie wieder ganz zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehrt. Und wenn ich nicht aufpasse, dann wird es alsbald doch ein wenig zu arg.

Leider esse und trinke ich einfach sehr gerne, auch wenn ich es verstandesmäßig besser wissen müsste. Eigentlich esse ich ja auch gerne Gesundes, ekele mich wahrlich nicht vor Gemüse, aber im Alltagstrott schleift sich nach einer Weile stets wieder eine ungesunde Fressroutine ein. Zwischenzeitlich habe ich schonmal gedacht, dass ich vielleicht fresssüchtig bin oder sowas. An manchen Abenden habe ich mir schonmal drei Pizzen reingehauen. Nach anderthalb war ich eigentlich satt, auf den Rest der zweiten hatte ich schon durchaus noch Fresslust und wo die dritte doch nun schonmal da war, wurde die bis zur ultimativen Magendehnung auch noch verputzt. Ganz schön bekloppt. Und ich trinke auch gerne Bier und ich trinke auch gerne gelegentlich mal 3 Liter Bier, wenn es sich ergibt, aber das hat natürlich alles seine Konsequenzen auf die Dauer.

Mir geht es im Grunde auch gar nicht so sehr ums Aussehen. Klar, das ist auch ein gewisser Aspekt, insbesondere, wenn ich aus welchem Grund auch immer mal wieder in einer Badehose rumstehe und mir denke: „Okay, sieht ja gar nicht mal so gut aus„. Aber wenigstens lebe ich in einer glücklichen Beziehung und muss mir nicht auch noch Gedanken machen um meinen „Marktwert“, meine Attraktivität. Wir werden einfach gemeinsam mollig und reiben unseren Speck aneinander. *lach* Meine Freundin sagt mir immer, dass es sie nicht stört, wenn ich wieder was zugenommen habe, und mich stört es tatsächlichauch nicht, dass sie ein paar Speckröllchen zugelegt hat. Über diesen Punkt der Äußerlichkeit sind wir glücklicherweise hinweg.

Vielmehr habe ich in letzter Zeit eine Art „Herzangst“ entwickelt, mehr eine Art Unwohlsein als eine ausgewachsene Panik. Das hängt ganz akut sicherlich auch damit zusammen, dass mein Opa kurz vor Silvester einen Herzinfarkt hatte und drei Bypässe gelegt bekommen musste. Ich meine, hey, mein Opa ist 87 Jahre alt und war bisher immer weitgehend gesund, irgendwann sind die Gefäße einfach verschlissen (und ich kann das hier so locker-flockig schreiben, weil er bislang tatsächlich alles recht gut überstanden hat). Aber ich hätte echt Schiss davor, mit Ende 30 oder Mitte 40 einen Herzinfarkt zu schießen und mir dann sagen zu müssen: „Tja, hättest du mal früher ein bisschen gesünder gelebt“. Insbesondere die Vorstellung, nach einem überlebten Infarkt noch die übrigen Jahre mit einer 25%igen Herzrestleistung rumeiern zu müssen, ist mir ein ziemlicher Graus. All die alltäglichen Dinge, die dann plötzlich zur unüberwindbaren Hürde würden – das muss wirklich nicht sein.

Das Gute ist ja schonmal, dass ich täglich zur Arbeit und zurück zu Fuß gehe, denn dadurch komme ich am Tag schonmal auf 70 Minuten Bewegung, die ich ansonsten bis auf ein wenig Treppensteigen auf der Arbeit nicht habe. Und mit 70 Minuten Bewegung erfülle ich die allgemeinen gesundheitlichen Empfehlungen schonmal ganz gut. Ich gehe auch tatsächlich sehr gerne zu Fuß, das ist also ein Punkt, an dem ich ansetzen und den ich ausbauen kann, zum Beispiel, indem ich versuche, am Tag schonmal auf 2 Stunden Bewegung zu kommen. Das ist zwar eine ganze Menge, nur auf den ersten Blick verplemperte Zeit, aber da ich ja sowieso schon 70 Minuten zwangsläufig am Tag verbrauche, machen die zusätzlichen 50 Minuten den Braten dann auch nicht mehr fett, und ob ich mich daheim noch ein wenig auf den Heimtrainer setze oder aber meinen Nachhauseweg etwas ausbaue, ist unterm Strich auch egal. Bei schlechtem Wetter, so wie heute, wäre der Heimtrainer dann allerdings auch eine Option, um ein wenig mehr Bewegung zu bekommen. Darüber hinaus ist das Essverhalten natürlich ein ganz wichtiger Punkt, an dem es zu schrauben gilt. Ich versuche jetzt erstmal, wieder regelmäßg zu essen, denn bisher war es häufig so, dass ich weder gefrühstückt noch Mittag gegessen habe und abends dann mit ’nem entsprechenden Bärenhunger heimgekehrt bin. Jetzt versuche ich, morgens wenigstens etwas Obst zu essen und mir auch zur Arbeit etwas zu essen mitzunehmen, damit ich abends nicht völlig ausgehungert zurück komme.

Heute allerdings war mir nach der Arbeit bei Sturm und Starkregen nicht unbedingt nach ausgedehnterem Spaziergang zumute. Dafür habe ich mein früheres Heimkehren als gewohnt (die Arbeit war erledigt, deswegen konnte ich knapp 2 Stunden eher abhauen) dazu genutzt, hier mal ordentlich aufzuräumen, die Bude zu saugen und das Bad zu putzen. Das würde ich unterm Strich auch mal unter „körperlicher Ertüchtigung“ subsummieren, ein wenig antrengend war es zumindest.

Zurückblickend auf das vergangene Jahr finde ich es ein wenig schade, dass meine Freundin und ich, dass wir das Jahr nicht gleichermaßen positiv bewerten. Ich fand 2017 eigentlich ziemlich spitze. Wir haben zu Beginn des Jahres den großen Umzug in eine neue Stadt gemeistert und das alles ziemlich reibungslos über die Bühne gekriegt. Und arbeitsmäßig hat sich der neuerliche Stellenwechsel für mich voll und ganz gelohnt. Ich arbeite ziemlich geregelt und weitgehend stressfrei und lerne trotzdem eine ganze Menge im Rahmen meiner Facharztausbildung dazu. Das Arbeitspensum ist schlichtweg gut zu bewältigen und von meinen Vorgesetzten erfahre ich nun auch mal Wertschätzung, was für mich ein ganz neues Gefühl ist. Im Wesentlichen liegt es wohl an der Arbeit, dass meine Freundin ihr Jahr 2017 nicht gleichermaßen positiv sieht. Sie war in Bochum, an ihrer alten Stelle, ja auch ziemlich unzufrieden, mit den komischen Personalquerelen und der ständigen Einspringerei, die letztlich dazu führte, dass man gar nichts mehr planen konnte. Jetzt hat sie zwar hier in Bremen ihre Traumstelle bekommen, was das Inhaltliche betrifft, beackert also den Bereich, der sie schon immer am meisten interessiert hat, allerdings hat sie dabei ungleich mehr Stress als ich, schon alleine aufgrund der Schichtarbeiterei. Es ist schon echt anstrengend, dieser ständige Wechsel von Früh-, Zwischen-, Spät- und Nachtdienst und auf die Dauer sicherlich auch nicht gesund. Und bei ihr fallen einfach viel mehr Notfälle an, bei denen SOFORT reagiert werden muss, generell sind ihre Arbeitstage viel unvorhersehbarer. Ich dagegen habe ja praktisch keine Notfälle bei mir auf der Arbeit, von den Schnellschnitten mal abgesehen, bei denen es schnell gehen muss, aber die mache ich a) selten und b) stressen sie mich nach dem Radikalprogramm in Bochum mittlerweile kaum mehr. Darüber hinaus hadert sie auch mit ihrem Gehalt , aber das ist halt ein grundsätzliches Problem im Gesundheitswesen, wenn die Leute vom Fahrdienst, die Blutkonserven von A nach B fahren, mehr verdienen, als das medizinische Fachpersonal, das diese Blutkonserven aufbereitet und austestet. Ich meine, wir haben zusammen ja mehr als genug Kohle und müssen uns gar keinen Kopf machen, in sofern ist das Jammern auf hohem Niveau, aber manchmal kriegt sie schon das Kotzen, wenn beispielsweise ihre Schwester, die frisch verbeamtet einen vollkommen überflüssigen Bürojob bei der Bundeswehr macht, am Ende des Monats mehr Geld nach Hause trägt als sie, die im Nachtdienst alleine zuständig ist für die Blutversorgung eines großen Krankenhauses und als Referenzzentrum für mehrere Bundesländer.

Als wir uns dafür entschieden haben, aus Bochum wegzugehen, war es natürlich sehr praktisch, dass wir beide zu diesem Zeitpunkt mit unserer Arbeit unzufrieden waren und es uns beiden somit einfach viel „Adieu“ zu sagen. Genauso würde ich mir jetzt wünschen, dass wir ebenfalls beide sagen könnten, dass sich der Jobwechsel rundum gelohnt hat. Meine Freundin sagt zwar, dass es jetzt durchaus besser ist als auf der alten Arbeit, aber wenn sie manchmal so abkotzt über das, was aktuell bei ihr abgeht, dann kann ich schonmal Zweifel an dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage bekommen. Zumal sie in Bochum einen unbefristeten Arbeitsvertrag aufgegeben hat und sich jetzt derzeit erstmal wieder von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, was auch nicht die allergrößte Planungssicherheit mit sich bringt. Na, mal schauen, wir hoffen ja darauf, dass sie nach zwei Jahresverträgen zu Beginn 2019 vielleicht entfristet wird und dass wir dann ein kleines bisschen besser planen können, was die Zukunft so mit sich bringt. Vielleicht mach ich ihr einfach 8 Kinder und dann muss sie erstmal ne ganze Weile sich um Lohnarbeit keinen Kopf mehr machen. 😉

Nach meinen anfänglichen Umstellungsschwierigkeiten von Mytagebuch zu WordPress gefällt mir die Seite hier mittlerweile schon richtig gut und die Angelegenheit mit dem „Reader“ ist echt ziemlich komfortabel. Muss mich nur immer noch dazu zwingen, die ganzen Einträge nicht direkt im „Reader“ zu lesen, sondern tatsächlich auch auf die einzelnen WordPress-Seiten zu gehen, um auch die ganzen unterschiedlichen Designs auf mich wirken zu lassen.

CU in Disneyland!

Album des Jahres 2017

So, das ist also mein erster Beitrag hier bei WordPress in meinem neuen Blog.

Ich musste mich erstmal eine ganze Weile hier einfummeln und einiges läuft auch noch nicht so ganz rund (zum Beispiel stürzt die Seite ständig ab, wenn ich versuche, neue Abos hinzuzufügen), aber zum Verfassen eines ersten Eintrags sollte es wohl reichen, hoffe ich.

Traditionsgemäß möchte ich zu Beginn dieses neuen Jahres anfangen mit der Bekanntgabe des Albums des Jahres 2017. Es handelt sich um

Bildergebnis für father john misty pure comedy

Father John Misty – Pure Comedy

Father John Misty, ehemaliges Mitglied der „Fleet Foxes“ habe ich tatsächlich vor einigen Jahren mal über das Tagebuch von Fundsachen kennengelernt, als er in der Show von Conan O’Brien aufgetreten ist. Seither habe ich seine Veröffentlichungen immer mit großer Freude verfolgt, bin im zurückliegenden Jahr aber wirklich schwer begeistert gewesen von „Pure Comedy“. Ein gigantomanisches Album über die Misere des Menschseins, verpackt in schöne Melodien, vorgetragen mit des Fathers wunderbarer, glasklarer Stimme und gemischt mit jeder Menge Hipstertum und gleichzeitiger Hipstertum-Verachtung.

Father John Misty reiht sich somit ein in eine mittlerweile schon recht lang gewordene Liste illustrer Kollegen meiner „Alben des Jahres“.

  • 2000: Red Hot Chili Peppers – Californication
  • 2001: John Frusciante – To record only water for ten days
  • 2002: Badly Drawn Boy – The hour of bewilderbeast
  • 2003: Peter Gabriel – Up!
  • 2004: The Dresden Dolls – The Dresden Dolls
  • 2005: Nick Cave & The Bad Seeds – Abattoir blues / The lyre of Orpheus
  • 2006: Bobby Conn – Bobby Conn
  • 2007: Badly Drawn Boy – Born in the U.K.
  • 2008: Get well soon – Rest now, weary head, you will get well soon
  • 2009: Antitainment – Nach der Kippe Pogo !?
  • 2010: Robert Forster – The evangelist
  • 2011: Christiane Rösinger – Songs of L. and Hate
  • 2012: The Gaslight Anthem – The ’59 sound
  • 2013: Paul Simon – Graceland
  • 2014: Marsimoto – Grüner Samt
  • 2015: Ja, Panik – Libertatia
  • 2016: Turbostaat – Abalonia
  • 2017: Father John Misty – Pure comedy

So, dann hoffe ich mal, dass das jetzt auch alles klappt mit dem Absenden des Eintrages.

Auf bald und hoffentlich viele weitere Niederschriften.

CU in Disneyland!