Vor Noch-nicht-Ex-Präsident Barack Obama!

Ein angenehm unaufgeregtes Wochenende neigt sich dem Ende zu. Zwischendurch sind die Temperaturen tatsächlich mal unter 30 Grad gesunken und man konnte es ganz gut aushalten und die Wohnung ist auch mal wieder etwas runtergekühlt. Heute Früh bin ich joggen gegangen und da war es regelrecht angenehm draußen.

Ansonsten war ich es ja in den vergangenen Wochen auch insbesondere auf der Arbeit gewohnt, regelrecht zu zerfließen und in meiner eigenen Schweißsuppe zu köcheln. Wir sitzen da in einem schönen Altbau und ich direkt unterm Dach und über den Tag heizt es sich da so richtig schön auf. Immerhin stellt unser Klinikum zur Zeit Gratis-Mineralwasser zur Verfügung, um das vorzeitige hitzebedingte Ableben seiner Mitarbeiter zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Habe auch jeden Tag drei Liter alleine auf der Arbeit getrunken, konnte abends meine grünen Kasacks auch nahezu auswringen. Da merkt man richtig, wie es auch oben in der Birne langsamer läuft, bei so einer Hitzeeinwirkung.

Darüber hinaus und abseits von der Arbeit und der superwarmen Wohnung ist das mit dem schönen Wetter zwischenzeitlich doch auch ganz erquicklich. Gerade abends haben meine Freundin und ich häufig lange Spaziergänge durch die Nachbarschaft gemacht (einmal haben wir dabei, er hat es ja in seinem Tagebuch auch schon berichtet, rabi getroffen und nett mit ihm geschnackt), mit nem Eis oder nem kühlen Getränk in der Hand. Ich bin seit einigen Wochen mal wieder recht sportlich aktiv und freue mich, dass ich viel draußen machen kann, gerade in den Abendstunden oder am Wochenende morgens, und nicht von schlechtem Wetter gestoppt werde. Nur an den krassesten Hitzetagen habe ich das dann auch nicht mehr durchgestanden.

Ansonsten habe ich an diesem Wochenende mal meinen neuen Laptop eingerichtet (vergangenes Wochenende hatte ich mir einen neuen gekauft, nachdem mein alter mittlerweile doch kaum mehr alltagsgebrauchsfähig war und spätestens beim Öffnen einer zweiten parallelen Anwendung konstant abzustürzen drohte) und alle relevanten Daten vom alten Laptop runtergezogen. Dabei dann auch mal wieder ein paar schöne Fotos aus vergangenen Urlauben wiederentdeckt und reichlich gute Musik. Und auch ein paar wichtigere Dinge in digital gespeicherter Form.

Kommendes Wochenende fahren wir zur Familie meiner Freundin, denn ihr Papa wird da seinen 50. Geburtstag feiern. Das wird zum Glück nur eine kleine Feier und kein megamäßig überbordendes Party-Event, also auch da alles ganz entspannt. Aber wir waren jetzt doch auch schon eine ganze Weile nicht mehr unten in der alten Heimat, das wird nun mal wieder Zeit.

Unter der Woche habe ich nach der Arbeit mal einen Spaziergang in die Stadt gemacht und bin dort im Plattenladen meines Vertrauens hängen geblieben und habe ausgiebig durch die Auslage gestöbert. Ein bisschen was ist dabei in meinem imaginären Einkaufswagen gelandet, unter anderem die neue „Erdmöbel“-Scheibe. Sperrige Texte in schönen musikalischen Gewändern, immer nah am Irrsinn taumelnd. Gefällt mir ganz gut.

Eine schöne neue Woche und einen kühlen Kopf wünsche ich euch!

CU in Disneyland!

 

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Heut‘ esse ich ein Canapé, und trinke eine Kanne Tee!

Heute Morgen werden wir Besuch von Studienfreunden von mir bekommen. Ein Pärchen mit Kind, die in den Sommerurlaub Richtung Nordseeküste unterwegs sind und dabei einen kleinen Abstecher zum Frühstück bei uns machen. Auch wenn es wohl nur ein Kurzbesuch wird, freue ich mich doch sehr darauf. Sind angenehme Leute und wir sehen uns ja ohnehin viel zu selten. Mal gucken, was es so Neues bei denen gibt.

Im September habe ich zwei Wochen Urlaub und davon eine Woche alleine, da plane ich ebenfalls, mal wieder in die alte Heimat zu fahren, um den dortigen Freundeskreis ein wenig abzuklappern. Ich muss nur schauen, dass ich den Terminplan nicht zu voll packe, damit es dabei noch ein wenig erholsam bleibt. Letztes Jahr im Dezember hatten meine Freundin und ich zwei Wochen gemeinsam Urlaub und hatten uns ein total straffes, im Halbtagesrhythmus getaktetes Programm aufgestellt, um möglichst viele Leute in der überschaubaren Zeit zu treffen und möglichst viele Aktivitäten unter einen Hut zu bringen. Im Endeffekt sind wir dann in der zweiten Urlaubshälfte beide krank gewesen und mussten das ganze Restprogramm abblassen, was ziemlich schade war. Aber eben auch zu der Erkenntnis geführt hat, dass man solche Planungen grundsätzlich ein wenig entspannter angehen sollte.

Meine Freundin und ich sind zur Zeit im „Game of thrones“-Fieber. Auslöser war, genau, dass meine Freundin dieses Jahr im Urlaub ganz begeistert die „Eragon“-Bücher verschlungen hat und ich dann dachte, dass wenn ihr das so gut gefällt, auch die Bücher aus Westeros etwas für sie sein könnten. Also hab ich ihr zum Geburtstag die „Game of thrones“-Bücher geschenkt und tatsächlich hat sie daran einen ziemlichen Narren gefressen und steckt jetzt schon im vierten Band. Ich hatte mal vor einiger Zeit mit der zugehörigen Fernsehserie angefangen und fand das auch recht gut gemacht, da ich aber zu unregelmäßig bzw. mit zu großem Abstand zwischen den einzelnen Folgen geschaut habe, war ich irgendwann in der zweiten Staffel dann schon überfordert und auch ein wenig genervt von den zahlreichen Schauplätzen und Handlungssträngen und hatte dann keine Lust mehr, weiter zu gucken. Jetzt hat es mich dann aber doch gereizt, auch nochmal in die Bücher reinzuschauen (den ersten Band hatte ich mal im zeitlichen Zusammenhang mit der Serie auf Englisch gelesen, aber das ist auch ne Weile her) und habe mich jetzt mittlerweile auch bis in den zweiten Band vorgearbeitet. Das ist schon alles ziemlich unterhaltsam geschrieben und wenn ich zwischendurch mal nachblättern kann, wer von den zahlreichen handelnden Charakteren dort nochmal wer war, dann fällt es mir auch leichter, die Übersicht zu wahren.

Vergangene Woche war ich bei einem Juwelier hier in Bremen und habe einen Ring gekauft, den ich in der näheren Zukunft meiner Freundin an den Finger zu stecken gedenke. Der Ring muss jetzt zwar erst noch geschmiedet werden („in den Feuern von Mordor“ – hahaha), aber sollte dann Ende des Monats fertig sein. Über das genaue Wann, Wie und Wo der entscheidenden Fragestellung bin ich mir noch nicht so ganz im Klaren, aber wenn der Ring schonmal da ist, bin ich diesbezüglich ja durchaus flexibel. Ich denke, dass ich sie schon noch in diesem Jahr fragen werde, ob sie meine Frau werden möchte. Denn zumindest darüber bin ich mir im Klaren: Dass ich den Rest des Weges mit ihr zusammen gehen möchte.

CU in Disneyland!

 

Ich denke, ich habe mich selbst überfordert!

Das Tagebuch-Jahr hatte doch recht ambitioniert und wortreich begonnen. Der kurzfristige Wechsel hier zu wordpress hatte dem ganzen „Projekt“ wieder neues Leben eingehaucht und ich hatte mich bereitwillig noch einmal hineingestürzt, bis dann im März das große Schweigen begann.

Wie schon im Titel gesagt: Ich denke, ich habe mich einfach selbst überfordert. In den ersten Monaten des Jahres habe ich fast meine gesamte Freizeit hier ins Tagebuch investiert, um die nach dem Neustart zunächst zahlreichen Beiträge der abonnierten Autorinnen und Autoren zu verfolgen, Kommentare zu verfassen, zu diskutieren und um auch selbst Einträge zu verfassen. Das hat mir ohne Frage großen Spaß gemacht, war aber eben auch mit einem beachtlichen zeitlichen Aufwand verbunden, den ich dann bald nicht mehr aufrechterhalten konnte.

Irgendwie bin ich da auch kein Mensch des gesunden Maßes. Ganz oder gar nicht, lautet bei mir häufig die Prämisse. Und so wurde aus dem anfänglichen „ganz und gar“ schließlich wieder ein „gar nicht“. Und so habe ich jetzt seit März hier nichts mehr geschrieben und nichts mehr gelesen. Was ich durchaus auch als schade empfinde, so manche Lebensgeschichte und manchen humorvollen Beitrag hätte ich doch gerne weiter verfolgt.

Aber meine Interessen sind vielfältig und stehen sich auch immer wieder gegenseitig im Weg. Ich mag meine Arbeit und bin dort noch immer ein Lernender und werde das auch sicherlich und hoffentlich noch eine ganze Weile bleiben, so dass ich mich auch in meiner Freizeit fortbilden will und fortbilden muss. Ich lerne eine Fremdsprache. Ich lese gerne, sowohl tagesaktuelle Presse als auch Belletristik. Ich höre und mache liebend gerne selbst Musik. Ich treibe Sport. Ich fahre zu Basketballspielen oder schaue sie mir im Fernsehen an. Ich liebe lange Spaziergänge in der Natur. Ich koche und esse gerne und mag mittlerweile auch den Aufwand, der damit verbunden sein kann. Ich liebe meine Freundin und verbringe gerne Zeit mit ihr. Ich versuche – mit mittelmäßigem Erfolg – mit meinen wenigen verbliebenen guten Freunden in Kontakt zu bleiben und ab und mich ab und an mit ihnen telefonisch oder per Mail auzutauschen. Und ich bin auch gerne faul und vertrödel einfach meine Zeit.

Das ist mitunter schwer unter einen Hut zu bekommen an einem Tag, der nur 24 Stunden hat. Mein Schlafbedürfnis hat sich in den letzten Jahren schon auf lediglich 5 bis 6 Stunden herunter gefahren, was ganz praktisch ist. Häufig kann ich auch am Wochenende – so wie heute – nicht länger als bis 6 Uhr schlafen und finde es dann auch blöd, mich hellwach noch im Bett rumzuwälzen, um dort die 3 bis 4 Stunden abzuwarten, bis meine Freundin wach wird.

Nun ist das alles nichts Ungewöhnliches oder Spektakuläres und ich will auch gar nicht über Gebühr rumjammern. Andere Leute haben auch vielfältige Hobbies und Freizeitbeschäftigungen. Deswegen meine Frage an euch: Wie kriegt ihr eure Interessen unter einen Hut? Was bleibt bei euch zeitlich auf der Strecke? Wofür würdet ihr gerne mehr und wofür weniger Zeit investieren?

CU in Disneyland!

Das Leben kommt von vorn!

Die letzten Einträge, die ich hier veröffnetlicht habe, sind allesamt im Voraus geschrieben und zur späteren Veröffentlichung geplant gewesen. Echt eine ziemlich gute Sache! So habe ich da an einem Wochenende fünf Einträge auf einmal geschrieben, die dann unter der Woche nach und nach hier erschienen sind.

In den vergangenen zwei Wochen hatte mich dann aber der Alltag voll und ganz wieder und ich bin hier zu gar nichts gekommen, weder zum Schreiben, noch zum Lesen. Zumindest unter der Woche war da nichts zu machen.

Dafür habe ich das vergangene Wochenende – während meine Freundin auf einer Fortbildung war – dazu genutzt, mir massenweise die als „Bester Film“ Oscar-nominierten Filme im Kino anzuschauen. Ein kleiner cineastischer Ausgleich, wo ich es doch in diesem Jahr schon wieder nicht auf die Berlinale geschafft habe.

Gesehen habe ich:

Bildergebnis für three billboards outside ebbing missouri filmplakat Three billboards outside Ebbing, Missouri

Eine äußerst schwarzhumorige Tragikkomödie, in der eine Mutter, deren Tochter umgebracht worden ist, drei Werbetafeln am Ortseingang ihres Städtchens anmietet und darauf den Umstand anprangert, dass die Täter immer noch nicht durch die Polizei ermittelt und gefasst worden sind. Das setzt in dem titelgebenden Ort eine ganze Reihe unwahrscheinlicher Ereignisse in Gang und am Ende ist nichts mehr wie zuvor. Das Erstaunliche an diesem Film ist, dass er eigentlich ernste Dinge behandelt (Polizeigewalt, Rassismus, sexuelle Gewalt), dabei aber unheimlich leichtfüßig und amüsant daher kommt. Gerade dieser ständige Wechsel aus ernsten und unfassbar komischen Szenen macht ihn außergewöhnlich. Erinnert ein wenig an die frühen Werke der Coen-Brüder, so ein wenig im „Fargo“-Stil, nicht zuletzt natürlich auch wegen der großartigen Hauptdarstellerin Frances McDormand, die wohl gute Chancen auf den Oscar haben dürfte. Natürlich ist das Drehbuch des Films äußerst hanebüchen und für einen guten Gag wird hier jegliche inhaltliche Stringenz über Bord geworfen, was sicherlich auch zurecht kritisiert worden ist. Und dennoch steckt am Ende wohl ein wahrer Kern in diesem Film, der insbesondere im Amerika unter Trump dringlicher als jemals zuvor ist, nämlich dass irgendwann jemand anfangen muss, den Teufelskreis aus Hass und Irrsinn und noch mehr Hass und noch mehr Irrsinn zu durchbrechen, wenn nicht alles den Bach runtergehen soll.

8/10 Oscarstatuetten

Bildergebnis für der seidene faden filmplakat Der seidene Faden

In diesem Film geht es um einen manischen (um nicht zu sagen: vollkommen psychopathischen) Modeschöpfer und seine junge Muse. Ja, und eigentlich ist der Film damit auch schon vollumfänglich zusammengefasst. Denn einen wirklichen Spannungsbogen gibt es nicht. Leute kommen und gehen und lassen sich vom Modezar einkleiden. Das Modegenie, dessen gestrenge Schwester und des Künstlers junge Muse leben zusammen und streiten sich und verzweifeln an den „Eigenarten“ des Großkünstlers. Paul Thomas Anderson hat in seinen frühen Jahren einige sehr beachtenswerte Filme gedreht wie „Boogie Nights“, „Magnolia“, den von mir kultisch verehrten „Punch-Drunk Love“ und mit Abstrichen auch noch „There will be blood“. Zuletzt sind seine Filme aber immer ungenießbarer geworden. Natürlich kann man von den schwelgerischen Bildern und Interieurs von „Der seidene Faden“ schwärmen. Oder von Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle, der einmal mehr vollkommen darin aufgeht und diesen armen Irren nicht nur spielt, sondern voll und ganz zu ihm wird (der Mann ist für mich ein Phänomen, denn ich habe immer das Gefühl, gar nicht zu wissen, wie er im echten Leben eigentlich aussieht oder geht oder redet, weil er in jedem seiner Filme so vollkommen anders daherkommt). Vielleicht kann man dem Film auch noch mehr abgewinnen, wenn man sich einen Hauch für Mode interessiert, was bei mir nunmal nicht der Fall ist. Ansonsten ist er halt einfach ziemlich langatmig und langweilig und ein wenig Handlung hätte ihm ganz und gar nicht geschadet.

3/10 Oscarstatuetten

Bildergebnis für die verlegerin filmplakat Die Verlegerin

Meryl Streep als Verlegerin der Washington Post, die – durch den Tod ihres Mannes eher unfreiwillig auf ihren Posten gelangt – zusammen mit Chefredakteur Tom Hanks die Entscheidung treffen muss, geheime Regierungsdokumente in ihrem Blatt zu veröffentlichen, die jahrzehntelangen Lug und Trug bezüglich des Vietnam-Krieges aufdecken, gleichzeitig aber den Untergang ihres Blattes durch eine zürnende Regierung Nixon bedeuten könnten. Das ist spannend erzählt und gut gespielt und in der heutigen Zeit, in der der amerikanische Präsident Journalisten als „Feinde“ bezeichnet, überall auf der Welt Journalisten wegen ihrer Arbeit verfolgt, eingesperrt oder umgebracht werden und in der auch bei uns der Chor der Blöden immer lauter „Lügenpresse“ skandiert, relevanter denn je. Auf der anderen Seite ist es auch sehr konventionelles Hollywood-Kino, ein Film ohne inhaltliche oder formelle Besonderheiten, die übliche David-gegen-Goliath-Story, kurz: Ein ganz klassischer Steven Spielberg Film. Überraschungsfreies Feelgood-Kino für die geschundenen Seelen des liberalen Bürgertums.

6/10 Oscarstatuetten

Bildergebnis für die dunkelste stunde filmplakat Die dunkelste Stunde

Ich mag ja solche Filme nicht, in denen berühmte Schauspieler – in diesem Fall Gary Oldman – in absurde Kostümierungen und Masken gesteckt werden, um sie wie berühmte historische Persönlichkeiten – in diesem Fall Winston Churchill – aussehen zu lassen. Wie viel schaupielerische Leistung kann man unter all dem Make-Up überhaupt noch erkennen? Warum nimmt man für solche Rollen nicht Schauspieler, die in etwa in Sachen Statur, Alter und Gesichtszügen gewisse Ähnlichkeiten mit dem historischen Vorbild aufweisen, anstatt einen ganz und gar andersartigen, ohne Frage großartigen Schauspieler vollkommen bis zur Unkenntlichkeit umzustylen? Als besonders absurdes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist mir dabei Leonardo DiCaprios Darstellung von FBI-Chef J. Edgar Hoover in Erinnerung geblieben, wo die Kostümierung derart groteske Züge annahm, dass ich den Film einfach nicht mehr ernst nehmen konnte. Ganz so schlimm kam es dann in „Die dunkelste Stunde“ zum Glück nicht und auch der Film selbst, in dem es um den Beginn der Regierungszeit von Winston Churchill und die Zeit um die Schlacht von Dünkirchen geht, ist über weite Strecken spannend und gut erzählt und weist einige nette Einfälle auf (zum Beispiel eine Fahrt Churchills mit der öffentlichen U-Bahn, bei der er dem „gemeinen Volk“ aufs Maul schaut, um sich ein Stimmungsbild zu bilden, das er in seinen abgeschotteten Regierungskreisen ansonsten nicht mehr unverfälscht bekommt – vermutlich keine historisch verbürgte Episode sondern ein netter Drehbuch-Einfall…).

6/10 Oscar-Statuetten

Bereits früher hatte ich gesehen:

Bildergebnis für get out filmplakat Get out

Eine fiese kleine Horrorkomödie, die aus den Motiven des alltäglichen unterschwelligen und des offensichtlichen strukturellen Rassismus und des insbesondere wohl in den USA sehr ausgeprägten „Weiße-gegen-Schwarze“-Clash eine recht absurde Horrormär um weiße Sklaventreiber und schwarze Voodoo-Sklaven strickt. Allerdings ist der Film eher wegen seines kreativen Ansatzes und weniger wegen seiner recht konventionellen Umsetzung als überwiegend gelungen zu bezeichnen. Für einen richtigen Horrorfilm zu wenig gruselig und spannend, für eine richtige Komödie zu wenig lustig, für ein echtes Drama zu absurd. Dennoch ein interessanter Hybrid-Film, der vielleicht ein wenig zu arg gehypt worden ist, dessen gesellschaftliche Brisanz zumindest in den USA ich mir aber durchaus vorstellen kann.

5/10 Oscarstatuetten

Bildergebnis für dunkirk filmplakat Dunkirk

Interessanterweise der zweite Oscar-nominierte Film, der sich mit der Schlacht um Dünkirchen befasst, diesmal jedoch nicht aus der politischen Perpektive der Entscheidungsträger, sondern unmittelbar vom Schlachtfeld. Christopher Nolans Umsetzung in Parallelmontagen aus der Luft, zu Wasser und auf dem Land, erzeugt in der Tat eine sogartige Unmittelbarkeit. Gut möglich, dass der niederländische Kameramann Hoyte van Hoytema für diesen Film den Cinematography-Oscar zugesprochen bekommt. Die Geschichte (im doppelten Sinne) ist auch tatsächlich ziemlich bewegend, die Evakuierung der verloren geglaubten britischen Armee von der nordfranzösischen Küste mit Privatbooten. Abseits der – wie immer bei Nolan – formell großartigen Umsetzung, ist es aber unterm Strich doch bloß ein Kriegsfilm mit dem üblichen Pathos, der üblichen Heroisierung des Kämpfens und dem schalen Beigschmack der Kriegsverherrlichung. Insgesamt für mich einer der schwächeren Filme von Christopher Nolan, was konsequent ungerechterweise aber in meiner Abneigung gegenüber Kriegsfilmen begründet liegt und weniger in der Inszenierung.

5/10 Oscarstatuetten

An diesem Wochenende werde ich mir – während meine Freundin Spätdienst hat – noch die Filme „Call me by your name“ und „The shape of water“ ansehen und dann habe ich tatsächlich 8 der 9 nominierten Oscar-Filme gesehen (lediglich „Lady Bird“ fehlt dann noch, der startet bei uns aber erst im April in den Kinos und aus den Zeiten, mir das in irgendwelchen dunklen Internet-Kanälen vorab reinzuziehen, bin ich irgendwie raus). Dann kann ich also in der Nacht von Sonntag auf Montag bestens informiert und vorbereitet in die Oscar-Nacht gehen und darauf hoffen, dass auch im „MeToo“-Jahr noch ein bisschen vertrauter Hollywood-feiert-sich-selbst-Anachronismus zelebriert wird.

CU in Disneyland!

Der coolste Affe im Duschgel!

An diesem Wochenende fahren wir runter in die alte Heimat, denn die Großmutter meiner Freundin feiert ihren 80sten Geburtstag. Das wird wohl eine große Sause mit reichlich Verwandtschaft und Bekanntschaft aus Nah und Fern. Traditionell auch immer mit sehr gutem Essen (vor einiger Zeit waren wir schonmal auf der Goldhochzeits-Feier der Oma und von dem Essen wird heute noch geschwärmt).

Am Wochenende werde ich daher wohl nicht zum Schreiben kommen, aber in das Wochenende möchte ich euch noch mit einem kleinen Ständchen entlassen:

 

CU in Disneyland!

Harter Schanker, weicher Schanker, Ravi Shankar!

Kürzlich bin ich beim Musikhören einmal mehr bei der „grim104„-EP hängen geblieben. Ich bin jedes Mal wieder aufs Neue erstaunt, was das für eine unglaublich gelungene Scheibe ist. Für mich der beste deutschsprachige Hip-Hop-Release in den vergangenen 5 Jahren!

 

Gut gemachter deutschsprachiger Hip-Hop mit textlichem Anspruch, wo findet man das heute schon noch so wirklich?

Alleine so Textzeilen wie

„Meine Eltern kommen aus Westdeutschland – Terror, Schleyer, Landshut,

ich krieg nur die Reste ab – Lena Meyer-Landrut“

oder

„Doch nach jedem 1. Mai, an dem ich Steine auf die Schweine warf,

kam ein 2. Mai – geil – Kindergeld vom Schweinestaat“

begeistern mich bei jedem Hören aufs Neue.

Demgegenüber bin ich immer wieder enttäuscht, wie schwach dann die Releases von „Zugezogen Maskulin„, dem Hip-Hop-Duo, von dem grim104 die eine Hälfte bildet, sind. Hoffentlich macht der gute grim104 noch mal ein Soloalbum in der näheren Zukunft, mich würde es freuen!

 

CU in Disneyland!

Ich verließ meine Heimat, die Musik-Stadt!

Im Sommer 2016 habe ich auf der Hochzeit von Miss G und Mister Jo, zwei sehr guten Studien-Freunden von mir, Musik gemacht. Die Beiden hatten sich das gewünscht und durch den Hochzeits-Marathon in meinem Freundeskreis in den vergangenen Jahren war ich darin mittlerweile schon gut erprobt und habe gerne zugesagt. Besonders gefreut hat mich, dass im Vorfeld die Schwester des Bräutigams, mit der wir auch schonmal gemeinsam im Urlaub waren, auf mich zukam und mich fragte, ob wir nicht gemeinsam was auf die Beine stellen wollten. Sie würde gerne, wenngleich untrainiert singen, bislang nur für sich alleine, aber für ihren geliebten Bruder wollte sie mal über ihren Schatten springen und sich und ihre Stimme der Öffentlichkeit präsentieren.

Wir haben uns dann zusammen hingesetzt und Songs ausgewählt, welche die beiden Brautleute sehr gerne mögen, unter anderem diesen hier:

Wir haben uns im Vorfeld nur zweimal zum Proben treffen können, an der ein oder anderen Stelle hat es sicherlich auch noch ein wenig gerumpelt, aber insgesamt hat mir das echt Freude bereitet. Ich finde auch, dass wir da stimmlich sehr gut harmoniert haben. Die zwischendurch über die Aufnahme mitsingende Stimme gehört übrigens meiner Freundin, die das Bootleg-Video hier auch heimlich mitgedreht hat. ^^

Irgendwie habe ich immer ein bisschen davon geträumt, so eine Zwei-Personen-Kapelle aufzumachen mit einer Mitspielerin, die ebenfalls singen und Gitarre spielen könnte. Zwei Stimmen, zwei Gitarren – mehr braucht es doch gar nicht, um was Gutes hinzubekommen. Dem kam dieser kleine Hochzeits-Auftritt ja schon verhältnismäßig nahe.

Leider ist zwischenzeitlich weder aus weiteren gemeinsamen Urlauben noch aus weiterer gemeinsamer Musik etwas geworden. Miss G und Mister Jo haben 2017 Nachwuchs in die Welt gesetzt, so dass aus dem in den sechs vorangegangen Jahren gesetzten gemeinsamen Sommerurlaub nichts wurde. Mister Jos Schwester und ihr langjähriger Freund (die 2015 und 2016 auch mit uns im Urlaub waren) haben sich 2017 überraschend getrennt und Mister Jos Schwester ist darüber hinaus schwer depressiv geworden (bzw. war es auch schon vorher, aber durch die Trennung wohl akut aggraviert) und hat Monate in stationärer psychiatrischer Therapie verbracht und gewöhnt sich gerade erst wieder allmählich in das Alltagsleben ein. Glücklicherweise hat sie eine tolle Familie (inklusive ihres Bruders), in der sie alle nach Kräften unterstützen und sie aufgefangen haben. Auch ich habe mich bemüht, regelmäßig immer mal wieder von mir hören zu lassen und habe ab und zu mal nette Worte oder einen musikalischen Gruß vorbei geschickt. Ich habe 2013 schon einen guten Freund an die Depressionen verloren und bin nicht bereit, dieser beschissenen Saukrankheit noch einen Millimeter mehr als unbedingt nötig einzuräumen.

CU in Disneyland!

Gesichter des Krieges!

An meine Grundschulzeit kann ich mich eigentlich nur sehr schemenhaft erinnern. Ich weiß, dass wir damals bestimmte Dinge im Rahmen des Unterrichts besprochen haben und dass bestimmte Aktivitäten und Ausflüge stattfanden, aber wirklich konkret daran erinnern, also wie es gewesen ist, in der jeweiligen Situation zu sein, kann ich mich nicht. Es gibt eine Ausnahme, einen Unterrichtstag, an den ich mich noch sehr genau erinnere.

Es war ein Tag im Mai 1995, ich war 9 Jahre alt und ging in die dritte Schulklasse und an diesem Tag bin ich gedanklich zum ersten Mal bewusst dem zweiten Weltkrieg begegnet. Unsere Klassenlehrerin hatte in der Mitte des Klassenraums ein paar Tische zu einem Rechteck zusammengeschoben, so dass sich alle Schülerinnen und Schüler darum versammeln konnten mit einem gleichermaßen guten Blick auf die Tischmitte. In eben jener Tischmitte lag ein einzelnes Bild, das einen weinenden Jungen in einer Uniform mit einem zu groß wirkenden Übermantel zeigte.

Der Wahnsinn des Krieges: Der Kindersoldat Hans-Georg Henke, fotografiert von John Florea in Hüttenberg-Rechtenbach.	(Getty Images)

(Quelle: https://www.giessener-allgemeine.de/import/mdv/hessen/art887,82573)

Wir Schüler sollten nun unsere Gedanken zu diesem Bild äußern. Dass es dem Jungen da auf dem Bild augenscheinlich nicht gut ging, war uns allen relativ schnell klar. Und dass es sich um ein älteres Bild handeln musste. Der militärische Kontext fiel uns zunächst, unverdorben wie wir damals noch waren, gar nicht so sehr ins Auge.

Jener Schultag damals war der 50. Jahrestag des Endes der zweiten Weltkriegs (in Europa). Das Bild, so informierte uns unsere Klassenlehrerin, sei gegen Ende des Krieges entstanden, als junge Leute noch zum Kämpfen eingezogen worden waren, zum Teil gar nicht sehr viel älter als wir selbst.

Die Angst und Verzweiflung, die aus dem Gesicht dieses Jungens spricht, haben wir damals ausführlich thematisiert, all das, was er in der damaligen Situation empfunden haben mag. Mir sind diese Unterrichtsstunde, dieses Bild und die damit verbundenen Emotionen über all die Jahre stets sehr prägend im Gedächtnis geblieben.

Wenn ich aus heutiger Sicht darüber nachdenke, dann empfinde ich den Ansatz meiner damaligen Klassenlehrerin als didaktisch äußerst gelungen. Sie hätte sich ja auch an die Tafel stellen und ein paar Jahreszahlen anschreiben können und auf diese Weise ein Gespräch über den zweiten Weltkrieg und sein sich zum 50. Mal jährendes Ende anfangen können. Aber das hätte sicherlich nicht den gleichen Effekt gehabt und ich hätte heute keinen Tagebucheintrag über meine Erinnerung an diesen denkwürdigen Unterrichtstag geschrieben.

Ich habe immer große Dankbarkeit dafür empfunden, niemals in der Situation des Jungen auf dem Bild gesteckt haben zu müssen, dass ich, was für tausende Generationen vor mir überhaupt nicht denkbar war, frei von kriegerischen Konflikten aufwachsen konnte, frei von der Angst herabfallender Bomben oder umherfliegender Projektile.

Im Grunde braucht es nicht mehr als den Blick in das Gesicht dieses Jungen auf dem Bild, um zum Pazifisten zu werden.

CU in Disneyland!

Wir bestaunten den aufblitzenden Klang der Freiheit!

Die vergangene Woche war auf der Arbeit ziemlich anstrengend, wir hatten viel zu tun. Zu einem großen Teil lag es sicherlich daran, dass der Chef im Urlaub war, das merkt man dann schon immer ziemlich deutlich. Alle rücken dann gefühlt eine Position höher, unsere leitende Oberärztin wird zur Chefin, die normalen Oberärzte werden zu leitenden Oberärzten, die Fachärzte werden zu Oberärzten und die Assistenten zu Fachärzten. Ich merke es darüber hinaus sowieso allmählich, dass sich meine Assistenzarztzeit auf die Zielgerade zu bewegt. Die Aufgaben und Anforderungen werden mehr und variabler und es gibt kaum noch ein Gebiet, vor dem ich „sicher“ wäre. Das ist bisweilen anstrengend, aber häufig auch recht schön, wenn ich feststellen kann, dass ich das alles trotz der wachsenden Anforderungen noch ziemlich gut hinbekomme. In dieser Woche nur leider nicht immer innerhalb der Kernarbeitszeiten, dafür war es dann einfach zu viel. Gefühlt habe ich jeden Tag ein Konsil an andere Referenz-Pathologien für die jeweiligen Fachgebiete weggeschickt, weil wir bei einzelnen Fällen nicht weitergekommen sind. Ich finde das eigentlich gut, dass wir das machen, dass wir uns also ab einem bestimmten Punkt eingestehen, nicht weiterzuwissen und nicht genügend eigene Expertise zu haben, um bestimmte spezielle Fragestellungen suffizient beantworten zu können. Dafür gibt es ja auf jedem Gebiet ausgewiesene Experten, an die man sich mit kniffligen Fällen mal wenden kann.  Man lernt ja dann auch immer was dazu, wenn die Antwort der Experten zurück kommt. Und bisweilen kommen nicht mal die Experten mehr aufschlussreich weiter, was für uns dann immerhin die beruhigende Bestätigung ist, dass es sich tatsächlich um einen komplizierten Fall gehandelt hat. In Bochum haben wir fast nie solche Konsile weggeschickt, denn nach der dort vorherrschenden Meinung hätte das ja Schwäche dargestellt und somit für eine negative Außenwirkung gesorgt. Da hat man sich dann lieber einen halbgaren Befund zusammenkonfabuliert (frei nach dem Motto: „Machen wir eine konsistente Geschichte draus!“), anstatt sich eine auswärtige Expertise einzuholen.

Ansonsten hatte ich in dieser Woche auch ein wenig Pech mit meinen Sonderaufgaben. Am Dienstagnachmittag war ich in den Schnellschnitten eingeteilt und während das üblicherweise nachmittags eher gemütlich abläuft, wurden an diesem Nachmittag noch 9, zum Teil aufwändige Schnellechnitte eingesandt, die mich dann vollumfänglich beschäftigt haben, so dass ich daneben kaum mehr zu meiner Kernarbeit kam. Für den Dienstagabend hatte ich uns Assistenzärzten zudem eine Fortbildungsveranstaltung in der „Molekularpathologie“ organisiert, die einen immer größeren Anteil in unserer Arbeitsrealität einnimmt, mit der wir aber im Assistenten-Alltag nur wenige Berührungspunkte haben, die gleichwohl aber berechtigterweise auch Prüfungsinhalt in der Facharztprüfung sein könnte. Bin ein bisschen stolz darauf, dass ich unsere promovierte Biologin im Haus dazu becirct habe, für uns Assistenten nach der Arbeit noch eine Fortbildung zu veranstalten, damit wir auch mal ein paar Einblicke in diesen Arbeitsbereich bekommen. Wir wollen jetzt sogar in losen Abständen eine kleine Fortbildungsreihe daraus machen, um uns mal durch die relevanten Themen gemeinsam durchzuarbeiten. Und so erfreulich und sinnvoll das alles ist, aber am Horrordienstag nach dem etwas eskalierten Arbeitstag war das doch ziemlich anstrengend, zumal ich dann nach der Fortbildung nochmal zurück ans Mikroskop musste, um bis in die Puppen noch meinen Schreibtisch sauber zu arbeiten.

Und wie das dann immer so ist: Viel Arbeit zieht viel Arbeit nach sich. Die Schnellschnitte vom Dienstag haben mich dann an den nächsten Tagen noch ausgiebig begleitet (im weiteren Zuschnitt und später unterm Mikroskop), zudem hatte ich von Mittwoch auf Donnerstag wieder Titty-Tag und da kamen unfassbar viele Präparate an, so dass ich am gestrigen Freitag mehr als reichlich zu befunden hatte, netterweise aber auch kollegiale Unterstützung bekam und mir ein paar Fälle abgenommen wurden. Immerhin waren auch ein paar interessante Dinge dabei, die den hohen Arbeitsaufwand dann wiederum auch in eine rentable Situation für mich verkehrt haben. So hatte ich zum Beispiel einen äußerst seltenen Brusttumor dabei, der üblicherweise in Speicheldrüsen zu finden ist, aber ganz selten eben auch mal in der Brust (Drüse ist Drüse…). Laut WHO-Klassifikation soll der nur etwa einen von 1000 Brustkrebsfällen ausmachen. Hatte ich noch nie gesehen, und dennoch hab ich dieses spezielle Wuchsmuster erkannt und hab mich dann darüber gefreut, mal so etwas Besonderes in mein Gesichtsfeld bekommen zu haben (im Übrigen ist die womöglich etwas merkwürdig anmutende „Freude“ in diesem Zusammenhang gar nicht so zynisch, wie es zunächst scheinen mag, weil dieser spezielle Tumor tatsächlich eine exzellente Prognose hat und sich somit aus dem Gesamtkollektiv der Brustkrebsarten positiv heraushebt).

Naja, auf jeden Fall war ich dann doch froh, als der Freitag und somit auch die anstrengende Arbeitswoche rum war und ich endlich ins Wochenende gehen konnte.

Was war sonst noch so los die Woche? Dienstagabend war ich dann total abgekämpft noch beim Türkischkurs und habe gefühlt dort nix mehr mitbekommen. Am Donnerstagabend war ich beim Frisör und habe mir dort tatsächlich so etwas wie eine Frisur verpassen lassen (gefühlt habe ich ja die letzten Jahre immer nur die Radikalversion von „Einmal mit der Maschine über die Rübe“, in variabler Länge zwischen 6 und 12 mm, gewählt, was unkompliziert und pflegeleicht war. Habe ich in diesem Zusammenhang eigentlich mal die Geschichte erzählt, wie ich irgendwann 2016 einmal auf die Idee kam, das doch auch selbst machen zu können mit der Haarschneidemaschine und das so derart in die Hose gegangen bzw. krumm und schief geworden ist, dass am Ende nur noch die Option „Glatze rasieren“ blieb…?)

Gestern Abend war ich, gemessen am Grad meiner Ermüdung, deutlich zu spät im Bett, wollte mir aber unbedingt noch das Basketballspiel der Bamberger in Istanbul anschauen und im Anschluss das neue „MGMT“-Album ersthören (erster Eindruck leider gar nicht so positiv).

Bildergebnis für mgmt little dark age

(Von dem ultra-hässlichen Cover wollen wir darüber hinaus mal gar nicht sprechen…)

Habe mich beim Musikhören dann zudem dabei ertappt, wie ich am Laptop Verlobungsringe gegoogelt habe, noch nicht konkret suchend, aber doch perspektivisch planend. Scheiße, ich werde jetzt allmählich so richtig spießig! 😉

Ich habe dann nachts auch gar nicht so gut geschlafen (was ich jetzt aber nicht unbedingt auf die Geschichte mit den Verlobungsringen zurückführe, aber wer weiß, das Unterbewusstsein ist ein tiefer, dunkler Graben…), meine Freundin musste Samstag zudem zum Frühdienst und deswegen viertel vor 5 aufstehen, wobei ich dann auch wach geworden und im Anschluss nicht mehr eingeschlafen bin. Dementsprechend war der Samstag ein ziemlich rammdösiger und träger Tag. Immerhin habe ich uns eine sehr leckere und übertrieben üppige Gyros-Pfanne zum Mittagessen gezaubert, mit reichlich Zwiebeln und Tsatsiki, so dass die Bude hier den restlichen Tag gefühlt gestunken hat wie bei Costas‘ Mykonos-Grill um die Ecke.

Samstagvormittag hatte ich mir noch den Film „Personal Shopper“ angeschaut (soviel zum Thema „Filme mit Kristen Stewart gucke ich mir nicht an…^^).

Bildergebnis für personal shopper

Meine Schwester hatte ihn mir ausgeliehen, als Film aus der Kategorie „Merkwürdig, aber meinem Bruder mit seinem komischen Filmgeschmack gefällt der Quark bestimmt“. Naja, bedingt, muss ich sagen, schon ein ziemlich merkwürdiges Ding. Kristen Stewart spielt hier eine Frau, die für ein jetsettendes Topmodel die teuren Schickimicki-Boutiquen-Einkäufe erledigt und nebenbei als „Medium“ auf der Suche nach dem Geist ihres verstorbenen Zwillingsbruders durch eine verlassene alte Villa läuft. Dann gibt es noch eine unmotiviert eingeflochtene Kriminalgeschichte und fertig ist der frisch durchgerührte Esoterik-Quatsch. Naja, ganz so übel war’s auch nicht, aber unterm Strich bleibt nach recht zähen 105 Spielminuten, von denen man die Hälfte der Zeit Kristen Stewart beim Tippen von Textnachrichten auf ihrem Handy zuschaut, die große Frage: „Was wollte uns der Autor sagen?“ (bzw. „Der Vorhang zu und alle Fragen offen“).

CU in Disneyland!

Gingers Karriere in der Politik!

Ist nicht diese ganze Dramödie um die Neuauflage der „großen Koalition“ derzeit ein Paradebeispiel dafür, warum sich immer mehr Leute von der Politik und den sogenannten „großen Parteien“ abwenden!? Ich weiß noch, wie ich im vergangenen September, einige Wochen vor der Bundestagswahl, auf meinem Nachhauseweg von der Arbeit eine Weile an einer roten Ampel warten musste und dort Aug in Aug mit einem mannshohen, lebensgroßen Martin Schulz-Wahlplakat stand. Und wie ich da also so wartete und den Herrn Schulz betrachtete mit seinem zerzauselten Bart, der Halbglatze und der schief sitzenden Brille, da dachte ich so bei mir „Unfassbar, dass dieser Mann vor gerade mal einem halben Jahr noch als der politische Messias gefeiert wurde und man sich von diesem Polit-Bürokraten mit der Ausstrahlung eines zweiten Vorsitzenden des Philatelisten-Vereins Würselen-Schünkrade einen politischen Ruck erhofft hatte“. Da wurde mir schlagartig klar, wie hoffnungslos die politische Lage in diesem Land zwischenzeitlich geworden ist.

Gut, was ich da beschreibe, das sind ja zunächst einmal nur Äußerlichkeiten, aber auch inhaltlich wird es ja nicht besser. Eine wesentlich katastrophalere Außenwirkung als Martin Schulz hätte man ja kaum zustande bringen können, den formvollendeten politischen Opportunismus, das fleischgewordene Fähnlein im Winde. Erst sagen, man ginge auf jeden Fall in die Opposition, weil dies der „Wählerwille“ sei, einige Zeit später dann doch in Sondierungen mit schließlich zu Ende gebrachten Koalitionsverhandlungen eintreten, unter der Prämisse, in einem „Kabinett Merkel“ aber auf keinen Fall Minister zu werden, um kurze Zeit später den Parteivorsitz an „Auf die Fresse“-Funkenmariechen Andrea Nahles abzutreten, um dann plötzlich doch Außenminister werden zu wollen um dann beim ersten Anflug von (erwartbarem) Gegenwind wiederum erneut einzuknicken und dann gleich alles hinzuschmeißen. Spätestens seit der „Agenda 2010“ hat die SPD ja eigentlich ohnehin ihre Daseinsberechtigung verloren und siecht seither halbtot vor sich hin, aber einen besseren Sterbehelfer und Totengräber in einer Person als Martin Schulz hätten sich die Genossen kaum aussuchen können, um das hehre Projekt der Sozialdemokratie endgültig zu Grabe zu tragen.

 

Soweit zum Allgemeinen, nun zum Speziellen. Ich selbst war von 2013 bis 2017 Mitglied in der Partei „Die LINKE“, nachdem ich in einem initialen Anflug von naivem Optimismus zu der Ansicht gelangt war, mich politisch positionieren und betätigen zu müssen. Im Kontext mit der Bundestagswahl 2013 hatte ich mich relativ ausgiebig mit Parteiprogrammen und -positionen auseinandergesetzt und war dabei zu der für mich zu jenem Zeitpunkt recht überraschenden Erkenntnis gelangt, dass etwa 80% der Thesen, die die LINKEN in ihrem Parteiprogramm niedergeschrieben hatten, mit meinen eigenen Ansichten übereinstimmten – der mit deutlichem Abstand höchste Übereinstimmungswert, den ich bei den verschiedenen politischen Parteien, mit denen ich mich auseinandergesetzt hatte, feststellen konnte. Zudem hatte ich um diese Zeit einige Bücher von Sahra Wagenknecht gelesen, die zwar zum Teil etwas ätzig geschrieben waren, die ich von den gedanklichen Konstrukten her aber ziemlich überzeugend fand.

So habe ich relativ kurz nach der Bundestagswahl 2013, bei der die LINKE zwar ein achtbares, aber kein überragendes Ergebnis einfuhr, einen Mitgliedsantrag ausgefüllt und bin dann tatsächlich Parteimitglied geworden. Wenngleich mir schon klar war, dass ich nichts Großes da würde reißen können, so wollte ich die mir sympathischen Ideen doch zumindest finanziell mit meinen monatlich nicht zu knapp abzudrückenden Mitgliedsbeiträgen unterstützen.

Meinen Eltern hat das im Übrigen ziemlich das Herz gebrochen, denn die kommen aus der früheren DDR und halten die LINKE noch immer für die Nachfolgepartei der SED, unter deren politischer Linie und Umsetzung eben dieser Linie meine Eltern doch konkret ziemlich zu leiden hatten (wobei mein Vater das in einem alterssenilen Anflug von Geschichtsrevionismus mittlerweile alles gar nicht mehr so schlimm findet, eigentlich war das doch alles ziemlich toll damals – das hatte sich merkwürdigerweise vor ein paar Jahren noch ganz anders angehört).

Anfang 2014, kurz nach meinem Umzug nach Bochum, bin ich einmalig zu einer Versammlung des dortigen Ortsvereins der PARTEI gegangen und war aufrichtig schockiert über die Art und Weise, wie dort mehr gescheiterte als gescheite Leute auf semi-freundliche Weise miteinander umgingen und wie man es nicht hinbekam, halbwegs stringent eine Tagesordnung abzuarbeiten, ohne sich bei jedem noch so nichtigen Punkt in irgendwelchen Flügel-Grabenkämpfen und theoretischen Konstrukten zu verzetteln (auch wenn es nur darum ging, wer in zwei Wochen zwischen 15 und 16 Uhr den Infostand vorm REWE-Markt an der Schlöppmannstraße besetzen sollte). Von der im Parteiprogramm propagierten Menschenfreundlichkeit war da auf jeden Fall wenig zu spüren.

So gelangte ich relativ rasch zu der Erkenntnis, dass die Untiefen der stümperhaft umgesetzten Lokalpolitik wohl doch eher nichts für mich wären und hielt mich fortan von solchen Veranstaltungen fern und betrachtete die lokalen und überregionalen Entwicklungen aus der Ferne und gab mich mit der Rolle des finanziell Unterstützenden (des Mäzens…) zufrieden.

Zunehmend auf den Senkel gingen mir darüber hinaus die Überhand nehmenden Solidaritätsbekundungen mit allen möglichen Volksgruppen, Solidarität mit Palästina (auch so ein heißes Thema; an der Haltung zu Israel kann man die Linken an sich ja schon in mindestens 7 Untergruppen einteilen – aber dieses Fass mag ich jetzt nicht weiter öffnen), Solidarität mit den Jesiden, Solidarität mit den Kurden und so weiter und so fort. Alles schön und gut, aber bei all den freudig und vollkehlig vorgetragenen Solidaritätsbekundungen wurde mir nie so ganz klar, was das jetzt unbedingt alles mit unseren Problemen hier zu tun hat (sprich: Was hat der Kurde von meiner Solidarität, wenn ich es selbst nicht mal hinkriege, einen Infostand am REWE-Markt in der Schlöppmannstraße zu organisieren?).

Als eine Leitfigur innerhalb der LINKEN sehe ich tatsächlich Sahra Wagenknecht an, die ich für belesen, intelligent und kompetent halte. Innerhalb der Partei ist sie allerdings ziemlich umstritten, was in den vergangenen Jahren sogar noch zugenommen hat. Und so gilt die Frau skurrilerweise innerhalb der LINKEN sogar als zu rechts, während sie vor gar nicht allzu langer Zeit in der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung noch als Ultra-Kommunistin hingestellt wurde. Ich persönlich wünschte mir, es gäbe in der Partei der LINKEN ein paar mehr so kluge und besonnene Leute wie Sahra Wagenknecht und weniger von solchen Katja Kipping-artigen Gestalten. Während sich Frau Wagenknecht in eine Diskussionsrunde setzen kann und dort vernünftig argumentierend ihre Standpunkte darlegt (die man nun teilen kann oder auch nicht), höre ich eine Frau Kipping ständig nur keifen und geifern, egal um welches Thema es geht. Tiefpunkt ihrer ohnehin häufig zweifelhaften Wortäußerungen waren dann in meinen Augen ihre gezwitscherten Beiträge zu den G20-Krawallen, in denen sie in ihrer verqueren Weltsicht das halbtägige, gar nicht so lustige „Plündern und Branschatzen“ noch einer vermeintlichen Provokation durch die Polizei in die Schuhe schieben wollte.

Da ich meinen wachsenden Unmut über die lokalen wie großpolitischen Schieflagen in der Partei immer mal wieder bei sich bietenden Gelegenheiten in meinem Freundes- und Bekanntenkreis kundtat, wurde mir gehäuft nahe gelegt, doch wieder aus der Partei auszutreten. 2017 wollte ich das vor der Bundestagswahl dann nicht mehr tun, weil ich das als das falsche Signal empfunden hätte, immerhin handelte es sich ja immer noch um die politische Vereinigung, mit deren zumindest auf dem geduldigen Papier formulierten Positionen ich noch am ehesten d’accord ging. Und immer noch wünschte ich mir für die Partei ein besseres Ergebnis bei der Bundestagswahl und daraus womöglich erwachsende bessere Gestaltungsmöglichkeiten. Ich habe „TeamSahra“ im Wahlkampf dann auch noch im Rahmen meiner Möglichkeiten unterstützt, vom Ergebnis her ist ja dann bekanntermaßen aber aus meinen Träumen und Hoffnungen nichts geworden.

Heute, als politischer Pensionär und Eremit (steht mir nach 4 Jahren „Die LINKE“ jetzt nicht eigentlich eine fette Pension zu….!? ^^), bin ich nur noch Mitglied bei „Die Partei“. Die sind wenigstens lustig. Und versprechen nichts, was sie dann später nicht halten. Ansonsten bin ich mit der „Realpolitik“, denke ich, weitgehend durch.

 

Mein Hausarzt in Duisburg, ein kluger Mann, hat mir, als ich mit dem Medizinstudium begonnen habe, einen guten Rat mitgegeben, um erfolgreich durch das Studium zu kommen. Er sagte: „Halten Sie es mit dem Feiern in Maßen, suchen Sie sich Vorbilder an der Universität und bleiben Sie der Hochschulpolitik fern.“ Ich habe das quasi als ärztliche Anordnung verstanden und es gleichermaßen folgsam wie letztendlich ja auch erfolgreich umgesetzt. Vermutlich würde dieser Hausarzt, klug wie er ist, in Analogie zum damaligen Tipp wohl generell dazu raten, sich aus den Widerwärtigkeiten des politischen Geschäfts herauszuhalten. Die Gesundheit geht bekanntermaßen vor.

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